Comedy Club

Joana-11“Ich lebe seit 2014 in München  und damals hatte die Gegend um den Hauptbahnhof herum nur ein paar Stripclubs und Hotels. In den letzten Jahren ist es fast explodiert: Es gibt jetzt viel mehr Gemüsehändler und Menschen aus den verschiedensten Ländern. Ich mag, dass München sich in diese Richtung verändern kann. Ich bin gespannt, wie das in den nächsten Jahren weitergeht und ich freue mich darauf, es weiter aufblühen zu sehen.
Ich komme aus einem Vorort von Lissabon und lebe hier seit 3 Jahren. Obwohl ich noch immer Deutsch lerne und die Sprache nicht gut kann, passe ich irgendwie hierher. Ich habe das Gefühl, dass mich München irgendwohin bringt, auch wenn ich noch nicht weiss, wohin.
Es liegt mir im Blut, mich zu beschweren. Es ist mein liebstes Hobby. Über das Wetter, über die Sprache, über Männer – München bietet mir hierfür viel Material. Das gibt mir die Chance mit den Füßen auf dem Boden zu bleiben. Vor allem aber habe ich durch die Community von Schauspielern und Comedians viele Menschen aus anderen Ländern kennengelernt. Ich bin hier richtig eingetaucht. Ich lerne hier viel und ich weiss, dass ich hier bleiben muss – auch wenn ich nicht weiss, für wie lange. Ich gewöhne mich an München, aber so richtig, richtig wohl fühle ich mich nicht. Und das ist wichtig für meinen kreativen Prozess. Ich fühl mich hier sicher und trotzdem unwohl genug, dass ich immer Neues suchen und neue Menschen kennenlernen möchte. Wenn du hier richtig hinsiehst, kannst du alles finden. Aber du musst wirklich gut hinsehen.
Es stört mich nicht, ab und zu auch mal wie alle anderen zu sein: in den Biergarten zu gehen und Bier zu trinken zum Beispiel. Aber irgendwie fühlt sich das komisch an. Das kommt sicher daher, dass ich aus einem anderen Land komme. Ich vergleiche München nicht so sehr mit meiner Heimat, aber irgendwie bin ich immer „Lost in Translation“. Du bist nicht wirklich mehr von dort und irgendwie auch noch nicht richtig hier. Wahrscheinlich bin ich einfach irgendwo dazwischen. An manchen Tagen kann ich das gut abhaben, in dieser Zwischenwelt zu leben. Aber es gibt auch Tage an denen ich am liebsten meine Tasche packen und wieder weiter ziehen würde – vielleicht nach Spanien oder so.
Da hilft mir das „sich Beschweren“. Natürlich kann man es negativ nutzen. Aber man kann es auch dafür gebrauchen, um zu realisieren, wo man gerade steht, wohin man gehen will und was man tun muss, um dorthin zu kommen.
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Ich arbeite hier und da als Freelancer, aber mein wahres Herz schlägt für Schauspiel und Comedy. Ich hoffe, in der Zukunft im Entity Theatre auftreten zu können. Ich vermisse Theater spielen. Aber ich wollte nicht einfach nur warten, das mir was zufliegt und daher bin ich zum ComedyClub Munich gegangen, um mir eine Show anzusehen. Ich fand es total großartig, und so habe ich angefragt, ob ich auch mitmachen kann. Ich hab einen Gig geschrieben, bin zu den Proben gegangen und sie fanden mich gut. So habe ich einfach weiter gemacht und es macht mir großen Spaß.
Es ist gar nicht so einfach und je mehr ich darüber lese, um so spannender finde ich es. Ich bin schon immer ein Fan von StandUp Comedy, aber ich hätte nie gedacht, dass ich es mal selber machen würde. Aber wieder: München hat mir ein Problem gegeben – nämlich dass ich wegen der Sprache nicht einfach so Theaterspielen kann – und so musste ich mich fragen, was ich sonst machen kann. Und so hat mich München sozusagen zum StandUp Comedy gebracht.

In den letzten 8 Monaten ist die Comedy Club Szene fast explodiert. Es gibt immer mehr Clubs, Bars und Cafes, die das anbieten und es gibt ein richtiges Netzwerk, das da entsteht. Besonders klasse finde ich daran, dass das Leute sind wie Du und ich: manche haben einen ganz normalen Job in der IT oder ähnliches und die gehen dann nachts in einen Club und erzählen Witze. Einige sind gut, einige nicht so. Comedy ist sehr subjektiv. Ich genieße auf jeden Fall diesen Prozess: ich sehe etwas, ich schreibe es mir auf, trage es mit mir rum, entwickle es weiter und bringe es in die Proben. Das Schöne ist, dass alle sehr konstruktiv in diesen Proben miteinander umgehen. Und wie gesagt: München hilft mir dabei. Hier finde ich immer etwas, über das ich schreiben möchte. Und wenn es die deutsche Sprache, Skifahren oder das Wetter ist.

Das nächste Jahr möchte ich mich allerdings ein bisschen mehr darauf konzentrieren, über Dinge zu sprechen, über die sonst keiner spricht. Das ist natürlich ein bisschen aufregender, aber ich bin gespannt, wie die Leute darauf reagieren werden. Ich arbeite schon immer ein hart an der Linie, und so muss ich aufpassen, dass es nicht zu stark wird. Sonst ist es irgendwann nicht mehr lustig. Es soll ja keine Rede für eine Demonstration werden, sondern StandUp Comedy. In einem Auftritt habe ich mal über Oralsex gesprochen. Ich habe darüber gesprochen, dass man es nicht zu schnell machen soll, als ob man hinter einem Zug her rennt und alle haben schon gut gelacht. Aber die Krönung war dann als ich den Jungs noch mitgegeben habe, dass wenn sie es länger als 30 Minuten machen, dass dann ein ganz besonderer Platz im Himmel auf sie wartet. Es war lustig zu sehen, dass die Frauen viel gelacht haben und die Männer eher verhalten waren.
Aber die Männer haben so lange so viele Sachen auf der Bühne gesagt, über die Frauen nicht lachen konnten. Deshalb stört es mich nicht, wenn die Jungs mal nicht so lachen können. Ich möchte sagen, was ich will. Die Frauen lachen so laut bei diesen Witzen und man hat das Gefühl es ist ein Lachen der Befreiung: „Wow. Sie hat es gesagt. Wir mussten so lange darauf warten und jetzt sagt es endlich mal jemand einfach!“ Das tut mir gut und dann weiss ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin.“

 

Hier ein großartiger Vorgeschmack auf Joanas Arbeit:

Und hier noch ein paar gute Referenzen von Joana, wo man StandUp Comedy in München sehen kann:

Improvisationstheater:

Stand Up Comedy:

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