Urbanauten

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“Wie es dazu kam, dass wir die Urbanauten gegründet haben? Als ich 16 Jahre war, bin ich auf einer Diskussion gewesen und habe dort einen sehr charismatischen Redner von GreenCity auf dem Podium gesehen. Nach der Diskussionsrunde war ich mit ihm und noch einigen anderen Zuschauern einen trinken. Kurz danach habe ich bei GreenCity nebenher gearbeitet. Es ging um Autofreie Städte,  und so weiter. Als ich später dann für ein Jahr nach Barcolona gegangen bin hab ich festgestellt, dass sich einfach während meiner Abwesenheit nichts verändert hat: es waren noch immer die gleichen Argumente in den gleichen Diskussionen und die gleichen Männern in den Sitzungen. Da haben wir aus unserem Debatierclub die Urbanauten gegründet. Wir haben Podiumsdiskussionen auf die Beine gestellt, haben mit dem  Corso Leopold die erste Projekt-Aufträge bekommen und haben zum Beispiel Aktionskunst organisiert, wie Konzerte an “Unorten” wie der Verkehrsinsel vom Siegestor. Tja, und irgendwann kam uns die Idee mit dem Strand: mit Sand hatten wir auf einer Aktion zu tun und das hat uns so gut gefallen: Kultur und Strand. Wir sind mit dem ganzen Thema  komplett in einen Bereich gefallen, den es vorher nicht gab – wer darf denn den öffentlich Raum nutzen? Wir haben Pionierarbeit geleistet, denn erst durch unsere Anträge uns unsere Ideen musste sich die Politik und die Verwaltung damit zum ersten mal damit auseinandersetzen: wer ist dafür zuständig? Wer darf diese Anträge eigentlich genehmigen? Und um ehrlich zu sein, ist das alles noch immer nicht eindeutig geklärt. Somit mussten wir an vielen Stellen ganz schön Lehrgeld zahlen.

Mit dem Job wird man nicht reich. Wir haben mit den ersten Stränden erst mal Schulden aufnehmen müssen und haben erst mit dem Strand letztes Jahr alles wieder zurückzahlen können. Um so bitterer, dass es wir dieses Jahr dann bei der öffentlich Ausschreibung den Zuschlag nicht erhalten haben – nach allem was wir da für Wege geebnet haben über Jahre hinweg und wie viel Zeit und viele Kosten wir schon auf uns genommen haben. Denn die Genehmigung erhält man ganze 10 Tage vor dem eigentlich Start des Strandes. Da mussten wir ja erst mal in Vorleistung gehen.  Ein Unding, aber alle Beteiligten des Genehmigungprozesses beschweren sich darüber, dass zu viele Kapazitäten und Kräfte benötigt werden, um so etwas durchzubekommen – aber geändert hat sich daran noch immer nichts. Wir wurden sogar schon für einen Bürokratie-Preis nominiert.
Aber es hilft ja nichts, sich hinzusetzen und zu lamentieren. Jetzt konzentrieren wir uns eben weiter auf neue Projekte. Wir setzen wieder auf Podiumsdiskussionen, wie man den öffentlich Raum weiter für Menschen zugänglich machen kann und den Verkehr in seine Schranken weißen kann.

Wie ich das alles neben meiner Familie mit drei Kindern hinbekomme? Selbstorganisation. Da heisst es, auch mal die Wohnung so zu lassen als hätten gerade drei Kinder drin gespielt und nicht unbedingt aufzuräumen. Mir macht dieser Job so viel Spaß und er ist einfach meine Biographie. Ich habe noch nie etwas anderes gesucht. Natürlich frage ich mich schon manchmal, ob ich blöd bin, so viel zu investieren, aber es bietet mir natürlich auch unglaublich viel Freiheiten. Natürlich haben wir viel Zwänge um uns, aber wenn ich mir vorstellen müsste, es wäre jetzt auch noch ein Chef da, der mir sagt, wie ich die Dinge angehen muss – nein das gingt nicht. Auch wenn ich natürlich den Traum habe, dass Geld keine Rolle spielt und die Zeit unendlich ist: letztendlich ist es selbstgewähltes Leid und ein großes Maß an Selbstorganisation. So kann ich ein gutes Gleichgewicht zwischen Familie und Job finden.”

Die Urbanauten haben nicht nur den Kulturstrand gemacht, der wohl das Projekt ist, das am meisten in der Presse vertreten ist. Sondern sie haben auch viele andere tolle Projekte gemacht, wie auch das Projekt “Play Me I am Yours.” – siehe hierzu auch das schöne Portrait von der Projektmanagerin, die Klaviere in ganz München aufstellen ließ.


The story behind me founding the Urbanauten? When I was 16 I was on public discussion and there was a quite charismatic speaker from Greencity. After the official part we want all for a beer together and shortly after that I started working for GreenCity. The main focus of that time to have car free cities and all around that topic. A few years later I lived in Barcelona for a year and after coming back I realized that there was no progress: it was still the same arguments, the same discussions, the same men in all hearings. So I founded the Urbanauten with a friend out of a debating club. We organized public discussions, got first projects such as the Corso Leopold and organized public action art, like concerts on „non-locations“ like that little traffic island at Siegestor. Well, and then we had this idea with this beach: we had worked with sand in one of our last projects and we loved it: culture and beach. We have fallen into a huge gap with this kind of projects. This has never been there before: who is is actually allowed to use those public locations int he city? We were pioneers and only because we wanted to do these projects the administration and the politicians had to answer those questions for the first times: Who is responsible for this? Whose competence is it to approve such applications? And honestly speaking a few of those questions are still open. We had to learn it the hard way.

You are not going to be rich with those projects. We even had to take on debts and could only repay them last year with the last Kulturstrand. That is why it was so hard to learn that we did not get the permission this time to do it but someone else – after all those years where we did to make it possible after all and after all the time and the money we already spent! Because we only learned it ten days before it should start and we have worked already on it.  It is pretty absurd to get this approval with such short notice and everyone is complaining about it and about how many capacities are needed to do the whole approval process – also in the administration – but nobody could change it so far.
But it won’t help to sit down and complain. Now we focus on our new projects. We have more public discussions again about how we can open up public locations for more people and how we can put the traffic only in its place.

How I manage all of this with my family with three kids? Self organization! This means to leave your flat sometimes as if your three kids just have played in it heavily and not cleaning al the time. I love my job and it is part of my biography. I have never looked for anything else. Sure, sometimes I wonder if I am completely crazy to invest so much in the job, but it also gives me a lot of freedom. I know I can not act without any boundaries but if I’d imagine to have a boss who told me what to do … that would not work. And even if I share the dream with everyone to money would not matter and there would be time without limits: in the end it is self-chosen misery and a big amount of self organization. That is the only way for me to find a good balance between family and job!“

The Urbanauten haven not only done the Kulturstrand – the project which probably has been covered most by the press. Another great example is the project „Play me I’m yours“ – see also the wonderful portrait of the project manager who was responsible for all the pianos on public places in Munich!

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