Intensiv Krankenschwester

“Ich bin Krankenschwester auf einer Intensiv-Station in Köln und mache gerade für ein paar Tage “Ich bin Krankenschwester auf einer Intensiv-Station in Köln und mache gerade für ein paar Tage Auszeit hier in München. Ich muss mir einfach mal Gedanken machen über meine berufliche Zukunft. Es ist gerade echt ganz schön schwierig – gerade in den Zeiten von Influenza, Personalmangel usw.

Als Krankenschwester auf einer Intensiv-Station ist die Verantwortung und die Belastung ganz schön hoch. Von außen wirkt es nicht so viel, wenn man nur zwei Patienten betreut, aber wir sind für schwerstkranke Leute zuständig, bedienen Atmungsgeräte, Dialyse-Maschinen und da ist unglaublich viel Kopfarbeit gefragt. Abgesehen von den Arbeiten, die man am Patienten selber machen muss, verlässt sich der Arzt auf uns, dass wir die Geräte richtig einstellen und wir sind ständig am überlegen, wo noch ein Fehler liegt oder was man noch besser einstellen könnte. Das ist eine wirklich hohe Verantwortung und ich gehe oft mit einem schlechten Gefühl nach Hause, weil ganz kleine Fehler eine so große Auswirkung haben können. Da ist das ganz schön aufwändig, wenn man mal wegen eines Krankheitsfalls bei einem Kollegen auf einmal drei Patienten hat.

Man betreut teilweise die Patienten über Monate hinweg und da ist echt jeder Tag anders: mal gehts bergauf und dann ist es doch wieder so frustrierend, weil die Arbeit von Wochen und Monaten innerhalb eines Tages wieder zunichte gemacht wurde. Das nicht an sich heranzulassen ist eigentlich nicht möglich, vor allem weil man ja dem Patienten mit viel Empathie z.B. beim Aufwachen aus dem Koma beistehen muss. Ich nehme davon auch ziemlich viel davon nach Hause und ich glaube, man kann das gar nicht, sich da komplett abzugrenzen. Ständig denkt man darüber nach, ob man noch was übersehen hat, vielleicht hat man ja doch noch was nicht richtig durchdacht und wenn man dann am nächsten Morgen in der Arbeit erfährt, dass der Patient doch gestorben ist, dann denkt man ständig drüber nach, was man noch besser hätte machen können. Und natürlich schwebt immer mit, dass man ja auch dafür haftet. Man hat aber einfach oft nicht genug Zeit, jeden Schritt zu zu hinterfragen und überprüfen, steht aber immer mit einem Bein eigentlich im Knast.

Ich muss mir einfach überlegen, ob ich in dem Job alt werden will und gerade überfordert mich das wirklich krass. Obwohl ich erst vor vier Jahre ins Berufsleben eingestiegen bin und das eigentlich so ein toller Job ist, aber ich habe das Gefühl, dass ich das noch zwei Jahre schaffe und dann breche ich zusammen.

Wenn ich mit Freunde zusammen bin, die auch in der Pflege oder in medizinischen Berufen sind, reden wir auch ständig drüber. Das ist sicher eine Strategie das zu verarbeiten. Man kann einfach schwierig abschalten und da tut es gut, sich auszutauschen. Mit anderen kann man das oft nicht, weil es vielleicht so komplex, oder eben auch eckelig ist. Natürlich haben wir auch die Möglichkeit, die Seelsorge im Haus zu konsultieren, aber wir sprechen z.b. auch nach geglückten oder nicht geglückten Animationen noch mal im Team drüber.

Eigentlich sollte man seinen Job ja machen, um um zu leben und davon leben zu können. Aber im Moment lebe ich nur für die Arbeit, sei es gedanklich, aber auch sonst: ich stehe um 4:40 Uhr auf, wenn ich Frühschicht habe und ich bin danach einfach fix und fertig, so dass ich mich erst mal hinlegen muss. Und dann muss ich früh ins Bett, weil ich ja wieder früh aufstehen muss. Mit Nachtschichten und Co lebe ich an allen so vorbei – es ist einfach nicht mit einem Sozial-Leben vereinbar.”

Was müsste sich ändern, damit du den Job gerne weitermachen würdest?

“Alle sagen, man müsste die Leute mit Geld locken, damit sie den Job weitermachen oder überhaupt machen wollten. Aber es müsste einfach mal mehr Personal geben. Es gibt gar nicht so wenige, die damit anfangen, aber die meisten wandern einfach ab von der Pflege. Von den Leuten, die mit mir die Ausbildug gemacht haben, sind ungefähr 80 Prozent schon nicht mehr dort tätig, weil einfach die Rahmenbedingungen nicht stimmen. Man müsste das System, an dem man jetzt jahrelang gespart h“Alle sagen, man müsste die Leute mit Geld locken, damit sie den Job weitermachen oder überhaupt machen wollten. Aber es müsste einfach mal mehr Personal geben. Es gibt gar nicht so wenige, die damit anfangen, aber die meisten wandern einfach ab von der Pflege. Von den Leuten, die mit mir die Ausbildug gemacht haben, sind ungefähr 80 Prozent schon nicht mehr dort tätig, weil einfach die Rahmenbedingungen nicht stimmen. Man müsste das System, an dem man jetzt jahrelang gespart hat, endlich ändern. Dann würde ich echt super gerne in dem Beruf bleiben, aber so ist es einfach zu viel.”

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