Krav Maga

Krav_Maga
„Ich hatte schon verschiedene Kampfsportarten ausprobiert. Aber ich habe mich oft über die Preise und Trainingszeiten geärgert. Ein Freund hat das mitbekommen und meinte, ich soll mir doch mal Krav Maga ansehen. Ich wusste überhaupt nichts darüber, hab aber das Probetraining gemacht und es hat mir mega Spaß gemacht.

Ich mag Krav Maga so gerne, weil das System ziemlich ähnlich zu mir selber ist. Krav Maga spiegelt ein paar Charaktereigenschaften von mir wider. Ich bin jemand, der immer schaut, dass sich alles weiterentwickelt, dass neue Dinge dazu kommen und dass kein Stillstand ist. Und Krav Maga ist ganz direkt und pragmatisch. Ich bin auch ziemlich pragmatisch: Problem, Lösung, weg. Zack. Kein großes Tamtam, nichts drum herum.

Inzwischen bin ich „Expert 1“. Das kann man am besten mit dem schwarzen Gürtel vergleichen. In Deutschland haben aktuell nur zwei Frauen dieses Level. Eigentlich ist es schon ziemlich cool, dass wir schon zwei Frauen auf dem Level sind, denn Krav Maga ist leider kein klassischer Frauensport. Wir haben immerhin 30% Frauen-Anteil – was gar nicht so schlecht ist gegenüber den klassischen Kampfsportarten. Aber von der Logik her müssten es mehr sein.

Krav Maga kommt aus der israelischen Armee und ist kein Sport oder Kampfsport. Es ist nicht als Sport anerkannt. Sport hat Wettkämpfe und Sport hat Regeln. Und beides hat Krav Maga nicht. Es ist ein reines Selbstverteidungssystem. Das heisst, man schaut sich Konflikt- oder Angriffs-Situationen an, und dann schaut man, wie du aus diesen Situationen rauskommst. Es gibt verschiedene Bereiche im Krav Maga und ich unterrichte hauptsächlich den zivilen Bereich. Im zivilen Bereich wehrst du den Angriff ab und sorgst dafür, dass der Angreifer dich nicht weiter angreift. Die Zeit nutzt du, weg zu kommen. Es geht nicht unbedingt darum, den anderen komplett ausknocken, sondern darum, dem andren vielleicht – banal gesagt – so in die Eier zu hauen, dass er die nächsten 30 Sekunden ausser Gefecht ist. Und in er Zeit haue ich ab.

Obwohl es ein Selbstverteidigungssystem ist, ist bei Frauen die Hemmschwelle sehr hoch. Wir Frauen haben da wirklich ein Problem, denn wir haben die Denke, dass wir niemanden verletzen wollen. Wir kümmern uns im Notfall auch noch um den, der uns angegriffen hat. Das ist wirklich schwierig, aus den Frauen rauszukriegen. Daran arbeiten wir aber.

Was ich besonders faszinierend finde, wie sich die Leuten, die regelmäßig trainieren, echt entwickeln – und das relativ schnell. Vom ersten Mal, wo viele noch unsicher dastehen und Hemmungen haben, überhaupt jemanden anzulangen, bis dazu richtig mit Explosivität und Aggressivität zu arbeiten und zu agieren – und selber zu sehen: „Ok, so komme ich raus aus der Situation.“

Bis jetzt musste ich es Gottseidank noch nie in einer realen Situation anwenden. Vielleicht musste ich mal bei Konzerten jemanden auf Abstand halten, aber konkret nicht. Ich wende es allerdings täglich an, weil ich aufmerksamer durch die Gegend gehe.

Dieses Bewusstsein und auch Selbstbewusstsein weitet sich auch auf andere Lebensbereiche aus: Letztens hat mir eine Schüler erzählt, dass sie in der Arbeit immer wieder Probleme mit einer Kollegin hatte und dass sie sich vor dem Konflikt immer ein bisschen weggeduckt hat. Und jetzt steht sie da, und stellt sich der Situation viel selbstbewusster und gibt auch mal Contra.

De-Eskalation und Prävention sind natürlich große Themen bei uns. Wenn ich erst gar nicht in die Situation komme, um so besser. Im Training wird natürlich mehr an der Technik gearbeitet. Aber viele erzählen mir, dass sie viel aufmerksamer durch die Gegend gehen, und viel früher merken, wenn was nicht stimmt. So können sie vielleicht Situationen im Vorfeld schon vermeiden.

Krav Maga ist ein System, dass sich immer weiter entwickelt und das entspricht mir auch sehr. Es kommen neue Angriffe dazu, es ändern sich Angriffe, es komme neue Schwierigkeiten dazu und so wird Krav Maga immer weiterentwickelt. Die Angriffe müssen alle immer wieder an der Realität getestet werden. Wenn eine Technik nicht funktioniert, weil man schwächer, kleiner oder eine Frau oder sonst etwas ist, dann wird das weiterentwickelt und man schaut sich an, was man machen kann. Das heisst, wenn wir einen Angriff haben und wir haben eine Verteidigung dafür und irgendwo auf der Welt wird festgestellt, dass diese Technik nicht funktioniert, dann wird daran gearbeitet und geschaut, was man anders machen kann, damit es auch wirklich funktioniert. Das heisst, dass das System sich ständig weiter entwickelt. Ich halte es daher für wichtig, dass eine große Organisation dahinter steht – am besten auch noch international und das Headquarter in Israel hat. Das sind tatsächlich wichtige Kriterien, wenn man sich was sucht. Gerade eben weil es ein lebendes System ist. Die Organisation IKMF, in der ich bin, arbeitet z.B. auch mit der IDF und mit verschiedenen Sicherheitsfirmen zusammen, in der solche Dinge immer wieder überprüft werden.

Ich habe gerade eine Fortbildung gemacht für Krav Maga für Menschen mit Handicap. In dem Kurs haben fast alle erzählt, dass sie schon mal tätlich angegriffen wurde. Mal nebenbei bemerkt merkt man daran mal wieder, dass sich die Leute Opfer suchen und niemals jemand gleichwertigen angreifen. Und da sind die Techniken natürlich komplett anders. Wenn du im Rollstuhl sitzt, kannst du bestimmte Techniken gar nicht machen und musst ganz anders reagieren und abwehren. Das Gute ist: denen braucht man meistens nicht beizubringen, dass sie voll zuschlagen müssen. Denen ist das das bewusst und die schlagen auch zu, weil sie selber sehen, wie feige das ist, wenn sie jemand angreift. In so einem Bereich würde ich gerne weiter arbeiten und neue Lösungen finden und so so dazu beitragen, Krav Maga weiterzuentwickeln.“

Gabi hat inzwischen ihre eigene Schule in Augsburg aufgemacht und bietet nehmen Frauen- und Crashkursen auch regelmäßiges Training an. Link zur Schule:
www.krav-maga-school.de

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