Traumberuf (2/3)

„Ich weiss, dass ich für diesen Job gemacht bin und habe total meins gefunden. Aber es macht natürlich auch viel diese ganz besondere Schule aus: sie trägt einen mit, lässt uns machen und nimmt uns ernst. Sie meldet uns jeden Tag zurück, wie toll das ist, was wir machen: egal ob es Lehrer sind oder die Schulleitung. Das ist wirklich toll und einzigartig.

Oft höre ich, dass an anderen Stellen die Rektoren gegen arbeiten oder das Kollegium dich nicht für voll nimmt, weil du ja „nur“ Sozialpädagoge bist. Bei uns ist es genau das Gegenteil.

In der Simmernstraße ist es wie eine Familie und die Warmherzigkeit ist wirklich was besonderes. Natürlich versteht man sich nicht mit allen immer gleich gut, aber man schaut aufeinander und die Schulleitung schaut darauf, dass wir untereinander gut auskommen: sowohl in der Arbeit als auch privat. Die Rektorin schaut vor allem auch darauf, dass trotz aller Wechsel eine gewisse Beständigkeit besteht. Auch externe werden wie ein Teil des Teams behandelt. Es sind alle immer herzlich willkommen.

Ich fühle mich der Schule sehr verbunden und darüber bin ich mir sehr bewusst. Ich empfinde es – nach meinem eigenen Kind natürlich – als das größte Geschenk. Sicher auch, weil ich weiss, wie sehr sich andere über den Job beschweren. Natürlich bin ich auch mal gestresst, um Familie und den Job unter einen Hut zu bekommen, aber ich gehe jeden Tag gerne zur Arbeit. Ich freue mich schon in den Sommerferien auf den ersten Montag mit der ersten Konferenz. Es ist auch für mich immer wieder wie der erste Schultag.

Ich kann mich noch gut erinnern, als ich an meinem ersten Tag ins Sekretariat gekommen bin: die Direktorin stand wirklich buchstäblich mit offenen Armen da und meinte: „Endlich sind sie da, und endlich sind wir komplett.“ Wo hat man denn sowas noch?“

Traumberuf (1/3)

„Ich bin Sozialpädagogin und arbeite in der Jugendsozialarbeit an der Mittelschule Simmernstraße in München in Trägerschaft des KINDERSCHUTZ MÜNCHEN und es ist mein absoluter Traumberuf. Ich habe soziale Arbeit studiert und war vorher in einem Kinderheim und in einem Kindergarten tätig. Mit Jugendlichen wollte ich eigentlich nie was zu tun haben. Ich fand Jugendliche grauenvoll: die pubertieren und das fand ich furchtbar. Im Nachhinein kann ich sagen, dass es super cool ist mit Jugendlichen zu arbeiten, auch wenn es schwieriger ist als mit kleinen Kindern. Die Kleinen klettern viel schneller mal auf deinen Schoss, bitten dich etwas vorzulesen und haben dich dann ganz schnell lieb, einfach nur weil du die Erzieherin bist. Die Kids ab der 5. Klasse haben ganz andere Sorgen und Nöte und checken dich natürlich viel stärker aus. Aber wenn man dann mal das Vertrauen von einem Jugendlichen gewonnen hat, dann ist das einfach großartig. Es ist einfach toll, sie zu begleiten.

Unsere Arbeit hat mehrere Schwerpunkte. Offiziell sind wir eine „Filiale des Jugendsamts“. Das verwende ich allerdings nicht gerne, weil das sehr negativ behaftet ist. Wir sind „einfach“ für die Kinder und Jugendlichen da und sind Anlaufstelle für alles, was sie brauchen. Wir hören uns den ersten Liebeskummer genauso an, wie wir uns um banale Sachen kümmern wie, z.B. einen Sportverein zu finden, obwohl dafür kein Geld da ist. Wir organisieren Nachhilfe oder unterstützen Kinder, die uns die Lehrer schicken. Aber vor allem sind wir da, wenn es zu Hause nicht rund läuft auf Grund von Vernachlässigung, Überforderung, psychische Krankheit von Eltern etc. oder Schülerinnen in irgendeiner Art Krise stecken. Wir arbeiten dann in Einzelstunden mit den Schülerinnen und in enger Kooperation mit den Eltern, Lehrer*innen und anderen Helfern.

Wir haben ziemlich viele Verhaltensauffällige oder besser gesagt massiv verhaltensauffällige Kinder, die auch mal den ganzen Unterricht sprengen – gerade in der 5. oder 6. Klasse. Entweder holen wir sie dann aus dem Unterricht komplett raus oder bleiben einfach dabei. Schöner wäre es, wenn wir noch viel, viel mehr dabei sein könnten. Optimal wäre es, wenn in jeder Klasse jemand von uns sitzen könnte. Aber dafür sind wir zu wenig: wir betreuten zu zweit 15 Klassen, insgesamt knapp 290 Schüler mit einem Migrationsanteil von fast 90%. Auch wenn wir schon sehr kleine Klassen haben, ist es oft nicht zu bewältigen: der eine kommt nicht mit, weil er Legasthenie hat und Testungen ausstehen und der andere haut um sich, weil er seine Wut nicht unter Kontrolle bekommt. Jeder braucht unsere Hilfe und wenn ich mal wieder in einer Klasse dabei war, hab ich wieder ein paar Einzelfälle mehr, die ich betreue.

Ein weiterer Teil unserer Arbeit sind Projekte: Klassengemeinschaft, Konfliktlösungen, Mobbing, Umgang mit Medien und ein wertschätzender Umgang miteinader. Aber auch erlebnispädagogische Projekte, wie zum Beispiel Flossbauen mit den 5. Klassen, um das Miteinander zu stärken. Diese Projekte sind richtig toll, weil man da die Kinder auch mal ganz anders kennenlernt und einen ganz anderen Draht zu ihnen bekommt. Oder wir begleiten Lehrer bei ihren Ausflügen, weil vielleicht ein paar „Kracher“ mit dabei sind, und das alleine nicht machbar ist.

Und natürlich ist auch viel Elternarbeit dabei. Wir beraten die Eltern in Fragen, bei denen sie selber nicht weiterkommen oder eben einfach Unterstützung brauchen. Zunächst mal schauen wir, was wir selber mit den Eltern lösen können in Gesprächen und mit praktischen Tipps oder der Anbindung an eine Erziehungsberatungsstelle oder andere Hilfen der Jugendhilfe. Das wird dann besonders spannend und schön, wenn wir eine Kindeswohlgefährdungsmeldung ans Jugendamt abwenden können. Das bedeutet, dass ich in einigen Fällen erst mal keine Meldung mache muss, sondern Eltern überzeuge sich Hilfe im Sozialbürgerhaus/Jugendamt zu suchen bevor Situationen eskalieren und dann eine Meldung gemacht werden muss oder eben mit uns kooperieren. Denn das Kindeswohl steht über allem. Wir können leider nicht alle unsere Klienten zu allen Amtsterminen begleiten, weil uns dafür die Kapazität fehlt, aber wo es geht machen wir es, da wir oft die Stelle sind wo Probleme das erste Mal ausgesprochen werden. Wir sind ein sehr niedrigschwelliges Angebot und dann häufig Vertrauenspersonen. Ämter sind immer eine Hürde; Die Mitarbeiter*innen dort haben sehr viel zu tun und arbeiten unter anderen Bedingungen. Ich verstehe deren Situation auch echt gut, denn ich hab auch mal in einem Amt hospitiert und weiss, wie stark unterbesetzt sie dort zum Teil sind. Aber oft fehlt mir einfach das Feingefühl und die Geduld. Ich will niemandem an den Karren fahren, weil ich mir denken kann, wie anstrengend das ist, aber wenn ich weiss, dass jemand recht schnell ausflippt, dann muss ich halt vielleicht anders kommunizieren. Und dafür sind wir dann eben manchmal da und können vermitteln.“

Früher

“Ich bin Rentner. Ich bin viel in der Natur, radeln und genieß das Leben. Das Leben ist eh kurz genug.

So wie ich aufgewachsen bin, war es einfach schöner. Heute eifern alle nur noch dem Geld nach. Es gibt kein Miteinander mehr. Jeder läuft nur noch mit seinem Handy umeinander wie ferngesteuert. Ab und zu würd ich die Zeit gern zurückdrehen. Die Leute waren einfach anders unterwegs. Man kann es einfach mit heute nicht mehr vergleichen. Heute ist alles viel schnell lebiger. Jeder eifert nur noch nach haben, haben. haben. Ob es das ausmacht? Das weiss ich nicht.

Das Viertel hier taugt mir einfach. Es ist schön bunt und es ist ein altes Viertel. Das Viertel hier ist ein geldiges Viertel. Ich wohne in einem nicht geldigen Viertel – in Moosach. Mir gefällt es dort nicht so gut. Ich bin in Schwabing aufgewachsen, Dann hat`s mich nach Giesing verzogen – das ist auch noch ein schönes, altes Stadtviertel. Und das Moosach: das ist mir zu laut, zu wenig Einheimische. Das hier ist noch schön traditionell und trotzdem bunt. Da fühl ich mich wohl.

Das alte Schwabing gibts schon gar nicht mehr. Wenn ich heute durch Schwabing fahre, dann gibt es nur noch McDonalds, Friseure und so – es ist einfach tot.”

Nachbarn

“Wir sind Nachbarn und kennen uns eigentlich gar nicht. Wir haben uns gerade erst zufällig getroffen und zwitschern jetzt einfach mal ein Bierchen zusammen zum Frühstück. Meine Frau hat mich nämlich ausgesperrt und ich musste im Keller schlafen. Ich komme auch jetzt noch immer nicht rein, weil ich keinen Schlüssel habe.”

Warum habt ihr gestritten?
“Eheliche Differenzen”

Und wer hat gewonnen?
“Hm. Ich hab zumindest mal im Keller geschlafen. Mit der Suchtproblematik zumindest hat sie recht. Aber hier ist einfach das Leben und das liebe ich so sehr.
Und er hier: er ist ein echtes Unikat im Viertel. Er ist so und wird auch immer so bleiben. Jeder kennt ihn und weiss, wer er ist. eine Stadtteilprominenz!”

“Ja, Mei. Ich bin halt ich. Ich kenn sogar den Rabbi hier im Viertel. Ich spiele gerne Schach. Denn mein Geliebter war Schachgroßmeister und ich war sein Sparring-Partner. Er hat immer gesagt, dass ich auf Spitzen-Niveau spiele. Ich hab für ihn alles getan und ihm immer den Rücken frei gehalten. Aber irgendwann war es ihm trotzdem zu viel. Da hat er sich aufgehängt. Danach hab ich erst mal ein halbes Jahr gar nicht gespielt, aber jetzt bin ich wieder voll dabei.
Früher hab ich 1,5 Flaschen Wodka getrunken. Jetzt trink ich nur noch Bier – auch mal am Morgen. ”

Sozialkompetenz

“Tja, wer bin ich. Ich bin der Stefan, 52 Jahre, gelernter Friseur, übergangsweise Vintage-Händler und jetzt Tapetenproduzent neuerdings. Wir haben die Tapete revolutioniert. Deshalb mach ich hier gerade auch Räumungsverkauf, weil die Tapeten so abfliegen und ich mich jetzt nur noch darauf konzentrieren möchte.

Ansonsten bin ich eigentlich jemand, der damit wirklich hadert, dass die Sozialkompetenz in der Gesellschaft langsam abhanden kommt und dass wir hier auch im Laden ständig mit der H&M Mentalität der Menschen konfrontiert werden. Wir sind hier sehr persönlich und haben auch einen schön bunten, lebenslustigen Laden gemacht. Das kommt auch gut an, aber trotzdem haben die Leute noch nicht verstanden, dass sie ab und zu mal Hallo und Tschüss sagen können und dass sie sich auch mal gegenseitig anlächeln könnten. Das ist der Grund, weshalb ich eigentlich ganz froh bin, dass der Laden weg ist.

Und wenn wir hier raus sind, dann kommt hier ein Immobilienmakler rein und macht München noch bunter. Autsch. Tja, 5.000 Euro Miete müssen ja auch irgendwie bezahlt werden. Für die gleiche Größe zahlst du aber ein paar Häuser weiter vorne am Gärtnerplatz 16.000 EUR. Das ist also hier fast ein Schnäppchen.”

Und was hat es jetzt mit der Tapete, die sie revolutioniert haben auf sich? Findet es selber raus: wallstoxx.com

Stefan hab ich übrigens kennengelernt, weil dieser unfassbar schöne Schrankkoffer auf dem Gehsteig stand, der um die 100 Jahre alt ist. Er hat mich magisch angezogen und wenn ich das nötige Kleingeld hätte, hätte ich sofort einen gekauft.

Schwierige Sprachen

“Ich war viel in der arabischen Welt unterwegs als Deutschlehrerin. Ich war in Palästina, Ägypten, Tunesien, Libanon. Mir ist es total wichtig, dass die Menschen hier mal ein bisschen kritisch darüber nachdenken, wo wir eigentlich sind und dass die anderen Menschen genauso normal und genauso gut und genauso schlecht sind wie wir.

Viele kritisieren hier oft, dass die Ausländer hierher kommen und kein Deutsch lernen. Ja, das ist einfach, weil es einfach so schwierig ist. Für mich war es sehr wichtig, diese Erfahrung auch mal zu machen. Ich war vier Jahre in der arabischen Welt und spreche immer noch kein arabisch. Ich spreche Spanisch, Französisch, Englisch, weil ich ziemlich sprachbegabt bin, aber Arabisch ist einfach wirklich schwierig. Hier sollte man sich wirklich davor schützen, die Leute direkt in eine Schublade zu stecken und zu behaupten, dass sie sich nicht integrieren wollen.

Was hast du aus dieser Zeit für Dich mitgenommen?
Dass man nicht zu viel über Arbeit nachdenken sollte. Wir Deutschen stressen uns da schon echt krass. Ich bin erst wieder seit einem knappen Jahr in Deutschland und war vorher 8 Jahre im Ausland. Hier zurück merke ich, dass ich hier wieder nur über Geld und Arbeit spreche. Wir machen uns immer Sorgen, aber eigentlich haben wir gar keinen Grund uns Sorgen zu machen, denn wir leben hier schon wirklich sehr gut.”

Neuseeland

“Ich war gerade 10 Monate in Neuseeland und bin erst wieder ein paar Wochen hier. Ich wollte einfach mal raus und mein Englisch aufbessern. Neuseeland ist es geworden, weil die Landschaft wunderschön ist und weil man relativ einfach ein Visum bekommt. Es war auf jeden Fall eine sehr intensive Zeit.
Mir war schon klar, dass es weit weg ist, aber wie weit es wirklich ist, ist mir erst klar geworden, als ich im Flieger so lange saß.”

Was hast du aus Neuseeland mitgebracht bzw. Was findest Du besser oder schlechter in Neuseeland?
“Was ich wirklich cool fand, dass die Kiwis so lässig sind. Es ist einfach entspannter dort und die Uhren ticken dort ein bisschen langsamer – es geht nicht ganz so genau. Hier vermisse ich vor allem die Backpacker-Kultur: den Melting-Pot, in dem irgendwie alle anders sind und vielleicht nicht unterschiedlicher sein könnten. Und doch passen sie irgendwie zusammenpassen. Man sitzt ja irgendwie im gleichen Boot.

Ich würde aber nicht sagen, das Deutschland schlechter ist. Ich finde generell, dass man Länder nicht richtig vergleichen kann. Sie sind halt einfach anders. Dafür liebe ich Deutschland, weil hier meine Freunde und Familie sind. Ich bin hier aufgewachsen und man sieht seine Stadt auf jeden Fall mit anderen Augen, wenn man auf Reisen war. Was mir vor allem wieder aufgefallen ist und was mir auch so viele gesagt habe: Deutschland hat einfach so krass viel “alte” Kultur. Naütrlich gibt es alte Kultur in Neuseeland – die Mori-Kultur. Aber hier strotzen die Straße und Gebäude nur so vor Geschichte.

Gerade arbeite ich noch ein bisschen hier und dann gehe ich nach Leipzig zum Weiterstudieren. Ich liebe Leipzig, Little Berlin – Berliner Flair nur in einer kleineren Stadt.”

The girl on the bus

„Unsere Kennenlern-Geschichte ist wirklich schön und etwas ganz besonderes. Sie zeigt vor allem, dass Menschen in München auch hilfsbereit sein können und wie sich hier internationale Freundschaften bilden.

Wir standen beide an der Bushaltestelle für den Bus zum Flughafen am Nordfriedhof. Sie hatte kein Bargeld dabei und machte sich Sorgen, wie sie den Bus bezahlen sollte. Zu der Zeit war sie noch nicht so lange in München, sprach noch nicht so gut Deutsch und kannte sich nicht so gut aus. Da dachte ich mir: „Oh je, die wirkt so verloren, soll ich ihr jetzt helfen?“ Natürlich hab ich ihr dann geholfen und ihr erklärt, wie sie auch mit der EC-Karte bezahlen kann.

Als wir dann zusammen im Bus saßen haben wir uns lange unterhalten und es war ein total schönes Gespräch. Sie ist zuerst ausgestiegen, hatte sich den Koffer schon genommen und war eigentlich im Gehen, aber irgendwie haben wir uns angekuckt und es war für uns beide klar, dass es zu schade wäre jetzt einfach so auseinander zu gehen. Irgendwie scheinen wir wohl beide darüber nachgedacht zu haben, wie wir denn jetzt in Kontakt bleiben, denn das Gespräch war ja so schön gewesen. Aber sie stand ja schon draußen und wir schauten uns durchs Fenster an. Letztendlich kam sie dann sogar noch mal rein und gab mir ihre Visitenkarte. Das Ganze ist fast 4 Jahre her und seit dem verbindet uns eine tiefe Freundschaft.

Schwestern

„Die Schwestern sind zum ersten Mal 1979 in San Francisco aufgetreten. Eine der Gründungsschwestern hatte sich das Nonnenkostüm vom Remake des Musicals The Sound of Music “ausgeliehen” (und nie zurückgebracht), um es dann nach San Francisco mit “umzuziehen”. An besagtem Karsamstag 1979 war es dann vier Kerlen langweilig und man zog die Nonnenhabits über und besuchte das Castro-Viertel. Dabei haben sie festgestellt, dass die schwule Generation von damals einen großen Redebedarf hatte: „Ich bin schwul, ich habe gesündigt, bitte hilf mir!“ Egal, ob die Leute von ihren Eltern rausgeschmissen wurden, nicht mehr in die Schule gehen konnten oder Ärger mit dem Arbeitgeber hatten: Die Schwestern waren da, hatten ein offenes Ohr und haben diese Sorgen aufgenommen, haben sie weitergeleitet und haben sich organisiert.

Daher also das Nonnenkostüm. Das weisse Gesicht kommt daher, weil eine der Gründungsschwestern im Justizwesen war und auf keinen Fall erkannt werden wollte. Denn es war ja nicht „gestattet“ schwul zu sein. Man hat dann aber auch relativ schnell festgestellt, dass das white face relativ kacke ausschaut, deshalb haben wir ein bisschen Glitzer und Farbe dazugetan. Sie stehen für die immerwährende Lebensfreude, die wir verbreiten wollen. Deshalb heissen wir auch eben die Schwestern der Perzentuellen Indulgenz – die perpetuelle Indulgenz: Perpetuum Mobile … immerwährend …. Indulgenz = Lebensgenuss / Lebensfreude).

Seit 1982 HIV / AIDS aufkam erinnert das white face zudem auch an den Tod – den Tod, den sexuell übertragbare Krankheiten bringen können. Die Schwestern haben in dieser Zeit, die ersten Sex-Broschüre rausgebracht haben. Nach dem Motto: „Tu was du willst, aber sei ein bisschen vorsichtiger.“

Diese Mission hat sich beide bis heute auch nicht geändert. Wir verteilen heute noch safer sex Materialien und klären auf soweit Bedarf ist. Und wir sind damals wie heute für alle Leute aus allen Gruppierungen da, dass sie uns ansprechen können und mit uns über ihre Sorgen sprechen können.

Dieses „Verkleiden“ ist dabei wichtig: Wir verkleiden uns so abstrus oder so extrem, damit die Leute uns erkennen und wirklich zu uns kommen. Dieses Kostüm macht für alle einfach ganz klar, dass ich jetzt in dieser Rolle als Schwester da bin.

Für uns ist es aber auch wichtig: wenn ich als Schwester in dieser Verkleidung da bin, kann ich als ganz persönliche Person nach einem Gespräch immer noch sagen: „Das war mein Kostüm, meine Rolle, mit der gesprochen wurde.“ Ich muss ja auch heute Abend nach Hause gehen können und mein normales Privatleben weiterführen können. Wir machen das alles ehrenamtlich und sind keine Psychologen, keine Therapeuten, oder Mediziner.

Die Kopfbedeckungen machen wir übrigens selber. Der lustigste Teil ist eigentlich immer, die BHs zu kaufen. Stell Dir vor, du gehst als schwuler Mann in einen Laden und musst einen BH kaufen. Natürlich fragt die Verkäuferin erst Mal: „Welche Größe trägt denn ihr Frau?“ Und dann antwortest du: „Er muss am Kopf passen!“ Immer wieder schön.
Als ich einmal in Südamerika mit meinem Haus und Hof Spanisch in einem Laden kläglich gescheitert bin, zu erklären für was ich es brauche, hab ich ihnen einfach ein Foto gezeigt. Die waren so begeistert, dass sie gleich mal eine Durchsage durch das ganze Einkaufszentrum gemacht haben! Natürlich hab ich dann auch erzählt, um was es geht und die haben mich sofort gefragt, warum es das in Puerto Rico nicht gibt. Tja, und da sind wir natürlich bei dem Problem, dass in viel zu vielen Ländern Schwule noch immer komplett unterdrückt werden.

In Budapest musste mal eine CSD Prozession in die U-Bahn umgeleitet werden, weil die sie alle totschlagen wollten. In Saudi-Arabien wird man geköpft, wenn man Schwul ist. In Russland gibt es offiziell keine Schwulen und offiziell auch keine HIV-Infektionen – mit dem Ergebnis, dass die inoffiziellen Zahlen irre hoch sind. Warum? Wir tun doch niemandem weh, verdammt noch mal! Ich frag doch auch keinen in der Hetero-Beziehung, was du im Bett machst. Es ist doch total egal. Hauptsache ihr habt euren Spaß, ihr genießt es und ihr behaltet im Hinterkopf, dass richtig viele fiese Krankheiten da draußen, wie HIV; Syphilis, Hepatitis, und und und. Womit wir wieder bei unserer Mission der Schwestern wären.”

Nachdem ich die Schwestern immer wieder auf Veranstaltungen gesehen haben, war ich sehr froh, sie mal mit Kamera und Interview-Block zu treffen und mir ihre Mission erzählen zu lassen. Ich finde es so bewundernswert und ehrenwert, was sie tun. Daher: wer noch mehr über die Schwestern der Perzentuellen Indulgenz erfahren möchte, hier der Link ihrer Website: http://www.spi-muenchen.de/

München oder Kopenhagen?


“Ich komme aus Dänemark und liebe München. München hat viel mehr Natur und keiner bleibt am Wochenende nicht in der Stadt, sondern geht raus und geht in die Berge – geht wandern. In Kopenhagen bleibt man in der Stadt. Ich liebe es, dass man von München aus nur eine halbe Stunde braucht und sofort in der schönen Natur und in den Bergen ist. Das Wetter ist besser und die Isar ist gleich hier um die Ecke. Man merkt, dass das Wasser aus den Bergen kommt und in München ist es einfach richtig schön zu leben. Wenn ich in Dänemark zu Besuch bin, fragen mich immer meine Freunde und Familie, wann ich wieder heim komme. Aber ich bin nicht sicher … Ich lebe einfach sehr gerne in München. Aber natürlich liebe ich auch Kopenhagen! Aber anders!”

Ludwigsburg

“Wir sind das erste Mal auf einer Comic Con und sind extra aus Ludwigsburg gekommen. Das war die Convention, die am nähesten gerade dran war und wir wollten das mit dem Verkleiden also dem Cosplay unbedingt mal ausprobieren. Wir finden es beide richtig gut, auch wenn es wirklich ganz schön voll drinnen ist.”

“Ich habe mir den Charakter Sakura Haruno ausgesucht, weil der Charakter super cool und ich finde es schon, dass man ein bisschen in diese andere Rolle schlüpft.”

“Also ich finde meinen Charakter Kakashi Hatake auch richtig cool, aber ich finde es nicht, dass ich diese Rolle wirklich bin. Es ist nicht einfach nur ein verkleiden – aber so richtig fühlen tu ich das nicht.”

Donie The Dragon als Puppy

“Ich habe meinen Charakter selber gemacht – er gehört also nicht zu einer Serie oder so. Irgendwann habe ich einfach mal angefangen zu basteln – der Kopf ist zum Beispiel aus einer IKEA-Papiermaske passiert. Ich habe einfach angefangen zu bauen, hab nachgesehen, was ich noch im Schrank habe und worauf habe ich Bock habe. Eigentlich ist da sogar eine Lüftung drin aber ich habe die Batterien vergessen.

Dieser kleine Dämon ist seine fiktive Spezies. Das nennt sich “Masked Beast”. Aufgrund des Aussehens der Maske habe ich dann auch den Charakter dahinter modelliert. Sie spricht eigentlich nicht, sondern macht nur bestimmte Geräusche. Sie ist ein bisschen zurückhaltend. Sie ist klar darauf ausgelegt, dass sie alle niedlich finden.”

Spider-Gwen

“Ich bin Spider Gwen. Ich habe mich für diesen Charakter entschieden, weil viele MARVEL Figuren hier auf der Comic Con vertreten sind – aber immer nur das, was aktuell im Kino läuft. Ich schwimm` da lieber gegen die Masse stelle lieber einen Charakter dar, der auch wirklich aus den Comics ist und nicht einen Charakter, den man nur aus den Filmen kennt. Das ist der Ursprung und wir sind hier auf der Comic Con und nicht auf der “Was-ist-gerade-im-Kino”-Con.

Für die Spider Gwen im Speziellen habe ich genommen, weil sie auch Kinderfreundlich ist. Oft erkennen mich Kinder schneller als Erwachsene, weil sie aus einer Kinderserie ist. SpiderMan kennt noch jeder, aber wenn es um seine Freunde geht, wissen nur noch sehr wenige, dass Spider-Gwen z.B. im 3. Film nur eine kurze Szene hatte, als sie vom Hochhaus stürzt. Im Comic kommt sie viel öfter vor und sie hat sogar ihre eigene Comic-Reihe.
Mit diesem Charakter riskiere ich zwar, dass die Leute weniger Fotos von mir machen, aber oft mache ich Leute auch neugierig.

Ich war schon immer ein Mensch, der sehr viel gelesen hat und eine Freundin hat mir mal ein Manga ausgeliehen. Ich war schon beim ersten Aufschlagen begeistert. Denn wenn man die einfach so aufschlägt, wie man ein normales Heft liest, dann sieht man erst mal eine große Stop Hand, die dich darauf aufmerksam macht, dass man das Heft umdrehen muss, denn man liest sie ja rückwärts. Und das steht wirklich in jedem Manga. Alleine das war schon der Reiz: das ist wie lesen, aber eben ganz anders.

Ich mach auch ganz viele Charity-Sachen mit einer Gruppe und einem Verein. Wir sammeln Spenden für Kliniken oder ähnliches. Zum Beispiel laufen wir dann alle als Vampire rum, um auf Blutspenden-Aktionen aufmerksam zu machen. Eigentlich bin ich mehr auf Charity bzw. Benefiz-Aktionen, als solche Conventions. Natürlich nehme ich alle mit, die in der Nähe sind – und auch vielleicht ein bisschen weiter – ich war schon in Rotterdam, Wien, Florenz und Malaga. Aber die Charity-Sachen liegen mir mehr am Herzen – da mach ich halt wirklich was Sinnvolles.”

Rüpel

“Ich spiele einen bösen Rüpel aus der 7. Generation aus dem gegnerischen Team, gegen das der eigentliche Hauptcharakter bei den Pokemon kämpft. Ich wollte dieses mal in diese Rolle schlüpfen, weil ich seine Geschichte einfach prägnanter fand als z.B. die des Hauptcharakters. Der ist ja immer gleich, aber die Nebenfiguren sind oft interessanter.

Das Kostüm habe ich selber komplett selber gemacht. Dazu hab ich mir ein paar references angesehen, wie das andere gemacht habe, bin in den Spielen rumgelaufen und hab mich umgesehen und hab es dann in 2 Tagen umgesetzt. Man muss nur ein bisschen kreativ sein und sich einen Charakter raussuchen, den man gut findet. In den steckt man dann sein Herzblut rein und arbeitet gerne dran – so ist es zumindest bei mir.

Was ich krass finde, dass manche Leute total vergessen, dass ein Mensch drunter steckt, wenn man ein Ganzkörper-Kostüm trägt, wie z.B. unser kleiner Dämon. Ich bin schon mal so rumgelaufen und mich haben Leute beschimpft und angespuckt. Sie identifizieren dich nur noch mit dem Charakter und vergessen wirklich, dass da Menschen drunter sind.”

Krul Tepes

“Für mich ist es hier zum ersten Mal, dass ich cosplaye und stelle Krul Tepes dar. Das ist ein Charakter aus einem speziellen Anime. Aber man kann aber auch seine eigenen Charaktere machen, die man dann Cosplayen kann. Wie es unser kleiner Dämon hier macht.”

Ich gestehe, ich kannte den Charakter vorher noch. Du kennst ihn auch nicht – dann hier ein paar Seiten, die ich gefunden habe und auf denen ich nicht nur erfahren habe, dass ich mit einem Vampir gesprochen habe, sondern auch noch wie sensationell gut sie das Original getroffen hat:
https://owarinoseraph.fandom.com/wiki/Krul_Tepes
https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=20&cad=rja&uact=8&ved=2ahUKEwiSxoH3lu7iAhXEzKQKHQ-BAoUQFjATegQIBhAB&url=https%3A%2F%2Fwww.anisearch.de%2Fcharacter%2F50259%2Ckrul-tepes&usg=AOvVaw0ZPvlzL13uOzc1KYpnAcGf

Lelouche vi Britannia

“Ich stelle heute Lelouche vi Bratannia dar. Das ist ein Charakter aus Code Geass, einem Anime – also einer Animierten Serie aus Japan.

Ich Feier diesen Charakter für seine Eigenarten und für das, was er tut. Natürlich nur im Anime, weil es ja ein rein fiktiver Charakter ist.

Er ist mir nicht wirklich ähnlich, aber er ist so ein bisschen das, was ich gerne sein würde. Er ist ein sehr entschlossener Mensch und er kämpft für seine Ziele ziemlich ehrgeizig. Das sind Sachen, die man im realen Leben jetzt nicht immer so umsetzen kann. Daher ist er ein fiktiver Charakter, der vielleicht das Optimalbild von dem ist, was ich gerne sein möchte.

Manchmal ist es tatsächlich so, dass es mir in echten Situation hilft – besonders wenn es um Entschlossenheit geht. Wenn ich mir erst überlege, dass ich mich etwas nicht traue, dann kann ich mir schneller sagen: `Ne, das mache ich jetzt! Das ziehe ich jetzt durch.`”

Jeden Tag genießen

“Ich würde mir wünschen, dass die Menschen wieder respektvoller miteinander umgehen. Es fängt bei den kleinen Dingen an, wie jemanden mal mit dem Auto oder dem Fahrrad durchzulassen. Wir kommen aus dem Raum Ingolstadt, mit den Jahren  begegnet man bei uns immer öfters der so genannte “Ellenbogen-Gesellschaft”! Ich fände es besser und schöner, wenn es ein besseres Miteinander geben würde. Egal ob jemand jung oder alt, arm oder reich ist, gesund oder krank. Jeder kann von dem anderen profitieren. “Miteinander statt jeder für sich”, das wäre mein Wunsch für die Zukunft!”