Digitalisierung

Solveig

„Ich finde die Frage sehr spannend, was die Digitalisierung mit unserer Gesellschaft, mit unserer Demokratie, mit uns ganz persönlich macht. Die Digitalisierung ist nicht nur ein Gerät, das man sich kauft. Es ist ein Geflecht, das sich wie Lebensadern durch unseren Alltag und Beruf zieht.

Früher hatten wir die Massenmedien, die für uns recherchiert, ausgewählt und die Themen gesetzt haben. Drum herum hatten wir Gespräche und den realen Austausch – am Küchentisch, im Verein oder beim Stammtisch. Mit dem Blick in die Zeitung wusste man, welche Themen am nächsten Tag in der Arbeit in der Kaffeepause wichtig sind. Dadurch sind natürlich viele Themen unter den Tisch gefallen.

Heute können wir uns jederzeit mit jedem auf der Welt, der ein Smartphone und Internetzugang hat, austauschen – technisch kein Problem. Leider haben die neuen Möglichkeiten auch dazu geführt, dass schneller mit Schlamm geworfen wird. Irgendwie scheint es heute naheliegender zu sein, sich aufzuregen – real oder digital. Mir geht es auch so, dass ich es einfacher finde, mich über Trump aufzuregen als über den Klimawandel zu diskutieren. Aber können wir uns das ernsthaft leisten? Wie soll Demokratie so funktionieren?

Initiativen wie “Ich bin hier” finde ich in diesem Zusammenhang klasse. Die setzen gegen rechts ein Zeichen in den sozialen Medien und wollen ihnen nicht einfach das Feld überlassen – denn leider haben die Rechten Facebook wirklich verstanden.

Eine Konsequenz der vielen widersprüchlichen Stimmen und Meinungen ist für mich, dass ich mich inzwischen selber viel breiter informiere. Ich lese nicht mehr Medien aus nur einer einzigen politischen Ausrichtung. Das geht heutzutage ja sehr einfach!

Die Medien haben gerade in schwierigen Zeiten eine große Verantwortung. Nicht immer werden sie ihr gerecht, wie eine ganz aktuelle Studie über die Artikel und Berichte zur Flüchtlingskrise zeigt. Fazit: Aufgabe nicht erfüllt. Es wurde hauptsächlich aus der Warte der Regierungsparteien berichtet. Die Positionen wurden unkritisch übernommen.

Wir brauchen aber funktionierende Medien. Es ist immer noch so, dass wir das meiste, was wir wissen, durch Medien wissen. Wir sind nicht dabei, wenn etwas passiert. Wir haben oft eine Meinung zu Themen, ohne persönliche Erfahrung. Wir haben gelernt, dass Augenzeugenberichte ihre Grenzen haben. Anders gesagt, journalistische Recherche und Aufbereitung von Informationen sind wertvoll.

Neu ist, dass wir Informationen und Meinungen stärker hinterfragen müssen:
Wer sind die Quellen? Was steht im Impressum? Gerade weil jeder alles veröffentlichen kann und wir uns so gerne aufregen, müssen wir genauer hingucken und dann auch Flagge zeigen.

Mir fällt dazu sofort ein Video von Al Jazira ein, das eine Freundin vor einiger Zeit auf Facebook gepostet hatte. ISIS-Kämpfer wurden zum Schluss als nette Truppe dargestellt – das war das Ziel des professionell gemachten Videos à la Hollywood. Ich habe das mit ihr – übrigens am Telefon – diskutiert. Sie hatte sich nicht so viele Gedanken gemacht und es nach unserer Diskussion gelöscht.

Ich glaube, dass es wichtig ist, auch im vermeintlich Kleinen zu reagieren, weil wir nur alle gemeinsam eine Antwort darauf finden können, wie die digitalisierte Demokratie funktioniert.

Und wenn mir das alles zu viel wird, dann mache ich Musik. Da geht es auch um Kommunikation, aber ganz anders ;-)”

Und hier noch ein paar Links zu ihrer Musik:
Qualle: https://www.youtube.com/watch?v=rWm22tNbtN0
Bon Chemin: https://www.youtube.com/watch?v=j_xIAvO2b3k

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