Glück

DeutscheEiche

“Ich bin sehr glücklich. Ich habe seit 39 Jahren einen super Partner an meiner Seite und das ist das größte Glück, das es gibt. Überhaupt habe ich sehr viel Glück gehabt im Leben. Ich konnte mich sehr verwirklichen. Ich habe erst 15 Jahre in meinem Traumberuf als Grundschullehrer gearbeitet, als ich die Deutsche Eiche geerbt habe. Naja, eigentlich hab ich hauptsächlich einen Sack voll Schulden und ein stark renovierungsbedürftiges Haus geerbt. Mein Vater hat sich mit der Investition viel vorgenommen, weil er diese Institution unbedingt retten wollte. Wir wussten allerdings, dass er nur noch ein Jahr zu leben hatte, aber wir konnten uns kein Herz fassen, um es ihm zu sagen. Also haben wir ihn machen lassen und so stand ich auf einmal da: keine Ahnung von Gastronomie mit einer maroden Bude, die wir nicht mal zur Wiesn richtig vermieten konnten: selbst zu dieser Zeit wollte keiner mehr ein Zimmer mit der Toilette auf dem Gang.

Viele Neider haben wir nicht. Eher im Gegenteil: wir bekommen von allen Seiten viel Anerkennung, denn alle wissen, dass wir viel schuften. Aber meine Mutter hat schon gesagt: “Neid musst du dir verdienen. Mitleid bekommst du umsonst.” Irgendeinen gibt es immer, der neidisch ist.”

Du hast gesagt, du hast einen “super Partner”. Was bedeutet das für dich?
“Ein Super Partner bedeutet für mich, dass er jeden Tag noch Wärme in meinem Herzen auslöst. Dass ich ihn gerne anfasse und dass ich mich freue, wenn ich ihn sehe. Es bedeutet für mich, dass ich gerne mit ihm rede und Zeit mit ihm verbringe. Dieses Gefühl ist gar nicht so einfach auf so lange Zeit aufrecht zu erhalten. Aber eigentlich hat es eher am Anfang gekriselt. Da hat noch jeder um seine Position kämpfen zu müssen geglaubt. Ich denke, um eine Beziehung zu entwickeln und zu erhalten, muss man sich gegenseitig wertschätzen. Man muss auch mal schweigen können und an sich selbst arbeiten. Da gehört es auch mal dazu, den anderen so zu akzeptieren – vielleicht auch mal zu ertragen –  wie er ist.

Und so genießen wir unser Leben. Man sagt ja so schön: Zu sterben ist keine Schande. Aber sein Leben zu versäumen ist eine Sünde.”

Die Deutsche Eiche ist ein Restaurant und Hotel in München in der Reichenbachstraße, das nicht nur eine gute Küche hat, sondern auch toll durchgestylte Zimmer zum Übernachten und eben eine berühmt, berüchtigte Sauna für Männer. Das Haus ist mit so viel Geschichten und Historie verbunden, dass es auch Führungen gibt, die dann auf der Dachterrasse mit Blick über das Glockenbachviertel endet. Die Führungen an sich, habe ich leider bisher noch nicht genießen können, aber ich habe schon einige wundervolle Stunden bei Geburtstagsfeiern auf der Terrasse verbracht.
Ich habe ihn übrigens kurz nach einer Fahrt auf seinem Rad von Taufkirchen nach München  vor der Deutschen Eiche getroffen. So sieht auch nicht jeder nach so einer Radltour aus, auf der er mit schlappen 45 km/h durch die Gegend gesaust ist 🙂

 

 

 

Kirche und Gastro

Alof.jpg“Das Gastro-Leben ist schon ziemlich verrückt und ständig werde ich überall eingeladen – mei, München halt: Schischi hier, Schischi da. Aber du wirst mich nicht im P1 oder ähnlichen Veranstaltungen treffen. Das ist einfach nicht mein Ding.
Die Bodenhaftung für dieses verrückte Leben gibt mir der Glaube. Die Religion und das Leben mit der Kirche gehört zu meinem Leben. Zum Beispiel schreibe ich jeden Sonntag die Fürbitten selber. Über die Jahre hat sich da schon ein gigantischer Fundus angesammelt.

Ich hatte mit der Kirche viele wundervolle Erlebnisse in meiner Kindheit: Wallfahrten, Feste und so weiter. All das gehört zu mir, zu meinem Leben. Aber ich bin auch eine großer Kritiker der Kirche. Ich bin ganz sicher nicht mit allem einverstanden – schon gar nicht mit diesem ganzen Geklüngel und dem Milliarden Apparat. Aber für mich ist es keine Option wegzulaufen, sondern ich möchte am liebsten von innen heraus verändern. Und ja, ich ecke immer wieder an und ich selber wurde schon schreckliche Namen geschimpft – vom Teufel besessen und so – aber da lass ich mich nicht beirren und geh weiter.

Ich bin für eine menschenfreundliche und menschenoffene Kirche, in der jeder seine Berechtigung hat. Für mich darf keiner ausgeschlossen werden. Die Kirche hat die Pflicht, auf die Menschen zuzugehen und kann nicht erwarten, dass die Menschen zu ihr kommen. Als ich vor 23 Jahren in der St. Maximilian Kirche angefangen habe, waren nur ein paar Hanseln in der Gemeinde. Jetzt haben wir über 500 und an Feiertagen kommen tausende zu uns. Die Kirche ist voll an Weihnachten. Wir müssen die Tore öffnen und die Menschen dort abholen, wo sie sind und sie ernst nehmen. 
Ein schönes Beispiel ist die Erstkommunion. In vielen Gemeinden ist das eine Massenveranstaltung. Bei uns machen wir kleine Gruppen und die Kinder stehen im Mittelpunkt. Wir müssen die Kinder wirklich fragen, was sie bewegt – ob sie glauben oder einfach nur da sind, weil die Eltern das wollen. Und wenn du ihnen zuhörst, öffnen sie sich auf einmal. Dann erst kannst du mit ihnen reden, weil sie merken, dass du auch einfach nur ein Mensch bist. Du erreichst keine Leute durch Floskeln, die bei den Hochzeiten rausgehauen werden.
Der Glaube macht mich nicht automatisch, zu einem besseren Menschen. Ich bin genauso ein Arsch in einigen Dingen und habe genauso meine Fehler und Ängste, wie alle anderen. Ich bin ich. Einfach nur ich. Mir ist wichtig, durch mein eigenes Mensch-sein zu überzeugen. Ich lebe nach meinem eigenen Leben und nehme alle anderen um mich herum so an, wie sie sind. Das ist mir wichtig.

Aber ich habe auch mit der Kirche schon gelitten wie ein Hund, als es darum ging mein eigenes Schwulsein mit der Kirche zu vereinbaren. Mein Abt hat mir damals gesagt: “Warum nimmst du dich eigentlich so wichtig? Gott liebt dich so wie du bist. Du bist einzigartig und du wirst geliebt. Du bist du. Mehr nicht.” Und seitdem bin ich, wie ich bin und ich habe mich so akzeptiert. Ich bekämpfe nichts mehr. Und genau das sage ich heute noch den Leuten, die zu uns kommen und in der gleichen Frage Hilfe suchen. Du bist du und du wirst von Gott genau so geliebt, wie du bist.”

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