Play Me, I’m Yours

Seid ihr schon mal durch München gelaufen und seid über ein Klavier gestolpert? Dieses Jahr hätte es eines der 17 Klaviere des Projektes “Play Me, I’m Yours” an verschiedenen Plätzen in ganz München sein können. Und dass diese Klaviere dort stehen war unter vielen anderen auch dieser jungen Dame zu verdanken. Sie ist die Projektleiterin für den Isarlust e.V. / Die Urbanauten für das Projekt “Play Me, I’m Yours“. Ich habe Sie in einem netten Cafe getroffen und sie hat mir tolle Geschichten über sich und die Klaviere erzählt.

Did you ever walk through Munich and stumbled upon a piano? This year you could have found one of 17 pianos which have been placed all over Munich within the project “Play Me, I’m Yours“. And all this happened thanks to this young lady here. She is the project leader for Isarlust e.V. / Die Urbanauten in the project Play Me, I’m Yours. I have met her in a Cafe and she told me some nice stories about herself and about the pianos. (see the English translation of the text at the bottom)

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“Für mich ist es sehr wichtig, einen sinnvollen Job zu machen. Da ich mich für Stadtplanung sehr interessiere, finde ich es spannend, den öffentlichen Raum zu beleben, zu vernetzen und Menschen zu verbinden. Leider kann ich selber gar nicht Klavier spielen, aber dieses Projekt ist einfach ganz wundervoll und ich habe neben dem ganzen Stress, das es mit sich brachte, viele tolle Dinge erlebt.

Viele haben Sorge, dass die Klaviere beschädigt werden könnten. So hat mich gleich jemand beim Aufstellen eines der Klaviere darauf aufmerksam gemacht, dass das kein guter Ort wäre und dass sicher die Obdachlosen das Instrument zerstören würden. Aber diesen Fall hatten wir noch nie. Das Klavier als Instrument an sich scheint schon Respekt einzuflößen, dass es keiner anfasst. Nicht nur, weil man damit Musik machen kann und weil jeder darauf spielen kann. Es ist ein Instrument von Menschen für Menschen. Jedes der Klaviere ist individuell gestaltet: von Schulen oder anderen Kinder- oder Jugendeinrichtungen, von Künstlern, von Privatpersonen. Damit hat jedes Klavier seinen eigenen Charakter, seine Geschichte und das reicht offensichtlich, dass es keiner kaputt macht.

Im Gegenteil: wir haben sogar einige Personen, die sich in den 18 Tagen um die Klaviere gekümmert haben. Sie haben sie abgeschlossen und bei Regen abgedeckt. Und das sind ganz unterschiedliche Menschen, die ihre Fürsorge für das Klaviere ehrenamtlich mit in das Projekt einbringen: vom Concierge des Bayrischen Hofs, zum Kiosk-Besitzer, zum Obdachlosen bis zum Edeka Mitarbeiter. Das Klavier, zu dem mich einer “gewarnt” hatte, dass es zerstört werden könnte, war zum Schluss das beste gepflegte. Die Obdachlosen haben es gepflegt, sich um es gekümmert und sich sofort gemeldet, wenn etwas kaputt war. Ich würde mir sehr wünschen, dass noch mehr Menschen solche “Patenschaften” für die Klaviere übernehmen würden, solange sie auf der Straße stehen.

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An den Klavieren haben sich ganz wunderbare Geschichten ereignet: Bands haben sich getroffen, um dort ihre Proben zu machen, Kinder haben hier rumgeklimpert und wir haben ein umfangreiches Programm mit Konzerten, Probeunterrichten und vielem mehr auf die Beine gestellt.  Die Krönung war natürlich die Abschluss-Veranstaltung auf der Freiluftbühne vor dem Gasteig.

Eine Geschichte war jedoch etwas ganz besonderes für mich: Am Giesinger Bahnhof stand ein Klavier. Es gab wohl einige Bedenken vorab, ob das der richtige Standplatz sei. Aber wir arbeiten hier eng mit den Bezirksausschüssen, dem KVR und auch dem dortigen Kulturzentrum zusammen und auch nach gründlicher Recherche und Gesprächen haben wir uns für den Standort entschieden. Eines Tages als ich mal wieder zum Absperren zu diesem Klavier gefahren bin, stand dort gerade ein Obdachloser aus Argentinien. Als er mitbekommen hat, dass ich zu diesem Projekt gehöre, hat er mich sofort in den Arm genommen und sich dafür bedankt. Es hat sich herausgestellt, dass er ganz wundervoll spielen konnte und ich war sehr gerührt, dass wir hier so viel Freude bereiten konnten. Diese Dankbarkeit und Freude habe ich auch bei anderen Gelegenheiten erlebt – z.B. bei Bands, die dort ihre Proben abgehalten haben – aber dieser Moment hat mich doch ganz besonders berührt.

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Piano am Giesinger Bahnhof mit seinem “Paten” beim Spielen – (c) Vipasana Roy / Isarlust e.V.

Ich wünschte, ich hätte mehr Zeit an den Klavieren zu verbringen während sie draußen stehen. Leider ist mein Terminkalender jedoch in diesen zwei Wochen so voll, dass dafür kein Platz ist. Es bleibt einfach zu wenig Zeit, um auch mal einfach an den Klavieren zu sitzen und zu sehen, was sich dort für Geschichten abspielen. Dafür haben wir aber viele tolle Menschen, die uns Fotos schicken, so dass ich doch teilhaben kann. Wie zum Beispiel ein Journalist einige tolle Dokumentationen und Reportagen in seiner Online-Zeitung dazu geschrieben hat. (Anmerkung: Hier der Link zu dieser tollen Dokumentation im Pasinger Online Kurier)

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Bei der Gestaltung der Klaviere arbeiten wir mit der Handwerkskammer zusammen, aber auch mit Schulen, Kindergärten und anderen Einrichtungen. Nach der Zeit auf der Straße

und wenn die Klaviere durch die Witterung nicht zu sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde, kommen die Klaviere danach wieder zu ihren Gestaltern. Ein Ziel wäre es, dass in allen Schulen und Jugendeinrichtungen später mal so ein Klavier steht.

Mein Lieblingsklavier war das “Tiger-Klavier“. Hier hatte sich ein 10-jähriges Mädchen mit ihrem Papa für die Gestaltung eines Klaviers beworben. Sie hatte einen Sprayer-Kurs gerade absolviert und durfte ihr eigenes Klavier nicht besprühen. Sie haben ein ganz wundervolles Klavier gestaltet und ich habe es geliebt.

Dieses Projekt wird von der Stadt München finanziell unterstützt und doch lebt es ganz viel von der ehrenamtlichen Arbeit vieler Menschen. Bei allen steckt so viel Herzblut drin, dass es alleine dadurch ein ganz wundervolles Projekt ist. Aber ganz besonders freut mich, wenn wir wirkliche Begegnungen und Verbindungen zwischen Menschen schaffen können. Der Initiator und inzwischen Lizenzgeber Luke Jerram hatte das Projekt ja in einem Waschsalon begonnen. Er wollte nicht, dass die Menschen während sie auf die Wäsche warten einfach rumsitzen und nicht miteinander reden. Er wollte Sie anregen und fand, dass Musik verbindet. Also stellt er in den Waschsalon ein Klavier – und schwups, es funktionierte. So ist die Idee entstanden, Menschen auch auf der Straße durch die Musik zu verbinden und die Klaviere eignen ich als Instrument sehr gut dazu. Inzwischen ist das Projekt weltweit in vielen Städten aufgelegt und wir sind stolz, als einzige Stadt Deutschlands teilzunehmen.

So viel zum Klischee, dass München spießig und langweilig ist: nur in einer anderen Stadt gibt es noch ein ähnliches Projekt – nämlich in Karlsruhe unter dem Namen “Spiel Mich”. Aber in keiner andern Stadt sonst gibt es Klaviere im öffentlichen Raum!

Und jetzt? Jetzt habe ich erst mal meine Kollegin Isabel Melendez Alba dafür verpflichtet, mir auch mal Unterricht zu geben, denn ich kann noch nicht mal selber spielen.
Und ich freue mich schon unglaublich auf nächstes Jahr!”


Links:

 

Das erste Mal, das ich von so einem Projekt gehört hatte, war in Amerika, als ich einen tollen Pianisten kennengelernt habe, der mitten in New York auf einem Klavier gespielt hat: The Master of Piano


Some worry about the pianos on the street – that some people might destroy or damage them. So someone made me aware of that just in the moment when we put one piano on its spot. He said this would not be a good place and that some of the homeless might damage it. But we never had any cases like that. The piano itself seems to be an instrument which has enough aura for respect that nobody would lay a hand on it. Not only that everyone can make music on it. It is an instrument from people for people. Each of those pianos is designed indifvidually: by schools or any other children or youth organisations, by artists, by private persons. That’s why each of our pianos has its own character, its story and this seems to be enough that nobody will do any harm to them.

Actually to the contrary: we have quite an armada of people who are taking care of the pianos during those days. They will lock them and cover them when the rain starts. And these are people from different backgrounds which are showing their care and help for those pianos pro bono: the concierge of the Bayrischer Hof, an owner of a newsstand, a homeless guy, an employee of a supermarket. The piano everybody warned us about that it would be in danger for demolition was the best preserved and cared one. The homeless guys have maintained it, preserved it and have called me immediately when something was broken. I wished more people would take such responsibility and be a “god parent” as long as the pianos are on the street.

On those pianos a lot of wonderful stories have taken place: bands met there to practice, kids played on it and we were able to offer an extensive program of concerts, practice lessons and a lot more. The highlight for sure was the final event at the open-air-stage at the Gasteig.

One story was particularly touching for me: the Giesinger Bahnhof was one of the locations of a piano. There were a lot of doubts up front if this might be the right place for a piano. But we were working closely together with the Bezirksausschüssen, the KVR and the culture center right next to the location. And after thorough research and talks we finally decided in favor of the location. One day I went to this particular piano to lock it for the night. A homeless guy from Argentina was standing right next the piano. When he learned that I am part of the project he hugged me and thanked me a lot. We found out that he was playing piano excellently and most wonderfully and I was very touched that we could give him so much joy. I was lucky to see more of this appreciation and joy – for example from bands who were practicing on the piano – but this moment was very special for me.”

The very first time that those kind of project actually exist was when I met a great piano player who played in the middle of New York on a piano: The Master of Piano

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