Schlicht, funktional, schön

“Ich liebe, was ich hier tue. Gestaltet habe ich schon immer gerne, aber jetzt bin ich wirklich dort angekommen, wo ich hingehöre. Dabei habe ich eher aus einer „Notlage“ heraus angefangen, Taschen zu entwerfen und zu nähen. Ich lebte damals in New York und konnte es kaum fassen, dass ich in dieser Stadt keine Ledertasche finden konnte, die meinen Vorstellungen entsprach.
Mein Hintergrund in der Architektur beeinflusst, glaube ich, sehr, wie ich in meiner jetzigen Arbeit an die Dinge herangehe. Als Architekt versuchst du immer, die Dinge möglichst einfach und schlicht aussehen zu lassen. Die Gebäude, die nachher so schön minimalistisch daher kommen, in denen steckt die meiste Detailarbeit. Übersetzt ins Taschendesign heißt das für mich, immer abzufragen, was konstruktiv sein muss und wo ich noch reduzieren kann. Zierelemente gibt es nie, die finde ich völlig überflüssig. Dafür geht es mir um Funktion, perfekte Proportionen und nachhaltige Materialien. Ich finde das höchst spannend und freue mich jeden Tag, dass ich mich damit befassen darf. Die handwerkliche Arbeit ist dabei ein wichtiger Teil. Bis auf eine Ausnahme, produziere ich jedes der Modelle in meinem Atelier selber. Ich genieße es sehr, mit den Händen zu arbeiten – für mich ist das fast eine Art Meditation.”

Kathrin

Du hast erzählt, dass du auch mal Krisen hattest. Dass du auch einige Fehler gemacht hast. Wenn du zurückblickst und dir von vor 5 Jahren jetzt gegenübersitzen würdest: was würdest du dir raten?

“Die letzten Jahre waren eine emotionale Achterbahnfahrt. Nicht nur einmal war ich an dem Punkt, an dem ich kurz davor war, alles hinzuschmeißen. Und dann ist jedesmal irgendetwas positives passiert und mir war wieder klar, dass ich nicht einfach aufhören kann. Trotz aller Krisen und Zweifel, hatte ich doch auch immer den Verdacht, dass sich alles irgendwann auszahlen würde.
Im Nachhinein würde ich mir wahrscheinlich hauptsächlich raten, geduldiger zu sein. Den vielbesagten „langen Atem“ braucht man mehr, als man anfänglich denkt. Ein paar Fehler habe ich natürlich auch gemacht, das gehört dazu. Letztlich hatte aber sicher alles seinen Sinn und auch seine Zeit. Hätte ich z.B. von Anfang einen Laden am Gärtnerplatz gehabt, hätte mich das sicher total überfordert.”

Und wenn du jetzt einen Wunsch frei hättest?

“Vielleicht würde ich mir wünschen, die Zeit ein bisschen anhalten zu können um alles aufzusaugen, was ist. Im Prinzip ist alles so gekommen, wie ich es immer wollte. Ich fühle mich zum ersten Mal nicht mehr so getrieben und das geniesse ich in vollen Zügen.”

 

 

 

 

 

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