Tausendsassa Teacher

dsc_0370Mitten in der Vorstadt Münchens habe ich einen Lehrer getroffen, der sich selber “vielseitig interessiert” oder “unentschlossen” nennt und den ich mal klar als “Tausendsassa” bezeichnen würde: vom Youtuber (herbstgedanken und herbstgelerne), über Autor von Schulbüchern auf dem ipad oder Filme-Macher bis zum Initiator des iPad-Unterrichts – er macht einfach alles!

“Ich bin Lehrer an einer Realschule im Münchner Osten und unterrichte Deutsch und Englisch. Dass es dazu kam, ist das Ergebnis eines eher längeren Prozesses. Ich bin Lehrer in der 3. Generation und habe lange gezaudert, weil ich mich nicht in eine Schablone pressen lassen wollte. Daher habe ich auch neben der Schule und meinen entzückenden zwei Kindern viele, viele Hobbies nebenher – mich interessiert einfach zu viel.
Das hat sich auch während des Studiums gezeigt:  ich habe mich ziemlich viel umgekuckt und vieles ausprobiert – damals ging das noch. Deshalb war ich auch eher älter als die meisten, als ich dann richtig angefangen habe. Dafür weiss ich aber jetzt, dass ich das wirklich will.”

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In the middle of the suburbs I met a teacher who calls himself “versatile interested” or “undecided”and I actually only would call “a devil of a fellow”: he is a YouTuber (herbstgedanken and herbstgelerne), he is author fo a school book for the ipad and he is a film maker and he is the initiator of the iPad-lessons – he is just doing everything!

“I am a teacher in a secondary school in the East of Munich and I am teaching German and English. That I am actually a teacher is the result of a long process. I am a teacher in the thrid generation and therfore I hesitated because I did not want to follow a path someone else was giving me. This is probably why I have a lot of hobbies besides the school and my two wonderful kids – I am just interested in too much. This showed already during my studies: I have looked around and tried out a lot – this was still possible at that time. This is the reason why I was a bit older than the others when I started. With all this experiences in the background I know now really that I want to do this.

dsc_0354“Dass ich mit Kids ganz gut zurecht komme, kannte ich von meiner Arbeit Jugendgruppen und ähnlichem. Im Gegensatz zu einigen Kollegen ist mir dabei immer sehr wichtig, mit den Kindern Nähe aufzubauen, mich auf sie einzulassen und auch auf ihre Wünsche einzugehen. Ich will, dass sie aus Einsicht lernen und nicht, weil jemand hinter ihnen mit einer Peitsche steht. Es bringt nichts, ihnen bei zu bringen, dass sie nur gute Schüler sind, wenn sie still sitzen. Sie müssen lernen wollen, dann können sie alles werden. Gottseidank geben mir die Lehrpläne in Deutsch und Englisch dafür genug Freiheiten – ob ich ihnen Grammatik mit Beispielsätzen aus Kartoffeln und Broten gebe oder mit Pokemon Tierchen, ist wirklich nicht vorgeschrieben. Allerdings haben die beiden Fächer wirklich den großen Nachteil, dass ich viel, viel, viel korrigieren muss.”

“Dem G8 “verdanken” wir immer mehr Schüler. Mehr und mehr Eltern ziehen den Weg über die Realschule dem Stress am Gymnasium vor. Die Realschule ist ja auch inzwischen zum “Mini-Gymnasium” geworden. Von der Realschule gibt es viele Wege zum Abitur – zum Beispiel mit einem Übergangsjahr direkt nach dem letzten Jahre bei uns. Das ist ein ganz normaler Weg geworden. Nur da kommt es wieder: auch diesen Weg schaffen die Kids nur, wenn sie wirklich wollen. Daher ist es mir so wichtig, genau dieses Wollen in ihnen zu wecken.”

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“I knew that I like working with kids because I was already working with kids during my time in youth groups and so on. In contrast to a lot of my colleagues it is really important to me to get in contact with the kids, to get to know them, to understand them and to respect their wishes. I want them to learn out of understanding and not because someone with a whip is standing behind them. In my opinion it is not very usefull to teach them that they are onyl good pupils if they are sitting still. They have to WANT to learn. Then she can achieve everything. Luckily the teaching plan of German and English is flexible enough – if I teach grammar with sentences about potatoes and bread or about Pokemons, is my decision. But those two subjects have a real good disadvantage: you have to do a lot of to read a lot of tests and correct a lot.”

“The G8 is the root cause that we get more and more pupils. More and more parents do not want to have the stress at the “Gymnasium”(high school). The “Realschule” (secondary school) turns more and more into a “Mini-Gymnasium”. From our school there are a lot of ways to the Abitur – for example right after an interims year after the last year with us. This turns out become more and more normal. But here it comes again: the kids will only go this way when they really want it. This is exactly the reason why I focus on awakening this”wanting” so much.”

dsc_0362“Wenn die Kids zu uns kommen in der 5. Klasse, dann sind sie noch so süße Kids und kurz danach werden sie wahnsinnig. Wir entlassen sie dann, wenn sie schon fast erwachsen sind. Ein langer Weg, auf dem wir sie da begleiten.
Das kommende Jahr wird die Klasse die Schule verlassen, die ich in meinem ersten Jahr in der 5. Klasse unterrichtet habe. Ich weiss noch nicht, wie ich mich genau dazu fühle, aber ich kann mir schon vorstellen, dass ich da ein bisschen wehmütig werde. Besonders spannend finde ich es allerdings zu sehen, was sie dann daraus machen.”

“Es ist nun mal so, dass der Ausländeranteil vom Gymnasium, zur Realschule bis zur Mittelschule hin zunimmt. Das ist nicht weg zu reden, aber ich sehe darin keinen Nachteil, sondern nur größere Herausforderungen an die Lehrer.”

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“When the kids come to us in 5th grade they are sweet little kids and right after that they turn crazy. When the leave our school they are almost adults already. We accomany them on a very long way.
This coming year the first class will leave school which I had in my first year as 5th grade. I am not very sure how I will really feel but I can image that I will be a little bit melancholic. But what I am really interested in is what they will do after school.”

“The quota of foreigners is getting higher from Gymnasium to Realschule to Mittelschule. These are facts but I do not see any disadvantag it in but a bigger challenge for us as teachers.”

dsc_0341“Ein Kollege und ich haben letztes Jahre ein Pilotprojekt gestartet: eine ipad-Klasse. Die Kinder haben von der Stadt bzw. dem Pädagogischen Institut München finanziert ein ipad an die Hand bekommen für das ganze Jahr. Ganz schön spannend für alle beteiligten. Für uns Lehrer hat sich dadurch sehr viel verändert und auch die Schüler konnten sehr viel lernen. Die Motivation konnten wir nicht ganz so ankurbeln, wie wir es uns erhofft haben, aber das führe ich jetzt mal auf die etwas ungünstige Struktur in der Klasse, und die Noten sind jetzt eher stabil geblieben als dass sie sich verbessert haben. Aber ganz viele Faktoren, die zu unrecht nicht im Lehrplan stehen, konnten wir verbessern: alle können jetzt sehr gut Vorträge multimedial vorbereiten und auch halten. Sie können jetzt mit den neuen Techniken wie Apps sehr gut umgehen und vor allem hat sich das kooperative Arbeiten stark verbessert: sie haben zusammen eBooks erstellt mit Videos, Audio und Texten.”

“Die Kritiker unseres Projektes haben immer gesagt: “Ach, die Kinder machen ja immer nur Mist mit den ipads und zocken oder schauen sich Videos an.” Da schmettere ich immer dagegen: “Ja, aber wer zeigt ihnen denn, was sie eigentlich damit machen können oder sollen? Die Eltern meistens nicht!” Und so bin ich wirklich stolz darauf, was rausgekommen ist.”

“Das Feedback der Eltern war einhellig positiv und die Kinder fanden es auch gut. Die haben sich eher beschwert, dass es in Fächern wie Mathe zu wenig zum Einsatz kam. Leider gab es auch einige schwarze Schafe in der Klasse, die versucht haben, uns zu umgehen und haben während des Unterrichts dann gechattet oder haben Filmchen gemacht, während sie eigentlich an was ganz anderem arbeiten hätten sollen. Daher werden wir das Projekt jetzt mit einer anderen Klasse weiterführen und ein paar Parameter ändern: die ipads werden administriert sein, so dass die Kids nicht alles selber bestimmen können und wir werden Programme wie Classroom benutzen, um zum Beispiel auch ein wenig Monitoren zu können, was sie tun.”

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“A colleague and me started a pilot project last year: an ipad-class. The kids got ipads for the whole year and this was sponsored by the city or better by the Pädagogischen Institut München. That was pretty exiting for al parties. For us teachers a lot of changed and also the kids could learn a lot from this experiment. We hoped to raise the motivation a lot but this did not take place as much as we hoped. But we think that the cause for that was more in a difficult structure of the class. The grades did not improve but were stable. But a lot of factors improved a lot which are not in any teaching plan: they could prepare multimedia presentations and hold them in front of the whole class. They improved their skills with new technologies like apps and most importantly working together and in groups improved tremendously: they worked together on eBooks with videos, audio and text.”

“People who criticized the project always said: “But the kids only do rubbish with those ipads such as gaming and watching videos.” And I am saying: “But who is telling them what they really can or should do with those tablets? The parents usually don’t do it.” And therefore I am really proud about the outcome.”

“Interestingly enough the parents were all positive about the project and the kids also loved it. The only concern of the kids was that tthey could not use it more often for example in maths. Unfortunately we had some bad sheeps in the crowd who tried to cheat on us and chatted during class or mad videos while they actually were supposed to do something completely different. This is why we will continue the project with another class and we will change a few things: the ipad will be administrated so the kids have less freedom on the ipads and we will use programs like “Classroom” to monitor a bit better what they are doing.”

 

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Hier noch mal die Zusammenfassung aller weiterführenden Links:

And here again the links mentioned in this article

 

 

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