Gold

Gold

“Ich bin heute hier, um die schwule Community zu unterstützen, dass es endlich selbstversändlicher wird, so zu leben, wie man leben will!

Ich selber hatte mein Outing erst vor kurzem und ich muss sagen es war gar nicht so einfach, da nicht ausgegrenzt zu werden. Ich wohne in einem kleinen Dorf und spiele im Fussballverein. Gerade beim Fussball war es für einige einigermaßen schwierig, damit umzugehen. Aber jetzt ist  alles wieder gut. Ich denke, es hat auch was in den anderen verändert, denn irgendwie bin ich ja immer noch der gleiche wie vorher.”

We are Reality

Lange

“Wir haben uns 11 Jahre gekannt und aneinander vorbei gelebt. Jetzt sind wir seit 6 Jahren ein Paar und seit 3 Jahren verheiratet und finden immer noch, wir passen perfekt zusammen. Bevor wir ein Paar wurden, fanden wir uns schon eine ganze Weile ziemlich gut, haben aber beide gedacht, dass die jeweils andere noch in einer Beziehung ist. Damit war es komplett tabu, bis dann ihre beste Freundin uns endlich gesteckt hat, dass wir beide eigentlich frei sind. Lange, bevor der Funke dann endgültig übergesprungen ist, hat sie mir erst mal erzählt, was sie auf keinen Fall haben will: eine mit Hund, mit Kind und langen Haaren. Tja. Ich hatte alles drei und trotzdem sind wir dann zusammengekommen.

Ich arbeite bei der Polizei und kann meine Beziehung dort inzwischen offen leben. Das war erst mal nicht so, denn bei der Polizei gibt es häufig noch sehr konservative Klischeevorstellungen. Als ich mich bei der Polizei beworben habe, war ich noch verheiratet und hatte ein Kind. So bin ich schnell in einer Schublade gelandet. Als ich dann mit einer Frau zusammen gekommen bin, war es gar nicht so einfach aus dieser Schublade wieder raus zu kommen. Tatsächlich hatte ich das Outing erst dann, nachdem ich meine Dienstelle gewechselt habe. Da hatte ich auf einmal ein tolles Team und total nette Kollegen. Und als ich mit klopfenden Herzen endlich mal gesagt habe, dass ich mit einer Frau zusammen lebe, waren die Kollegen fast schon enttäuscht, weil sie nach der Intro eine große Nachricht erwartet hatten. Sie haben einfach nur gesagt: “Ach, das haben wir uns doch eh schon gedacht.” Das war für mich eine tolle Reaktion!

Wir sind heute natürlich zum feiern da, aber auch um eine wichtige Botschaft zu verbreiten: “We are reality!” Wir sind da, wir sind real! Uns kann man nicht mehr weg reden! Und zwar sind wir alle da! Und da ist es egal, ob du schwul, oder lesbisch oder transgender bist. Was wir nicht verstehen ist, warum sich in unseren eigenen Reihen einige Gruppen auch noch gegenseitig ausgrenzen. Das ist doch ein Witz, wenn eine Randgruppe die andere Randgruppe zur Randgruppe macht! Deshalb hatten wir auch letztes Jahr zum Christopher Street Day einen Lkw, auf dem wir ganz bewusst, alle verschiedenen Gruppen drauf hatten! Menschen sind so individuell wie die Liebe. Wäre doch langweilig, wenn wir alle gleich wären. Heute ist der Tag, an dem wir bewusst für alle Welt sichtbar werden und für Akzeptanz und Toleranz plädieren. Jeder Mensch sollte das Recht haben, auf seine Weise glücklich zu werden. Darum geht es uns!”

Kufstein

Kufstein

“Ich bin extra aus Kufstein gekommen, um hier zu sein. Aber ich bin eigentlich ziemlich oft in München, denn hier ist irgendwie meine zweite Heimat. Hier hatte ich mein Outing und hier fühle ich mich wohl. Aber das Outfit heute ist eine Premiere. Heute musste einfach endlich mal was besonderes sein. Und ich genieße es sehr: die Leute reagieren total toll und gehen auf mich zu. Ich liebe das!

Und nachdem jetzt gerade einige Dinge so wirken, als würden sie wieder rückläufig sein, möchte ich, dass wir heute hier mit wehenden Fahnen und erhobenen Armen zeigen, dass das hier wichtig ist!”

Glück

DeutscheEiche

“Ich bin sehr glücklich. Ich habe seit 39 Jahren einen super Partner an meiner Seite und das ist das größte Glück, das es gibt. Überhaupt habe ich sehr viel Glück gehabt im Leben. Ich konnte mich sehr verwirklichen. Ich habe erst 15 Jahre in meinem Traumberuf als Grundschullehrer gearbeitet, als ich die Deutsche Eiche geerbt habe. Naja, eigentlich hab ich hauptsächlich einen Sack voll Schulden und ein stark renovierungsbedürftiges Haus geerbt. Mein Vater hat sich mit der Investition viel vorgenommen, weil er diese Institution unbedingt retten wollte. Wir wussten allerdings, dass er nur noch ein Jahr zu leben hatte, aber wir konnten uns kein Herz fassen, um es ihm zu sagen. Also haben wir ihn machen lassen und so stand ich auf einmal da: keine Ahnung von Gastronomie mit einer maroden Bude, die wir nicht mal zur Wiesn richtig vermieten konnten: selbst zu dieser Zeit wollte keiner mehr ein Zimmer mit der Toilette auf dem Gang.

Viele Neider haben wir nicht. Eher im Gegenteil: wir bekommen von allen Seiten viel Anerkennung, denn alle wissen, dass wir viel schuften. Aber meine Mutter hat schon gesagt: “Neid musst du dir verdienen. Mitleid bekommst du umsonst.” Irgendeinen gibt es immer, der neidisch ist.”

Du hast gesagt, du hast einen “super Partner”. Was bedeutet das für dich?
“Ein Super Partner bedeutet für mich, dass er jeden Tag noch Wärme in meinem Herzen auslöst. Dass ich ihn gerne anfasse und dass ich mich freue, wenn ich ihn sehe. Es bedeutet für mich, dass ich gerne mit ihm rede und Zeit mit ihm verbringe. Dieses Gefühl ist gar nicht so einfach auf so lange Zeit aufrecht zu erhalten. Aber eigentlich hat es eher am Anfang gekriselt. Da hat noch jeder um seine Position kämpfen zu müssen geglaubt. Ich denke, um eine Beziehung zu entwickeln und zu erhalten, muss man sich gegenseitig wertschätzen. Man muss auch mal schweigen können und an sich selbst arbeiten. Da gehört es auch mal dazu, den anderen so zu akzeptieren – vielleicht auch mal zu ertragen –  wie er ist.

Und so genießen wir unser Leben. Man sagt ja so schön: Zu sterben ist keine Schande. Aber sein Leben zu versäumen ist eine Sünde.”

Die Deutsche Eiche ist ein Restaurant und Hotel in München in der Reichenbachstraße, das nicht nur eine gute Küche hat, sondern auch toll durchgestylte Zimmer zum Übernachten und eben eine berühmt, berüchtigte Sauna für Männer. Das Haus ist mit so viel Geschichten und Historie verbunden, dass es auch Führungen gibt, die dann auf der Dachterrasse mit Blick über das Glockenbachviertel endet. Die Führungen an sich, habe ich leider bisher noch nicht genießen können, aber ich habe schon einige wundervolle Stunden bei Geburtstagsfeiern auf der Terrasse verbracht.
Ich habe ihn übrigens kurz nach einer Fahrt auf seinem Rad von Taufkirchen nach München  vor der Deutschen Eiche getroffen. So sieht auch nicht jeder nach so einer Radltour aus, auf der er mit schlappen 45 km/h durch die Gegend gesaust ist 🙂

 

 

 

Werte

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“Lange habe ich einfach gearbeitet – bin mit dem Flow mit – und habe immer mehr und mehr gearbeitet. Zum Schluss waren es locker 70 bis 80 Stunden und im Nachhinein kann man sagen, dass das meine erste Ehe gekostet hat. Ich hatte auch schon einen Burnout, aber dann kam das Konzept  Augenhöhe. Meine Ehe konnte ich nicht mehr retten, aber mein Leben konnte ich ändern.

Immer mehr Menschen sind in der Arbeit von Angst, Stress und Druck geprägt: Umstrukturierungen, Budgetplanungen, politische Spielchen. Aber unter Angst handelt niemand gut. Auch die Firmen sind im Stress und unter Stress trifft man keine richtigen Entscheidungen. Man sollte sich dann rausnehmen und von außen betrachten, und dann wieder in Ruhe handeln. Ich selber habe das sehr hart und durch viel Erfahrungen lernen müssen.

Wenn man in eine Situation kommt, dann hat man immer mehrere Optionen zu reagieren: man kann zurück hauen, resignieren oder anpacken und etwas verändern. Ich suche in meinem Unternehmen die Menschen, die etwas verändern wollen und mit ihnen arbeite ich daran, neue Wege voranzutreiben. Dabei geht es um das Miteinander, um die Werte, die wir prägen wollen.

Es geht darum, den Paradigmawechsel zuzulassen. Wenn mich jemand inzwischen anbrüllt oder angreift, haue ich nicht mehr einfach zurück, sondern sehe mir erst mal an, was da gerade passiert. Warum macht er das? Was sind seine Beweggründe? Und dann gehe ich darauf ein. Ich denke, dass ist im Unternehmen, im Privaten aber auch in der Politik gerade total wichtig.

Und so geht es mir auch mit Siemens. Ich arbeite seit 14 Jahren bei Siemens, und wenn man meine Geschichte hört, könnte man sich fragen, warum ich das noch immer tue. Ich passe eigentlich nirgendwo richtig rein. Das ist in meinem Leben eigentlich schon immer so. ⁠⁠⁠Ich gelte als aufmüpfig, weil ich Themen anspreche. Daher liegt mir auch das Thema Diversity & Inclusion, also Vielfalt und Einbeziehung so am Herzen. Und warum “Frauenthemen” und “Schwulenthemen” so zerklüftet voneinander betrachtet werden, habe ich auch nie verstanden. Ich ecke also an, weil ich einfach Dinge anspreche. Aber ich finde es sollte nicht um die einzelnen Themen gehen, sondern um die Werte, die ALLE einbeziehen. Oder wie wollen wir sonst jemals lernen miteinander umzugehen?

In diesem Zusammenhang betreue ich mit meinem Bald-Mann zum Beispiel auch ehrenamtlich einen schwulen Senioren. Warum? Weil ich mir wünsche, an meinem Lebensende nicht jemand anderen dafür “kaufen” zu müssen, mir zu helfen. Sondern ich wünsche mir, das wir aufeinander acht geben. Und wenn ich mir das für mich wünsche, dann kann ich das auch jetzt schon jemand anderem geben.

Früher habe ich die Politik gehasst im Unternehmen. Inzwischen weiss ich zumindest mal, wie ich das ein oder andere Thema nach vorne bringe. Auch wenn damit verbunden ist, keine Karriere zu machen. Denn gute Politik für beruht aus meiner Sicht auf Transparenz und dem Schaffen von Mehrheiten. Die eigene Position sollte dabei nicht unbedingt immer im Vordergrund stehen. Manchmal ist es jedoch notwendig, mit gutem Beispiel voranzugehen. Ich bin zum Beispiel bei Siemens für das Thema Intranet zuständig bzw. für unser internes Social Media. Hier setze ich einfach ganz klare Akzente, indem ich zum Beispiel in offenen Briefen klar Lücken zwischen dem was die Leute sagen oder verkaufen und dem was sie wirklich tun aufzeige. Das gefällt vielen Leuten nicht und ich trete schon einigen Leuten auf die Füße. Aber damit kann ich leben. Ich komm aus der IT, bin schwul – ich hab noch nie in ein System gepasst und vielleicht ist das genau das, was mich antreibt: ich pass ja so oder so nicht rein dann kann ich auch so weiter machen.

Mir ist wichtig, dass die Unternehmen ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen. Sie müssen vorleben, wie wir ein Miteinander schaffen, bei dem wir uns gegenseitig respektieren und ohne andere zu dominieren.. Das könnte einen positiven Effekt haben, der auf unsere Gesellschaft ausstrahlt und wirklich was verändern. Deshalb kämpfe ich in meinem Unternehmen so sehr dafür, einen echten Paradigmenwechsel zuzulassen. Ein Beispiel: Siemens sponsort seit 2 Jahren in Berlin auf dem Christopher Street Day einen Wagen. In unserem Intranet hat sich ein Mitarbeiter sehr verärgert darüber geäußert, warum das Unternehmen in Zeiten des Sparens für so etwas Geld ausgibt. Darauf ging ein entsetzlicher Shitstorm über diesen Herrn los. Vor allem die Gay-Community hat mit harten Worten dagegen geschlagen. Ich habe mich als erstes Mal hingesetzt und überlegt, warum er das geschrieben hat. Im nächsten Schritt habe ich mich erst mal für seinen Einwand bedankt. Ich fand es wirklich toll, dass er den Mut hatte, sich so zu äußern. Und dann hab ich aufgezeigt, dass ich wirklich wichtig finde, dass ein so großes Unternehmen wie Siemens sich für diese Themen wie Diversity einsetzen muss – um in der Gesellschaft aufzuzeigen, für welche Werte die Firma steht und ein Vorbild ist. Ich finde das Beispiel so gut, weil es auch aufzeigt, wie Leute, die sich zum Thema Diversity einsetzen, in einigen Punkten oft selber gar nicht tolerant sind und auf die anderen einhacken. Aber darum geht es doch nicht! Es geht darum, andere Meinungen zuzulassen, sie anzusehen und vielleicht auch mal neben seiner Meinung einfach stehen zu lassen.

Das ist das einzige, was mir wirklich Sorgen macht: wie wir miteinander umgehen. Das verändert sich in der Gesellschaft gerade sehr und ich versuche mit meinem Beitrag in meinem – nicht kleinen – Unternehmen vorzuleben und voranzutreiben, dass wir wieder liebevoll und mit Respekt anderen begegnen.”

 

Vielen lieben Dank für dieses spannende Gespräch. Vor allem wünsche ich dir noch mal alles Liebe für die Hochzeit im Juli!!!

 

Irma La Munich

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“Mein Ziel ist es, Menschen zum Lachen zu bringen. Es macht mir so viel Spaß und ich hoffe, das spüren die Leute.” Sie war meine persönliche Favoriten bei der Wahl der Mai-Königin! Danke für das nette Interview und noch viel Spaß, liebe Irma La Munich!


“I would like to make people laugh. I have so much fun myself and I hope others can feel that.” You were my personal favorite at the elections for the Mai-Königin. Thanks for the nice interview and have fun, dear Irma La Munich!

 

Love me

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Es gibt einige tolle Highlights im Münchner Gärtnerplatzviertel und gestern war mal wieder eines: Die Wahl der Mai-Königin. Die beiden waren allerdings weniger an der Wahl interessiert 🙂


There are some highlights in the Gärtnerplatzviertel in Munich. And one was yesterday: The elections of the Mai-Königin (May-Queen). Those two here were actually less interested in the voting 🙂