Nicht radikal

“Ich bin jetzt nicht so radikal oder so, aber mir ist eine Sache wirklich mega wichtig: Kümmert euch um die Umwelt! Schaut, dass ihr nachhaltiger lebt und überlegt mal, was ihr konsumiert. Es geht gar nicht darum, dass man keinen Diesel oder überhaupt Auto generell fahren soll. Es geht mir eher um den Konsum, der mich am meisten stört. Dieser Überfluss an Waren und die Überproduktion an Lebensmittel – wir sollten darauf achten, dass diese Massen nicht mehr nötig sind. Es geht natürlich auch auf irgendeine Art und Weise um Fleisch und um dessen Qualität davon. Seit einem halben Jahr esse ich kein Fleisch mehr, weil ich es für mich selber entschieden habe. Dabei geht es einerseits um die Qualität und was man mit den Tieren macht, aber es geht andererseits auch viel darum, dass für die Massentierhaltung Soja aus Südamerika genutzt wird als Kraftfutter. Den Tieren werden die Hörner abgeschnitten, damit mehr Tiere in den Stall passen. Es gibt so viele Punkte.

Ich weiss auch nicht alles, aber ich finde, dass jeder mal drüber nachdenken sollte. Ich weiss auch nicht alles, aber ich finde, dass jeder mal drüber nachdenken sollte. Ich weiss auch nicht alles, aber ich finde, dass jeder mal drüber nachdenken sollte. Auch an Tagen wie heute. Gestern waren es 12 Grad und es war der Anfang Januar!!! Dass da nicht bei jedem die Alarmglocken angehen! Jetzt kann keiner mehr erzählen, dass es Propaganda ist oder eine politische Sache. Deshalb sollte jeder darüber nachdenken, was er konsumiert und was er braucht, denn das machen viel zu wenig Leute. Und es sehen viel zu wenig Leute, als selbstverständlich an, was für Möglichkeiten wir jetzt haben. Auf einem Spaziergang von einer halbe Stunde läuft man an 5 Supermärkten vorbei, die voll mit Lebensmitteln sind, in denen man sich eindecken kann für Jahre. Wenn jeder auf regionales und saisonales umsteigen würde, wäre schon viel getan. Dann bekomme ich auch nur das, was jetzt verfügbar ist. Und wenn ich dann keine Minibanane oder Avocado bekomme, dann ist das eben so. Dann kriege ich es sie halt auch nicht und das muss auch nicht sein. Das wird auch überhaupt nicht mehr wertgeschätzt.

Aber was ich jetzt immer mehr mitbekomme, dass sich die Leute über Greta Thumberg lustig machen. Ich denke mir dann immer: „Hey Leute, greift euch mal an den eigenen Kragen und hört auf, euch über ein 16 jähriges Mädchen lustig zu machen, die in ihrem Leben mehr erreicht und gecheckt hat, als ihr es jemals werdet.“ Das finde ich manchmal echt traurig – diese Ignoranz des Menschen. Das macht mich manchmal richtig wütend.“

Werkstätte

“Ursprünglich bin ich über meinen Vater zu der Arbeit mit Menschen mit Behinderung gekommen. Dieser war als einer der ersten Betreuer im damaligen Betreuungszentrum tätig, als die Einrichtung gegründet wurde. Der Umgang mit den Menschen hier war für mich schon als Kind Normalität und mir war früh klar, dass ich auch beruflich in diese Richtung gehen möchte.

Inzwischen arbeite ich seit 25 Jahren im Einrichtungsverbund Steinhöring, zuerst in verschiedenen Bereichen für Menschen mit geistiger Behinderung, später dann in den Ebersberger Werkstätten für Menschen mit seelischer Behinderung. Dort wechselte ich vom Sozialdienst in meine jetzige Position als Zweigstellenleiterin.

Gerade letzteres stellte mich vor ganz neue Herausforderungen. Ich bin sehr froh, dass ich diesen Schritt in eine für mich ganz neue Richtung gewagt habe. Seit über 5 Jahren bin ich nun in dieser Tätigkeit, es ist eine ganz erfüllende und tolle Aufgabe.

Die Begleitung von Menschen mit geistiger und seelischer Behinderung stellt ganz unterschiedliche Anforderungen. So sind die Beschäftigten in unserem Bereich oft hoch intelligente, gut ausgebildete Personen mit Familie, Kindern, Studium – einem ganz „normalen“ Lebenslauf – und waren dann plötzlich mit einer psychischen Erkrankung konfrontiert.

Menschen mit diesem Krankheitsbild benötigen entsprechende spezielle Unterstützung:
Weniger in Alltagsdingen, vielmehr in Selbstschutz und Selbsteinschätzung. Sie überschreiten unbewusst eigene Grenzen und brauchen zum Beispiel Hilfe bei der Übernahme von Verantwortung und dabei, sich selbst besser zu spüren.

Die Aufgabe von Werkstätten ist es, gemeinsam mit beschäftigten Personen in Zusammenarbeit herauszufinden, an welchem Punkt sich diese Person noch entwickeln möchte. Wo liegen die Fähigkeiten, die man noch stabilisieren oder ausbauen kann? Wo liegen die Schwierigkeiten? Wie kann man die Person unterstützen, z.B. flexibler zu werden. Die Aufgabe der Werkstätten ist dabei die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt, die -Teilhabe am Arbeitsleben.

Das heißt für uns, dass wir mit den Beschäftigten viele Gespräche führen und einen individuellen Förderplan mit ihnen erarbeiten. Die darin beschriebenen Ziele überprüfen wir regelmäßig gemeinsam, so dass eine Entwicklung deutlich wird und stattfinden kann. Auch wenn jemand nicht mehr auf den ersten Arbeitsmarkt kommt, soll sie oder er sich trotzdem weiter entwickeln können: was die Arbeit und Produktivität, aber auch was die Persönlichkeit angeht.

Das sieht bei jedem anders aus. Jeder setzt sich hier eigene Ziele. Und wir versuchen hier zusammen, diese zu erreichen. Immer in erreichbaren Schritten, so dass es den Menschen nicht überfordert. So können psychische Stabilität gewährleistet und erneute Aufenthalte in der Psychiatrischen Klinik unter Umständen vermieden werden.

Alle Personen, die bei uns hier aufgenommen werden sind chronisch psychisch erkrankt, die psychischen Erkrankungen zeigen meist schwere Verläufe. Das ist zu unterscheiden von vorübergehenden psychischen Krisen, wie zum Beispiel ein Burnout. Bei letzterem schaffen es Betroffene häufig nach einem Klinikaufenthalt und psychiatrischer Begleitung wieder ins normale Leben zurückzukommen. Diese Menschen benötigen keine Wiedereingliederung in Werkstätten.

Unsere Beschäftigten fallen manchmal aus dem Rahmen. Sie haben z.B. nicht immer die Energie, sich regelmäßig zu pflegen oder zu duschen. Manchen fällt es schwer, in geschlossen Räumen oder unter vielen Menschen zu sein. Was unsere Gesellschaft als „normal“ bezeichnet – in einem Haus/einerWohnung zu wohnen oder sich regelmäßig zu pflegen – ist nicht für jeden Menschen möglich. Wir müssen dabei immer wieder akzeptieren können, dass einzelne Menschen auch anders leben wollen oder müssen.

Es kommt vor, dass wir Personen in instabilen Phasen nicht mehr unterstützen können, sie unsere Hilfe nicht mehr annehmen können oder wollen. Wir können nicht immer helfen. Man bietet vieles an, alles was zur Verfügung steht und darüber hinaus noch mehr und trotzdem kommt das Angebot nicht mehr bei der Person an. Auch das muss man lernen, zu akzeptieren.

Zum Beispiel trockene Alkoholiker oder ehemalige Drogenabhängige, die viele Jahre clean oder trocken sind und dann wieder konsumieren. Das ist auch für die Helfer eine große Herausforderung. Man muss immer wieder lernen, dass man manchmal nur bis zu einem gewissen Punkt helfen kann. Und warum die Unterstützung manchmal nicht ankommt oder es die Person nicht annehmen kann, das ist oft sehr schwer zu verstehen, denn die Gründe sind nicht immer deutlich nachvollziehbar.

Ich arbeite sehr gern hier und habe für mich genau die richtige Aufgabe gefunden. Die Arbeit mit meinem Team macht mir Freude, es ist eine intensive, sehr professionelle Zusammenarbeit. Dies ist wichtig, um die täglichen Herausforderungen meistern zu können. Wir haben hier oftmals mit sehr schwierigen Situationen zu tun, Personen, denen es psychisch schlecht geht, deren Verhalten herausfordernd ist. Das erfordert von uns persönliche Fähigkeiten, um selbst stabil bleiben zu können und um nicht alles mit nach Hause zu nehmen.

Das heißt nicht, dass ich nichts an mich heran lasse. Es gibt immer wieder Personen, bei denen ich mir wirklich Sorgen mache.

Wir hatten zum Beispiel einen jungen Mann hier der psychisch instabil war und dem es sehr schlecht ging, da konnte ich auch erst heimgehen, als ich wusste, wo er den Abend bei Freunden bleiben und übernachten konnte. Das hat mich dann auch sehr beschäftigt.

Jeder Mensch hat für sich was zu tragen – bei dem einen ist es schwerer und bei dem anderen ist es nicht so schwer. Wir können hier Unterstützung anbieten, dass es manchmal leichter wird. Das gibt mir eine gewisse Zufriedenheit. Da gebe ich gerne meinen Teil dazu.

Es ist ein Miteinander hier, das Team arbeitet sehr eng zusammen. Das ist auch immer wieder eine Herausforderung, das ist fordernd, speziell für die eigene Persönlichkeit. Umso wichtiger sind die Kollegen*innen, die sich wirklich gut kennen und auch gegenseitig unterstützen, denn der Alltag ist alles andere als einfach.

Nach dem Bundesteilhabegesetz (https://www.bmas.de/DE/Schwerpunkte/Inklusion/ bundesteilhabegesetz.html) ist unsere Einrichtung ein Angebot, das möglichst gar nicht mehr stattfinden sollte. Dieses Gesetz geht davon aus, dass die Gesellschaft Menschen mit Behinderung oder Menschen mit Schwierigkeiten auffängt. Unsere Erfahrungen sind jedoch andere. Unsere Gesellschaft ist nicht immer so offen oder bereit dazu, Menschen mit Behinderung oder Menschen, die Hilfe brauchen, zu inkludieren.

Es erzeugt auch Ängste bei den Mitarbeiter*innen, dass ihre Arbeit nicht mehr gebraucht wird. Dies entspricht ja keinesfalls der Realität, erzeugt jedoch Unsicherheiten.

Werkstätten haben die Aufgabe, Personen wieder auf den ersten Arbeitsmarkt zu begleiten, wenn möglich. Wir suchen daher immer Praktikumsplätze. Ich komme in verschiedene Firmen und merke, wie schwierig es zunächst für die Betriebe ist, einen Menschen mit Behinderung zu beschäftigen. Durch unsere Beratung und Hilfestellung haben jedoch einige Unternehmen in der Region bereits Arbeitsplätze für unsere Beschäftigten – sogenannte Außenarbeitsplätze geschaffen. Das bedeutet, dass Beschäftigte der WfbM regelmäßig je nach Bedarf einen oder mehrere Wochentage in einem Betrieb der freien Wirtschaft tätig sind.

Wichtig fände ich, dass man als Mensch mit Behinderung die freie Wahl hat, ob man in einer Werkstatt an einer Maßnahme teilnimmt und hier unterstützt und begleitet wird oder ob man lieber in einer Firma arbeitet und eigenständig für sich einsteht. Beides hat sicher Vor- und Nachteile. Aber beides sollte grundsätzlich möglich sein, je nach persönlichem Wunsch.”

Icecream and Schnitzelsemmel

Ich bin freischaffender Künstler. Ich habe Grafitti-Vergangenheit. In meiner Kunst geht es jetzt inzwischen um die Ikonisierung von Alltagsgegenständen. Sehr viel Food, gerne Junk-Food, Süßigkeiten, Ice Cream und derart. Zum Beispiel hängt in dieser Austellung hier ein „in and out Burger“, den ich in LA gegessen habe. Oder ein „Raketen-Eis“, das zu meiner Kindheit in den 80er Jahren in Deutschland mal gelaufen ist und in der Schweiz auch immer noch am Kiosk verkauft wird. Oder eben eine „Schnitzel-Semmel“ oder eine riesige „DiscoKugel“ auf einer Ameise – ein letztes Foto aus unserem ehemaligen Atelier Gebäude MMA. Ich verbrate also so ein bisschen auch meinen Alltag.

Graffiti ist ja eine schnelle Geschichte. Deshalb verwende ich immer noch gerne die Sprühdosen – jetzt eher mit Stencils. Das heisst, ich schneide für jede Farbe eine eigene Schablone und dann wird das gesprüht. Je nach Aufwand der Schablonen entsteht so recht schnell ein Bild, oder auch mehrere des gleichen Motivs die sich in ihrer Farbgebung unterscheiden können. Eine Serie also.

Mit den Sprühdosen habe ich die Möglichkeit viel mit kräftigen Farben, mit Glitzer, Neon oder Glow in the dark zu arbeiten. Ich liebe Crazy Colors : ) Der Rest ist frei nach Andy Warhol: Male das, was du gern magst. Er ist so mit Dollar-Noten und Campbell Suppen berühmt geworden und ich male halt gerne Ice Cream und Schnitzel-Semmel. Es macht mir tatsächlich riesen Freude, Gegenstände die eigentlich ganz alltäglich sind, ins Rampenlicht zu rücken. Ich finde Alltägliches also inspirierend.

Ich bin ein Einhorn. Es heisst ja nur 1-3 Prozent der Künstler können von ihrer Tätigkeit leben und ich gehöre zu diesen wenigen. In München kenne ich vielleicht noch eine Hand voll, die in einer ähnlichen Situation sind. Der Rest hat noch einen anderen Job, der meistens weniger als mehr mit Kunst zu tun hat. Der große Unterschied ist wahrscheinlich, dass es mir wirklich wichtig ist mich selbst zu positionieren und das verkaufen bzw. Geld an und für sich nicht negativ stigmatisiert habe. Wenn alle sagen „Kunst ist Brotlos“ mach ich halt einfach nicht mit.

Von zu Hause aus habe ich immer mitbekommen, dass Kunst gut ist und daher auch eine gewisse Förderung erfahren. Alleine schon dass meine Eltern mein Interesse grundsätzlich nie in Frage gestellt haben. Mit 15 hab ich ja schon angefangen, Graffiti zu malen und hab da auch gleich schon mit Aufträgen erstes Geld verdient. Da musste ich also nie mit meinen Eltern kämpfen, dass das nur ein „Hobby“ ist und der Bub wird schon noch vernünftig werden. Das fördert einfach schon mal ein grundsätzliches Selbstbewusstsein. Von meinem Opa hab ich dann vermutlich noch den Geschäftssinn geerbt. Es ist für mich nicht verwerflich, meine Arbeiten zu verkaufen und mich als Character authentisch zu inszenieren. Kommt dazu, dass ich auch professionell Musik gemacht und dadurch kein Problem in der Interaktion mit Menschen habe. Aufmerksamkeit macht mir nichts aus. All das sind aber Fähigkeiten die jeder lernen kann.

Ich glaube, ich hab mich auch nie zu krass auf diese Anti-Kapitalismus-Kritik eingelassen, also mich in einer Art (bequeme) Opferrolle begeben. Ich sehe dieses System (Leistung in Geld tauschen / Dein Kapital als Möglichkeit für dich) ganz klar als Chance, dass ich mein Leben Selbstbestimmt und Eigenverantwortlich gestalte. Nur ich selbst bin mein Limit. Dadurch fühle ich mich sehr frei in meiner Existenz. Bis dahin das ich kein Auftragsmaler mehr bin, sondern das produziere was ich will. So kann ich meinen privaten Anarchismus, meine eigene Leitkultur leben. Ich halte mich an ein gesellschaftliches, soziales Miteinander– dazu gehört auch Steuern zahlen, was jeden einzelnen von uns eine funktionierende Infrastruktur garantiert – aber ansonsten bin ich in der Gestaltung meines Lebens völlig frei. Das ist eigentlich die Maximale Unabhängigkeit für mich. Und das ist für mich ein sehr hohes Gut.

Es gibt ja Hardliner, die sagen, dass Kunst, die verkauft wird, keine Kunst mehr ist. Ich sage allerdings, dass wir immer Anstrengungen unternehmen müssen um Essen und Unterkunft + X zu haben. Früher die Kartoffeln vom Feld auf den Tisch, heute Beschäftigung für Geld um Rechnungen zu bezahlen. Wir bauen halt nicht mehr die Kartoffeln selber im Garten an um uns zu versorgen. Zumindest ist das für mich persönlich nicht die bessere Alternative. Denn ich will ja als Tätigkeit nichts anbauen, sondern malen. Daher ist es für mich selbstverständlich, dass ich mit meiner Kunst auch mein Geld verdienen will. Die Doktrin „Künstler müssen leiden um zu schaffen“ ist unwahr und sollte man als aufstrebender Künstler ganz zu Beginn schon mal bewusst streichen. Solche Klischees verunsichern nur, auch lustig gemeint, und fördern im schlimmsten Fall nur die Bequemlichkeit eine andere Tätigkeit als Lebensinhalt zu akzeptieren.

Letztendlich ist es für mich persönlich unattraktiv, einen Job auf Anweisung anderer zu erfüllen, welcher dann oft auch noch schlecht bezahlt wird und mehr der Selbsterfüllung eines Chefs dient, der dann vielleicht auch noch Reich und Unabhängig damit wird. Dazu kommt das derart gestaltete Betätigung nichts mit mir und meinen Interessen zu tun haben. Ich will Ich sein und tun. Das war für mich aber schon eine sehr frühe Entscheidung – nämlich mit 15.

Selbstbestimmt und eigenverantwortlich – das ist meine Definition von Freiheit. Das ich also das machen kann und mache, was ich für mich als Sinnvoll empfinde. Aber ich habe das Gefühl oft sind sich die Menschen nicht bewusst, dass das nur in einem so liberalen Land und Sozial-Marktwirtschaftlichem System geht, wie wir es in Deutschland haben. Wir brauchen nur andere Länder beobachten, was politisch gerade abgeht … es gibt immer mehr lauten Populismus, Fake News und Unterdrückung Andersdenkender also doch wirklich nicht so geil. Wir alle sollten immer versuchen es besser zu machen, auch in Deutschland. Unsere individuellen Unterschiedlichkeiten sind wertvoll, respektvoller Umgang miteinander, Chancengleichheit, Equal Pay, Gender, bedingungsloses Grundeinkommen, Inklusion, Hilfestellung für schwächere und so weiter. Ich bin überzeugt all das bringt uns weiter und ist je automatisierter, kommunikativer und erkenntnisreicher wir werden auch die einzige, logische Konsequenz in der menschlichen Entwicklung.

Im Gespräch mit Eliot hat er mir noch sehr viel mehr über sein Leben an sich und im speziellen als Künstler erzählt. Einen Teil davon möchte ich euch diesmal auch im Originalton mitgeben. Etwas unkonventionell beende ich also das geschriebene Interview mit diesem Soundfile hier:

Ich habe Eliot diesmal auf einer tollen Ausstellung im Kösk getroffen. Wenn ihr noch mehr über Eliot und seine Kunst erfahren wollt, dann checkt doch mal seine Website aus: https://www.eliot-the-super.de/

My Way – Human Rights

“I only realised that I was was only lucky to be born in the right country, in the right family. I really worked hard for my studies but I was just born in the right family with the right parents: they brought me to cinemas, exhibitions and so on. But this has been given to me – I did the extra effort to be good, but no more.

I lot of people say that young people are committed and are keen on changing the world. This did not apply to my life. We were 8 brothers and sisters and my parents just tried to cope with us. There were no political discussions in my home. The social background was very catholic and bourgeois – don’t show your emotions, you do not talk about your feelings: I just lived in a bubble. I followed the bubble and I had to wait until 40 to find out about me living in one – and finally to change it. I had a huge midlife crisis with 40. I spent quite a good number of years to find out who I really am. Now I am much more committed and fight for the good causes compared to when I was twenty.

I used to work in advertisement for about 15 years and I had no questions about it. It was all about having fun and clever ideas but I was never questioning what I was doing in terms of consumption – only pushing and marketing. It was a pleasant experience, because people where creative and fun. But today I really don’t know how I could use all my time or energy on this. But on one point I wasn’t able to do this anymore.

Was there a special moment which changed everything? Not really. I guess two things got together. The idea of doing the same thing forever – at least professionally – I did not find exciting anymore and on a personal level the separation of  the father of my daughter was probably a starting point. I quit my job and only kept on working on projects to make a living. At that time I learned that Human Rights Watch wanted to open an office in France and was looking for people. I started working part time – for financially reasons – but I was excited by the idea of a world wild global scale and by the good cause.

I divided my salary by two when I changed my life, so it was clearly a huge decision. But there was something even stronger than me. At that time I didn’t know what it was. But both parts – the change in job and Yoga – really opened my consciousness to the world: to deeply found who I am; to be deeply connected to the others, to the world, to the planet. So it was quite a journey and I do not regret it – not at all. This lead to a change of lifestyle and friends. You meet a lot more and different people. I think it is quite interesting to do this when you are forty. It brings you to a totally new life. It is a beautiful journey.

This job at Human Rights Watch fulfils my sense of justice. I discovered for me that my sense for injustice is very strong and Human Rights Watch is really fighting for the right and the dignity of the most vulnerable people in the world.

Our goal at Human Rights Watch it is to push the governments on their foreign policy and try to include human rights on the political agenda. In order to be able to do that we are working within the legal borders to investigate on violations of human rights. When we know the there is a systemic issue our investigators are taking pictures, talking to people, recording problems and so on. It is important to us to work with people on the ground who come from those countries. This means we have first hand information – a big strength of us.
After that we  bring those records to the right people who then have to change things.
On one side we expose the facts to the media: Classic media like Le Monde, New York Times, CNN, and more and more social media. It is about combing personal stories with perspective and a strong vision of the situation. Our data analyst then adds data to this first hand information. A good example for that was the satellite imaginary to proof that villages are getting destroyed in a systematic way in Burma. After taking a look at different satellite images of the same area over time you can not say anymore that this is just a few houses being destroyed. But you could see that the Muslim villages of the Rohingyas have been destroyed and not the other villages. It was very clear that this was an ethnic cleansing at least.

We want to be a source of real and true information and not of fake news. But it is difficult right now to promote the truth versus anything which can go into social media. A difficulty in this is that you have to react quickly in social media on one side but you also do not want to jeopardise the facts. This is a huge tension: to be able to follow the information but not compromise the quality of your information. We spend a lot of time checking videos or information we receive if they are a real thing or not.

And then we push for change: companies, governments, institutions, corporations, It is high level advocacy, diplomacy with the UN,  the security council, the  council for human rights in Geneva, the European Union in Brussels, the parlaments and so on. We push the politicians and try to connect with all them at the conferences like in Davos or the. For example there are only two NGOs invited to the Munich security conference and we are one of them.
So we push for systemic change – it is a change in the law, a new law or in a convention. We push for investigation with the UN. For example in Syria we are working longterm for the prosecution of the ISIS for International justice. One big success we had was that the Congolese warlords has been prosecuted or the former dictator of the Chad has been sentenced to life inprisonment. We worked on that for over 12 years on the side of the victims.”

Dieses Interview habe ich schon im Oktober dieses Jahres aufgenommen, aber es hat einige Zeit gebraucht, bis ich es aufschreiben und abstimmen konnte. Und jetzt passt das Thema irgendwie wieder sehr gut: an Weihnachten denken so viele darüber nach, was sie aus ihrem Leben machen wollen.

Arbeiten

„Die Schizophrenie hat man bei mir festgestellt als ich 47 Jahre alt war. Das ist ganz plötzlich gekommen. Ich habe auf einmal Stimmen gehört und hab erst gedacht, dass die Nachbarn über mich sprechen. Mit den Medikamenten merke ich jetzt davon Gottseidank nichts mehr.

Ich bin in der Metallverarbeitung hier beschäftigt: drehen, fräsen, bohren und so weiter. Nachdem ich Werkzeugmacher gelernt habe, war das echt von Vorteil. Ich habe hier zwar sogar die Möglichkeit, mich in anderen Bereichen umzuschauen oder mal ein Praktikum zu machen, aber ich will gar nicht weg von meinem Metall.

Ich lebe mit meiner Frau zusammen. Meine Frau hab ich kennengelernt, als sie ihren Onkel hier besucht hat. Sie kommt aus Thailand. Eigentlich wollte sie wieder zurück, aber ein halbes Jahr später haben wir dann einfach geheiratet. Ich habe vorher noch nie eine Frau kennengelernt, die so gut war. Ich war im „heiratsfähigen Alter“ (lacht) und es hat einfach super gepasst.

Ein Punkt, den ich gern in meinem Leben verändern würde, ist, dass ich gerne mehr Geld verdienen würde.

Ich arbeite gerne und finde, dass man sich ohne Arbeit wirklich leer fühlt. Wenn man Arbeit hat, dann hat man wenigstens was und es motiviert mich. Und natürlich gehts auch ums Geld.
Ich hoffe, dass ich mich irgendwann auf dem ersten Arbeitsmarkt noch etablieren kann. Momentan bin ich allerdings berufsunfähig. Ich kann mich nicht so gut konzentrieren und bin immer müde durch die Medikamente. Für mich ist das hier eine Rehabilitationsmaßnahme – also eine Vorbereitung für den ersten Arbeitsmarkt. Ziel wäre es für mich mal draußen ein Praktikum zu machen und vielleicht werde ich ja dann übernommen. Dann könnte ich wieder auf dem ersten Arbeitsmarkt arbeiten und verdiene wieder mehr Geld. Das wäre schon super.

Das Geld würde ich dann am liebsten nehmen und mal richtig Urlaub machen: ferne Länder sehen, vielleicht auch mal wieder nach Thailand. Bisher war ich mit meiner Frau schon ein paar Mal in Thailand, aber das hat immer sie bezahlt.

Aber es geht auch darum, beim Einkaufen einfach mal das zu kaufen, was ich mir wünsch – nach Lust und Laune. So muss ich immer meine Frau fragen oder selber überlegen, ob ich mir das leisten kann.“

Loslassen

Was darf ich denn über Sie erzählen?

“Ich bin im Ruhestand. Über mich gibt es nicht so viel zu erzählen. Der einzige Schicksalsschlag, den ich hatte, war Anfang September. Meinen Boston-Terrier musste ich einschläfern lassen. Das war hart.”

Haben Sie sich überlegt, sich einen neue zuzulegen?

“Einerseits ist es mir noch zu frisch und auf der anderen Seite genieße ich auch den Vorteil, jetzt unabhängig zu sein. Aber er fehlt. Das hätte ich nie gedacht. Man richtete den Tagesablauf so nach dem Hund aus – wann frisst er, wann muss er Gassi gehen. Die letzte Zeit war dann besonders schwer: er war dement und wusste oft nicht mehr, wo er war. Er ist auch dauern gegen Schränke und Stuhlbeine gelaufen.”

Gibt es irgendetwas, dass ihnen im Leben sehr wichtig ist?

“Ich bin Buddhist und ich habe seit 30 Jahren loslassen geübt.”

München ist gut

“München ist sehr schön. Hier sind gute Menschen. Ich war schon in Dortmund, Essen, Stuttgart und Berlin, aber hier in München gefällt es mir am besten.

Ich komme aus Syrien und bin seit 4 Jahren hier in München. Ich habe auch schon einen Kurs in Deutsch gemacht, aber ich habe leider wenig Kontakt mit Menschen, die Deutsch sprechen.

Ich habe einen Monat und 17 Tage hierher gebraucht und ich bin durch sieben Länder gekommen. 4.500 Kilometer. Ich habe zwei Familien. Die sind in Damaskus und in der Türkei. Eine Familie kommt jetzt in 2 Monaten.

Mein Sohn war 17 Jahre. Er ist jetzt tot. Eine Airforce-Bombe ist gekommen.

Syrien ist komplett kaputt. Mein Haus steht gar nicht mehr. Schau dir die Bilder an: das ist vorher, das ist nachher. Früher haben mal 23 Millionen Leute in Syrien gewohnt. Jetzt sind es nur noch sechs Millionen.”


Behindert die behinderten Menschen nicht

„Ich arbeite hier in den Ebersberger Werkstätten für Menschen mit seelischer Behinderung. Die Menschen hier haben ganz viele verschiedene psychische Erkrankungen – z.B. Depressionen, Schizophrenie, bipolare Störungen – und sind in handwerklichen Berufen oder am Computer beschäftigt. Damit gehen sie nicht nur einer geregelten Arbeit nach, sondern sie bekommen Lohn, sind sozialversicherungspflichtig und bekommen später eine Rente. Das ist wichtig.

Wir Gruppenleiter kommen alle aus dem Handwerk – Schreiner, Metaller, Kaminkehrer, oder wie ich Konditorin. Darüber hinaus haben wir berufsbegleitend über ein Jahr eine sonderpädagogische Zusatzausbildung gemacht. Dort lernt man einerseits das pädagogische Handwerk, aber man lernt zum Beispiel auch die Krankheitsbilder kennen. Man lernt, warum jemand mit einem bestimmten Krankheitsbild so oder so reagieren kann: manchmal ist es eben krankheitsbedingt, manchmal sind es aber auch die Tabletten, die z.B. dämpfen und müde machen. Warum muss sich jemand jetzt mittags einfach mal hinlegen? Er ist nicht faul oder hat kein Bock, er ist einfach nur durch die Tabletten müde. Das zu lernen war sehr spannend.

In den Werkstätten bekommt jeder seine eigene Aufgabe. Zum Beispiel gibt es Menschen, die nicht gerne auf einem Platz sitzen, Bewegung brauchen und auch mal schauen müssen, wie es woanders aussieht. Dann gehen sie eben rum, leeren die Mülleimer und bekommen zu ihrer Wanderung auch noch eine sinnvolle Aufgabe.”

„Viele Menschen mit Behinderung werden von ihrer Umwelt behindert. Sie empfinden ihre eigene Behinderung nicht als Behinderung für sich selber. Zum Beispiel werden Rollstuhlfahrer von einer zu hohen Kante im Bordstein behindert oder durch eine Stufe vor dem Laden. Die sind nicht behindert, sondern sie werden durch solche Sachen behindert: in ihrer Mobilität, in ihrer Teilhabe, in ihrer Inklusion. Und genauso ist es auch bei Menschen mit seelischer Behinderung. Und hier helfen wir.

Wenn einer unserer Beschäftigten mal eine psychisch instabile Phase hat, dann ist es wichtig, wenn er oder sie angedockt ist. Wir kennen die Leute sehr gut, arbeiten täglich mit ihnen und können viel eher reagieren: wir tauschen uns dann mit dem psychologischen Dienst hier im Haus oder dem Psychiater hier am Ort aus und können dann gemeinsam gegensteuern – oder auch mal durch den Psychiater eine Klinikeinweisung erhalten, wenn es mal akut fremdgefährdend oder akut selbstgefährdend wird.
Wie das aussehen kann, wenn die Menschen nicht richtig eingebunden sind, kann man an dem Fall sehen, der vor einiger Zeit in den Nachrichten kam: ein Mann hat eine Frau und ein Kind aufs Gleis geschubst. Dann hieß es gleich: er ist psychisch krank. Da stellt es bei mir alle Haare auf. Ja, er war psychisch krank, aber er war auch nicht in einem ordentlichen Setting. Unsere Leute hier in der Einrichtung sind alle an einen Arzt angedockt, und ein multiprofessionelles Team schaut darauf, wie es der Person geht und ob sie Unterstützung braucht. Menschen, die in einem solchen Setting eingebunden sind, denen passiert sowas eher nicht.

Aber wir haben teilweise Anfragen, deren Antrag beim zuständigen Kostenträger bis zu einem Jahr braucht, bis wir sie hier ordentlich anbinden können. Und in diesem Jahr kann viel passieren. Menschen mit Depressionen, Schizophrenie oder Antriebsschwächen, die dann so lange auf einen Platz warten und nur zu Hause hocken, sind die nach einem Jahr im Notfall reif für die Klinik. Und das kostet uns Steuerzahler wesentlich mehr Geld, weil eine Klinik immer viel mehr Geld kostet, als das, was wir hier machen.“

“Wir sind für unsere Klient*innen in allen Lebenslagen da und manchmal ist es dabei wirklich nicht so einfach, die Distanz zu wahren: Vor einiger Zeit hatten wir eine Frau hier, die mit starken Angststörungen zu uns gekommen ist. Es hat dann fast 1,5 Jahre gebraucht, bis sie mit ihrer Angst besser umgehen und hier ankommen konnte. Eine Zeit, in der sie sich teilweise wie ein Säugling voll Panik an mich geklammert hat. Das geht einem sehr nah und hat mich ganz schön gefordert.

Daraus habe ich aber vor allem gelernt, dass ich akzeptieren muss: es ist trotzdem noch ein eigener Mensch und es ist hier „nur“ Arbeit. Ich sage hier ganz bewusst „nur“, denn ich würde es auch nicht wollen, dass meine Chefin meinen Mann anrufen würde, und sagen würde: „Heute war sie aber ganz schön zickig in der Arbeit. Sei vorsichtig, wenn sie heimkommt.“ Man braucht also wirklich eine Abgrenzung und muss unterscheiden, was die relevanten Punkte sind, die man wirklich abstimmen muss mit dem Wohnheim oder den Partnern. Und in der Arbeit verhalten wir uns ja auch oft anders als zu Hause. Das ist bei unseren Beschäftigten genauso.

Und nicht alles, was ich denke, was für den Menschen gut sein könnte, ist vielleicht das, was der Mensch sich für sich selber wünscht. Und das muss ich manchmal auch akzeptieren. Da darf ich eben auch nicht „überbehüten“, sondern er muss es auch für sich selber lösen oder sich selber jemanden suchen, der ihm bei der Lösung helfen kann. Ich darf es aber eben nicht für ihn lösen. Einige fordern das auch ganz klar für sich ein, dass sie das selber machen wollen. Natürlich helfen wir uns einander, aber es muss ein gutes Mischungsverhältnis sein. Aber das ist manchmal wirklich nicht einfach.“

“Was würdest du gerne einem größeren Publikum sagen, wenn du die Möglichkeit dazu hättest?”

„Behindert die Menschen mit Behinderung nicht! Die Menschen werden von so vielen Dingen behindert: Warum nehme ich als Vermieter keinen Menschen mit Behinderung? Warum gebe ich als Arbeitgeber dem Menschen mit Behinderung nicht den Job? Damit behindern sie – und damit ist der andere behindert.

Die Menschen haben oft Angst vor den Menschen mit Behinderung. Berührungsängste oder Angst, dass es vielleicht ansteckend sein könnte. Das kann jedem von uns jeden Tag passieren. Dazu muss mich nur beim Überqueren der Straße ein Auto erfassen und ich lande einmal kurz auf der Windschutzscheibe. Da braucht man doch nicht so tun, als würde mich das gar nichts angehen.

Man sieht schon in der Gesellschaft, dass die ersten Schritte gemacht werden – z.B. werden die Kinder im Kindergarten nicht mehr so strikt getrennt und in den Schulen arbeiten sie auch immer mehr daran, mehr Personal dafür zu bekommen. Aber damit hört es ja nicht auf: der nächste Schritt ist, dass das Kind vielleicht in der Regel-Schule war und danach aber immer noch keinen Ausbildungsplatz oder Job findet. Weil er vielleicht das eine oder andere nicht machen kann. Die Anforderungen am Arbeitsplatz werden immer höher und da fallen ja auch schon einige nicht behinderte Menschen, die vielleicht in unseren Augen nicht ganz so leistungsfähig aber auf ihre ganz eigene Art und Weise sehr bereichernd sind, aus dem System raus. Ich denke aber, das braucht jetzt noch zwei bis drei Generationen, bis es wirklich besser wird.“

Frei sein

“Ich bin gerade an einem krassen Entwicklungspunkt in meinem Leben. Das ist total spannend und macht auch voll viel Spaß, aber es ist auch total stressig, weil es ständig so ein auf und ab ist.

Was mich gerade am krassesten beschäftigt ist die Freiheit. Ich habe eigentlich erst vor kurzem gelernt, dass ich ein freier Mensch bin. Das hab ich natürlich vorher schon gewusst, aber ich habe nie so gelebt. Aber jetzt merke ich: Ich habe das gelernt und verstanden und jetzt sickert es auch in meinen Alltag ein. Weil es so normal für mich geworden ist, dass ich ganz frei bin und in jedem Moment entscheiden kann, was ich will und es auch laut sagen kann. Jetzt habe ich das Gefühl, dass ich in der Arbeit, in meiner Beziehung, mit meinen Freunden und überall einen Standard entwickelt habe – sodass ich nie das Gefühl habe, Sachen nicht aussprechen zu können. Das ist echt total befreiend.”

Hast Du Dich denn ganz bewusst entschieden, dass Du jetzt frei bist und alles machen darfst? Oder wie kann ich mir das vorstellen?

Ja schon, so ein bisschen. Von der Logik ist das ganz klassisch: Ich leb` halt nur für mich. Das heisst natürlich nicht, dass mir alles andere egal ist, aber es bedeutet, dass man erst mal bei sich selber anfangen muss und die Grundimpulse von sich selbst kommen sollten und nicht von anderen. Ich habe jetzt erst gecheckt, wie sehr ich mich ganz lange nach den Werten anderer ausgerichtet habe. Als ich das gemerkt habe, war das ziemlich krass für mich.

Was bedeutet das ganz konkret für Dich im Alltag?

“Ich spreche die Dinge an, wenn mich Dinge stören, oder wenn ich merke, dass Dinge so laufen, wie ich es eigentlich nicht haben will, und ich würde das nur jetzt so mit machen, um die Harmonie zu wahren und um alles ruhig zu halten und alles schön zu haben. Das können so einfache Dinge sein wie, da hat jetzt jemand mein Handy in der Hand und ich will das aber eigentlich gar nicht. Ich sage dann einfach, dass ich das nicht will oder diskutiere so lange weiter, bis man einen Kompromiss findet. Genauso auch in meinen zwischenmenschlichen Beziehungen. Wenn ich merke, es geht mir nicht gut, ich stör mich an irgendwas, dann spreche ich das eben an und sage: “Das stört mich, damit komme ich nicht klar, das macht folgendes mit mir, und ich würde gerne dafür irgendeine andere Lösung mit dir finden, wie wir das machen können, aber so kann es für mich nicht funktionieren.” Und ich lasse mich auch nicht mehr so easy abservieren mit so Ausreden wie “Ich bin jetzt müde” oder “Ich hab gerade keine Zeit”. Das will ich auch noch im beruflichen Kontext lernen. Einfach auf Sachen beharren, bis man es so hat, wie man es will – im besten Fall. Das soll natürlich keine Diktatur sein, sondern so, wie es dann irgendwie für alle ok ist.Den letzten Sommer habe ich dann noch mal voll damit experimentiert. Ich war so neugierig: Ich will lernen, wie man selbstbewusst ist. Ich will lernen, wie man Leute anspricht, die man cool findet. Ein ganz gutes Beispiel ist wohl, wie ich meinen jetzigen Freund kennengelernt habe: Ich hab ihn einfach angesprochen und ihn nach seiner Nummer gefragt, weil er interessant aussah. Ich will nicht immer in der passiven Position sein und “da sitzen und schön sein und warten”, bis mich jemand anspricht. Dann kann ich ja erst ja oder nein sagen. Wie beschränkt ist denn dann meine Auswahl? Super beschränkt!

Aber wenn ich rausgehe und mich frage, was ich will, dann kann ich damit experimentieren und wirklich herausfinden, was ich denn eigentlich wirklich will. Das klingt jetzt voll technisch, aber mir gefällt nicht, dass Frauen oft in so passiven Rollen sind. Ich finde, das ist durch nichts gerechtfertigt: nicht durch Geschlecht oder Tradition. Ich sehe nicht, warum ich mich einschränken sollte, wenn das andere auch nicht müssen.

Und natürlich hört meine Freiheit dort auf, wo die der anderen anfängt. Das klingt sonst so schnell so, als würde ich jetzt auf alle anderen scheissen, aber das ist ja nicht Sinn der Sache. Es geht darum, dass alle die gleichen Rechte haben und das jeder kuckt, dass jeder frei ist und dabei die Freiheit anderer würdigt. Rausgehen und das ausprobieren gehört für mich dazu. Und natürlich gibt es gute und schlechte Tag. Aber ich mach das jetzt einfach mal.”

Zu wenig

“Ich bin Tom, und Dekorateur in München und finde es schade, dass die CSU in München so viel zu sagen hat.

Ich finde völligen Schwachsinn, dass es ein paar Dinge noch gibt. Zum Beispiel Kreuzfahrten. Oder Fleisch essen – da sollte man einfach mal drüber nachdenken. Man könnte sich einfach mal über das Internet darüber informieren, wo das Viech herkommt. Aber das macht man einfach nicht – aus Bequemlichkeit oder sonst was – aber das verstehe ich nicht.

Und ich finde es sind immer noch zu wenig Ältere und zu wenig Eltern hier. Ganz München könnte mehr machen. Man kann im Kleinen anfangen und nicht so tun als bringt’s nicht. Ich kenne zu viele, die denken, es bringt gar nichts oder das ist Schwachsinn. Das sind aber auch dieselbern, die sagen, dass es nichts bringt, wenn man kein Fleisch ist. Und ich sage aber, natürlich bringt es etwas: denn du musst damit anfangen, sonst wird’s einfach gar nichts.”

Mode

“Ich habe versucht, mich im Modebusiness zu setten. Erst hab ich es nicht hinterfragt und dann kam eine Phase, in der ich es verlassen und nichts mehr damit zu tun haben wollte. Aber mittlerweile denke ich mir, dass ich genau dort bleiben sollte, weil ich da endlich mal was verändern kann: an der Modeindustrie, an der ganzen Art, wie Frauen gesehen werden, daran, dass das die schlimmste, umweltschädlichste Industrie ist direkt nach der Ölindustrie – was total viele Leute nicht wissen. Erst wollte ich mein Mode-Design Studium einfach abbrechen, aber jetzt glaube ich, dass es wichtig ist, dass auch da einige Leute sind, die mal dagegen ansteuern.”

Gemüsegärtner

“Wir sind Gärtner vom Obergrashof in Dachau und wir sind sozusagen die Abgeordneten vom Hof, weil nicht jeder mitkommen kann – die Arbeit muss ja auch irgendwie weitergehen.

Wir sind dort Auszubildende und die Thematik hier ist uns wirklich super wichtig. Deshalb machen wir auch diesen Job.”

“Mir ist Umweltschutz total wichtig und ich wollte einen nachhaltigen Beruf machen. Es macht mir sehr viel Spaß und ich habe das Gefühl ich mache was sinnvolles, wo ich auch selber weiterkomme.”

“Wir haben eine tolle Hofgemeinschaft – hier steht der Mensch im Vordergrund. Mir war es wichtig bei der Wahl des Arbeitgebers, dass ich dort als Mensch gesehen werde und nicht nur als Arbeitskraft. Es ist ein tolles Gemeinschaftsgefühl – man schmeisst gemeinsam diesen Hof und es kommt so viel dabei raus und es ist trotzdem so nachhaltig.”

“Natürlich ist es eine harte Arbeit, und wir machen etwas ganz Grundsätzliches: das Essen für die Menschen herstellen. Da ist es egal, wie anstrengend es ist: man ist zusammen und pusht sich gegenseitg und motiviert sich. Es ist einfach eine tolle Hofgemeinschaft.”

Der Hof, von dem die Mädels waren, ist der Obergrashof in Dachau: https://obergrashof.de/ – ich gestehe: so wie sie davon geschwärmt haben, hab ich ihn gleich näher recherchiert. Von sowas brauchen wir viel mehr

Einsame Insel

“Mittlerweile ecke ich mit diesem System, das wir momentan in Deutshland oder in der westlichen Welt haben – immer mehr an. Ich stimmer immer weniger mit den Regeln und Gesetzen überein und rege mich immer mehr darüber auf. Es muss sich etwas ändern. Ich hab ich das Gefühl, dass sich was verändert.
Mich selber drängt es aber immer mehr danach aus diesem System auszubrechen. Auch im Sinne von: wirklich diesen Ort zu verlassen und irgendwohin zu gehen, wo es anders ist und wo man freier ist. Tatsächlich denke ich immer öfter darüber nach einfach auszuwandern – auf eine einsame Insel irgendwo, weit weg von allem und dann ein freies, unweltbewusstes Leben zu führen. Den Ort gibt es noch nicht, aber ich werde ihn finden.”

In die Köpfe

“Ich hatte gerade ein Vorstellungsgespräch und jetzt bin ich mit einer Freundin hier verabredet. Und gerade verzweifel ich ein bisschen, wie ich sie finden soll.

Ich finde es echt großartig, wie viele Leute da sind und glaube auch, dass viele das Thema auch noch unterschätzen. Wovon ich ein bisschen fasziniert bin ist, dass auch so viele ältere Menschen da sind. Das es sich nicht mehr nur auf Schüler und Studenten beschränkt, sondern dass auch viele Berufstätige oder noch älter da sind. Das Thema müssen wir auf jeden Fall mehr treiben. Die Frage ist, wie wir das Thema endlich voranbringen können und es endlich schaffen können, dass es auch in die Köpfe kommt, die heute nicht hier sind.”

Nomade und Klimabotschafter

“Ich bin ein rastloser, heimatloser Nomade, der sich schon seit 15 Jahren mit dem Thema Klimawandel auf verschiedenen Ebenen auseinandersetzt. Dabei bin ich aber auch selber mit extrem vielen verschiedenen Widersprüchen unterwegs und das belastet mich selbst auch. Nach dem Motto: Hier stehen und gegen den Klimawandel einzustehen und gleichzeitig trotzdem immer noch zu fliegen. Das macht mich manchmal echt fertig.

Ich war 2007 am Nordpol als Klimabotschafter und wir haben dort Eisdickenmessungen gemacht. 2009 war ich in Kopenhagen, was ja leider etwas traurig in die Geschichte einging. “Hopenhagen” – aber die Hoffnung ist nicht eingetreten. Da waren auch so viele Leute wie hier jetzt, aber die politische Welt-Elite hat sich nicht durchringen können, ein Statement und ein gemeinsames Klimaschutz-Ziel zu beschließen.

Ich habe versucht, meinen Weg zu finden, mit diesen Konflikten zu leben, unter anderem in dem ich eine Firma gegründet habe. Sie nennt sich Talenttree. Wir vermitteln für impactfull companies Leute, vom Geschäftsführer, zum Backend-Entwickler, oder Online-Marketeer. Damit versuchen wir unseren eigenen Impact zu generieren, in dem wir sinnstiftenden Firmen, die die Zukunft bauen, smarte Leute bringen und versuchen so, einen Hebel zu generieren.”

In diesem Gespräch erwähnt Julian mit einem kurzen Satz eine unglaubliche Geschichte: Er war 2007 als Student am Nordpol und hat dort als Teil einer Wissenschaftlertruppe Untersuchungen durchgeführt, um die Dicke und das Alter des Eises dort zu messen. Damit wollten sie die Auswirkungen des Klimawandels auf die Arktis untersuchen. Dazu gibt es einen tollen Artikel auf Spiegel. Unglaublich, wen ich immer mal wieder so treffe.

Kleiner Beitrag zum Großen

(1/2) “Wir sind nicht nur zu zweit hier heute, sondern in einer großen Gruppe. Der Grund dafür ist nicht nur, dass wir zusammen arbeiten, sondern auch alle gemeinsam hier bewegen wollen: mit einem kleinen Beitrag klein starten und zu etwas großem beitragen. Wir brennen alle gemeinsam einfach dafür, etwas zu bewegen und etwas zu verändern. Es geht uns darum, für Themen zu sensibilisieren, die als normal angesehen werden und die man überdenken sollte.”

Wie lebt ihr, dass ihr persönlich einen Beitrag dazu leistet?

“Ich ernähre mich hauptsächlich vegan und das ist ein kleiner Beitrag, den ich leisten will. Wenn sie es wissen wollen, wieso ich mich vegan ernähre darüber, informiere ich die Leute auch gern, was der Hintergrund von dem Ganzen ist. Ich kaufe bei keinen großkommerziellen Unternehmen ein und hol meine Kleidung hauptsächlich auf Flomärkten und Kleidertauschparties. Ich versuch das Auto so oft wie möglich stehen zu lassen. Ich bin auf dem Berg unterwegs und nimm jeden Müll, den ich sehe mit. Das sind die kleinen Beiträge, den ich versuche zu leisten.”

In einem anderem Gespräch hat mir jemand erzählt, dass das vegan leben immer wieder auf Widerstand stößt. Wie ist das bei dir?

“Ich glaube, dass es Alterssache ist. Bei meinen Eltern, Großeltern und Onkeln stoße ich tatsächlich auf absolutes Missverständnis. Das sind aber Dinge, die mir so wichtig sind und deshalb müssen sie das akzeptieren. Deshalb ist das auch kein Grund für mich, dass ich es dann nicht mache.”

Teil 2 findet ihr hier: https://portraitsofmunich.de/2019/09/21/mit-allem-was-ich-hab/

Mit allem, was ich hab

(2/2) “Warum bin ich heute hier? Weil es mir als Frau, als Designer und als Mensch in erster Linie wichtig ist, die Zeit zu nutzen, die man hat – mit allen Gaben und Talenten, die man hat. Ich möchte nicht nur Oberflächen glatt bügeln, sondern zum Kern der Sache durchdringen: mit Nachdruck und Kawumms. Mein Motto heisst: “Ich fahr den Karren nicht gegen die Wand, sondern ich fahre mindestns zwei Mal durch.”

Ich fand es schon immer spannend, da wo es schmerzhaft und kompliziert wird, anzusetzen und zu bohren, wie man weiterkommt. Das braucht es einfach auf so vielen Ebenen: ob das jetzt sozialer Wandel ist oder eben der nachhaltige Wandel. Das ist das Thema, für das ich schon immer brenne.

Ich finde es sehr spannend, wie man Menschen mitreissen und die Gesellschaft aktiv gestalten kann. Das finde ich spannend als Einzelperson und als Frau finde ich es wahnsinnig wichtig, sich Gedanken zu machen, wo die Zukunft hingeht und was eigentlich die Rolle der Frau in der Gesellschaft ist. Ich mache mir einfach wahnsinnig viele Gedanken, wo es für künftige Generationen hingeht und damit wir nicht in 20 Jahren auf der Couch sitzen und denken, “Hätt ich halt mal”, sondern ich will dann wissen, dass ich alles gemacht habe, was ich kann, mit allem was ich hab.”

Den ersten Teil findest du hier: https://portraitsofmunich.de/2019/09/21/kleiner-beitrag-zum-grosen/

Traumberuf (3/3)

„ Unser Job ist oft nicht einfach Wir kriegen schon einige Geschichten mit, die einem auch mal ganz schön ans Herz gehen. Oft wirklich traurige Geschichten. Vieles kannte man vorher vielleicht schon aus den Erzählungen von Kollegen oder aus dem Fernsehen. Aber wenn man dann das erste Mal jemanden am Schreibtisch sitzen hat, der eigentlich nur Hilfe braucht beim Ausfüllen eines Antrags und dann mal nebenher anfängt zu erzählen, wie er ganz alleine mit 13 Jahren aus Afghanistan nach Deutschland gekommen ist, dann geht einem das doch immer wieder nahe.
Oder Inobhutnahmen, weil die Kinder – aus welchen Gründen auch immer – nicht mehr zu Hause bleiben können. Letztes Jahr hatten wir dazu auch einen ganz, ganz schlimmen Fall mit häuslicher Gewalt, der auch vor Gericht gekommen ist und in der Presse war. Das hat uns alle wirklich ganz schön mitgenommen, weil es so dramatisch war. Vor allem hat es uns aber die Ernsthaftigkeit der Lage mal wieder vor Augen geführt.

Es ist oft unglaublich was die Kinder aushalten müssen.

Was ich vor allem gelernt habe ist, wie schlimm es ist, wenn Kinder entwurzelt werden – zum Beispiel weil sie alleine auf die Flucht als 12jähriger in den 3 Monaten Flucht quasi erwachsen werden müssen und hier aber dann wieder Kind sein sollen. Die Verantwortung und die ganze Hoffnung einer ganzen Familie liegt dann auf dem Kind.
Oder Kinder, die eigentlich gar nicht hierher wollten, weil in ihren Augen alles gar nicht so schlimm ist, wo sie her kamen. Sie vermissen ihre Freunde und finden es doof, dass sie jetzt in einer Stadt leben sollen. Vorher haben sie vollkommen frei auf dem Dorfplatz oder in den Straßen immer mit den Freunden gespielt. Und hier sind keine Kinder auf der Straße und sie müssen in die Schule. Aber ihre Eltern haben entschieden, dass sie hier ein besseres Leben haben. Die Eltern glauben sicher, dass sie den Kindern was Gutes tun: sie bauen hier alles für die Kinder auf und sollen es hier gut haben. Aber den Kindern ist es vielleicht egal, weil es so schön zu Hause gewesen ist, frei und unabhängig zu sein. Wohnverhältnisse waren bei manchen besser als hier in München. Die tun sich oft sehr schwer mit dem Ankommen, weil sie hier einfach auch nicht ankommen wollen: sie wollen die Sprache nicht lernen, stellen sich quer und wollen sich vielleicht auch einfach nicht anpassen. Da gibt es natürlich auch auf einmal Konflikte zwischen Eltern und Kindern und es ist eben auch meine Arbeit, ein Verständnis bei den Eltern zu schaffen und das Heimweh erträglich zu machen.

Die Kinder haben oft schon einen so großen Rucksack an mit ihren Geschichten und da braucht man sich eigentlich auch nicht wundern, dass das es schwierig wird. Bei dem einen ist der Rucksack auch mal zu groß und voll und du siehst schon genau, wo die Karriere hingeht.

Manchmal werde ich auch wirklich wütend, wenn man mit Eltern in unzähligen Gesprächen Dinge bespricht und vereinbart und sie dann doch einfach wieder nicht umgesetzt werden. Oft verstehe ich die Eltern nicht, die zu streng oder ungerecht bestrafen. Manchmal ist das fast schon Psychoterror. Der gesunde Mittelweg fehlt wie so oft. Da ist es kein Wunder, dass uns dann in der Schule die Kinder ausflippen.

Oft denke ich mir, am liebsten würde ich manche Kids mal für zwei Wochen mitnehmen und ihnen ganz normale Nestwärme geben: jeden Tag eine Pausenbox voller Brotzeit für die Schule, zuhören, gemeinsam was unternehmen und sie aus ihrem Stadtteil mal rausholen. Mir ist völlig klar, dass das auch nicht gut wäre, es auch die Probleme nicht lösen oder vielleicht sogar schlimmer machen würde. Aber so fühl ich mich manchmal.

Trotz alle dem ist aber eben dieses Versöhnliche. Da klopft es auf einmal an Deiner Büro-Tür und dann stehen Schüler da und fragen einfach nur: „Dürfen wir bei Ihnen bleiben? Wir wollten nur ein bisschen ratschen.“ Oder sie wollen einfach nur ein Stück Schokolade haben. Wenn man einfach weiss, man ist eine Anlaufstelle für sie ist und sie ein Stück begleiten darf – das ist einfach großartig. Einmal kam eine Schülerin sogar zu mir und meinte: „Sie wissen schon, dass sie sowas wie mein Tagebuch sind!?“

Ein totales Highlight ist jedes Jahr die Abschlussfeier. Da kommen sie dir auf dem Pausenhof komplett aufgebrezelt entgegen und wollen sich unbedingt von dir noch verabschieden. Mit einem Schüler steh ich auf der Feier immer im Arm und wir müssen beide weinen. Irgendwie wissen wir dann beide: „Ja, ich bin nicht Deine beste Freundin, aber ich hab Dir doch was gegeben und hab Dich so gut an die Hand genommen, dass ich dich ein Stück begleiten konnte.“ Oder sie kommen und erkennen, dass sie sich in der 5. oder 6. Klasse ganz schön aufgeführt haben und entschuldigen sich dafür. Solche Momente hast du natürlich nicht mit allen, aber das ist dann einfach so mega cool. Das versöhnt dann immer wieder alles nervige, alles bürokratische, jeden Gedanken, wie unfair diese Welt manchmal ist und wie vieles so viel einfacher sein könnte. Und das ist einfach schön: einen Jugendlichen zu „knacken“ und für ihn da zu sein. Deshalb ist es mein Traumjob.“