Behindert die behinderten Menschen nicht

„Ich arbeite hier in den Ebersberger Werkstätten für Menschen mit seelischer Behinderung. Die Menschen hier haben ganz viele verschiedene psychische Erkrankungen – z.B. Depressionen, Schizophrenie, bipolare Störungen – und sind in handwerklichen Berufen oder am Computer beschäftigt. Damit gehen sie nicht nur einer geregelten Arbeit nach, sondern sie bekommen Lohn, sind sozialversicherungspflichtig und bekommen später eine Rente. Das ist wichtig.

Wir Gruppenleiter kommen alle aus dem Handwerk – Schreiner, Metaller, Kaminkehrer, oder wie ich Konditorin. Darüber hinaus haben wir berufsbegleitend über ein Jahr eine sonderpädagogische Zusatzausbildung gemacht. Dort lernt man einerseits das pädagogische Handwerk, aber man lernt zum Beispiel auch die Krankheitsbilder kennen. Man lernt, warum jemand mit einem bestimmten Krankheitsbild so oder so reagieren kann: manchmal ist es eben krankheitsbedingt, manchmal sind es aber auch die Tabletten, die z.B. dämpfen und müde machen. Warum muss sich jemand jetzt mittags einfach mal hinlegen? Er ist nicht faul oder hat kein Bock, er ist einfach nur durch die Tabletten müde. Das zu lernen war sehr spannend.

In den Werkstätten bekommt jeder seine eigene Aufgabe. Zum Beispiel gibt es Menschen, die nicht gerne auf einem Platz sitzen, Bewegung brauchen und auch mal schauen müssen, wie es woanders aussieht. Dann gehen sie eben rum, leeren die Mülleimer und bekommen zu ihrer Wanderung auch noch eine sinnvolle Aufgabe.”

„Viele Menschen mit Behinderung werden von ihrer Umwelt behindert. Sie empfinden ihre eigene Behinderung nicht als Behinderung für sich selber. Zum Beispiel werden Rollstuhlfahrer von einer zu hohen Kante im Bordstein behindert oder durch eine Stufe vor dem Laden. Die sind nicht behindert, sondern sie werden durch solche Sachen behindert: in ihrer Mobilität, in ihrer Teilhabe, in ihrer Inklusion. Und genauso ist es auch bei Menschen mit seelischer Behinderung. Und hier helfen wir.

Wenn einer unserer Beschäftigten mal eine psychisch instabile Phase hat, dann ist es wichtig, wenn er oder sie angedockt ist. Wir kennen die Leute sehr gut, arbeiten täglich mit ihnen und können viel eher reagieren: wir tauschen uns dann mit dem psychologischen Dienst hier im Haus oder dem Psychiater hier am Ort aus und können dann gemeinsam gegensteuern – oder auch mal durch den Psychiater eine Klinikeinweisung erhalten, wenn es mal akut fremdgefährdend oder akut selbstgefährdend wird.
Wie das aussehen kann, wenn die Menschen nicht richtig eingebunden sind, kann man an dem Fall sehen, der vor einiger Zeit in den Nachrichten kam: ein Mann hat eine Frau und ein Kind aufs Gleis geschubst. Dann hieß es gleich: er ist psychisch krank. Da stellt es bei mir alle Haare auf. Ja, er war psychisch krank, aber er war auch nicht in einem ordentlichen Setting. Unsere Leute hier in der Einrichtung sind alle an einen Arzt angedockt, und ein multiprofessionelles Team schaut darauf, wie es der Person geht und ob sie Unterstützung braucht. Menschen, die in einem solchen Setting eingebunden sind, denen passiert sowas eher nicht.

Aber wir haben teilweise Anfragen, deren Antrag beim zuständigen Kostenträger bis zu einem Jahr braucht, bis wir sie hier ordentlich anbinden können. Und in diesem Jahr kann viel passieren. Menschen mit Depressionen, Schizophrenie oder Antriebsschwächen, die dann so lange auf einen Platz warten und nur zu Hause hocken, sind die nach einem Jahr im Notfall reif für die Klinik. Und das kostet uns Steuerzahler wesentlich mehr Geld, weil eine Klinik immer viel mehr Geld kostet, als das, was wir hier machen.“

“Wir sind für unsere Klient*innen in allen Lebenslagen da und manchmal ist es dabei wirklich nicht so einfach, die Distanz zu wahren: Vor einiger Zeit hatten wir eine Frau hier, die mit starken Angststörungen zu uns gekommen ist. Es hat dann fast 1,5 Jahre gebraucht, bis sie mit ihrer Angst besser umgehen und hier ankommen konnte. Eine Zeit, in der sie sich teilweise wie ein Säugling voll Panik an mich geklammert hat. Das geht einem sehr nah und hat mich ganz schön gefordert.

Daraus habe ich aber vor allem gelernt, dass ich akzeptieren muss: es ist trotzdem noch ein eigener Mensch und es ist hier „nur“ Arbeit. Ich sage hier ganz bewusst „nur“, denn ich würde es auch nicht wollen, dass meine Chefin meinen Mann anrufen würde, und sagen würde: „Heute war sie aber ganz schön zickig in der Arbeit. Sei vorsichtig, wenn sie heimkommt.“ Man braucht also wirklich eine Abgrenzung und muss unterscheiden, was die relevanten Punkte sind, die man wirklich abstimmen muss mit dem Wohnheim oder den Partnern. Und in der Arbeit verhalten wir uns ja auch oft anders als zu Hause. Das ist bei unseren Beschäftigten genauso.

Und nicht alles, was ich denke, was für den Menschen gut sein könnte, ist vielleicht das, was der Mensch sich für sich selber wünscht. Und das muss ich manchmal auch akzeptieren. Da darf ich eben auch nicht „überbehüten“, sondern er muss es auch für sich selber lösen oder sich selber jemanden suchen, der ihm bei der Lösung helfen kann. Ich darf es aber eben nicht für ihn lösen. Einige fordern das auch ganz klar für sich ein, dass sie das selber machen wollen. Natürlich helfen wir uns einander, aber es muss ein gutes Mischungsverhältnis sein. Aber das ist manchmal wirklich nicht einfach.“

“Was würdest du gerne einem größeren Publikum sagen, wenn du die Möglichkeit dazu hättest?”

„Behindert die Menschen mit Behinderung nicht! Die Menschen werden von so vielen Dingen behindert: Warum nehme ich als Vermieter keinen Menschen mit Behinderung? Warum gebe ich als Arbeitgeber dem Menschen mit Behinderung nicht den Job? Damit behindern sie – und damit ist der andere behindert.

Die Menschen haben oft Angst vor den Menschen mit Behinderung. Berührungsängste oder Angst, dass es vielleicht ansteckend sein könnte. Das kann jedem von uns jeden Tag passieren. Dazu muss mich nur beim Überqueren der Straße ein Auto erfassen und ich lande einmal kurz auf der Windschutzscheibe. Da braucht man doch nicht so tun, als würde mich das gar nichts angehen.

Man sieht schon in der Gesellschaft, dass die ersten Schritte gemacht werden – z.B. werden die Kinder im Kindergarten nicht mehr so strikt getrennt und in den Schulen arbeiten sie auch immer mehr daran, mehr Personal dafür zu bekommen. Aber damit hört es ja nicht auf: der nächste Schritt ist, dass das Kind vielleicht in der Regel-Schule war und danach aber immer noch keinen Ausbildungsplatz oder Job findet. Weil er vielleicht das eine oder andere nicht machen kann. Die Anforderungen am Arbeitsplatz werden immer höher und da fallen ja auch schon einige nicht behinderte Menschen, die vielleicht in unseren Augen nicht ganz so leistungsfähig aber auf ihre ganz eigene Art und Weise sehr bereichernd sind, aus dem System raus. Ich denke aber, das braucht jetzt noch zwei bis drei Generationen, bis es wirklich besser wird.“

Drag

“Mir geht es nicht darum, eine Frau nachzustellen oder möglichst wie eine Frau rüber zu kommen. Ich spiele nicht nur eine Rolle. Sondern es ist ein Teil von mir, der gesehen werden möchte. Durch Drag gebe ich diesen Teil Ausdruck und Raum, sich zu entfalten.

Durch die Netflix Serie RuPaul’s Drag Race (wie Germany’s Next Topmodel für Drag) bin ich darauf aufmerksam geworden, dass es Dragqueens auch in schön, kreativ und wirklich ästhetisch gibt. Früher waren für mich Dragqueens so was wie ältere Männer, die sich nicht rasieren, einen billligen Fummel tragen und sich nicht schminken können. Das war gar nichts für mich. Durch die Serie ist mir der Gedanke gekommen, dass ich das zum CSD machen möchte.

In der Nachbarschaft habe ich zu dem Zeitpunkt, wo ich die Entscheidung getroffen habe, einer MakeUp Artistin die Website gebaut und sie hat mir dafür beigebracht, mich zu schminken. Und so kam eins zum anderen.

Wenn ich mich verkleide und schminke bringt es mir mehr Glamour und mehr sexyness in mein Leben. Das Schöne ist, dass der “weibliche” oder besser der “bunte” Part auf mich abfärbt und inzwischen sagt, dass ich mich mehr trauen darf. Zum Beispiel trage ich deshalb auch diesen knallig gelben Pullover. Davor hatte ich meistens eher schwarz oder gedeckte Farben an.

Vor meinem ersten Mal rausgehen hatte ich einige Bedenken, vor allem mit der U-Bahn zu fahren. Was würden wohl die Anderen denken? Ein Freund hatte mir dann den Tipp gegeben: “Denk dir einfach nichts dabei, sondern tu so, als wäre es das normalste der Welt.” Und so hab ich es auch gemacht: ich habe so getan, als wäre es ganz normal und wahrscheinlich war es das auch – für die meisten. Nur in meinem Kopf war es das erst mal nicht. Was erstmals einmalig seine sollte verfolge ich jetzt weiter, weil mir das arbeiten mit MakeUp und das auseinandersetzen mit Outfits sehr viel Freude bereitet und ein super Ausgleich zu meinen Alltag mir gibt”

15 best summer

“15 best summer enstand vor einigen Jahren. Im Frühling. Auf den Berggipfeln lag noch Schnee und die Sonne gab an diesem Frühlingstag Ihr Bestes.
Ich saß mit meinem Bruder zusammen und es war einer dieser Tage wo der Wein aus Brunnen fließt. Wir philosophierten über das Leben und irgendwann meinte er auf einmal:

„Du wirst jetzt bald 50 und dann hast du noch 15 Sommer, um all die Dinge zu tun, die dir so wichtig erscheinen, dass sie getan werden müssen. Du wirst mental und körperlich fit genug sein, so dass es keine Ausreden geben kann, es nicht zu tun.
Danach hast du vielleicht noch weitere 5 Jahre, aber in denen werden dich schon die ersten Zipperlein von den großen Dingen abhalten, die noch getan werden müssen. Bedenke, keiner dieser Sommer lässt sich aufschieben, wie die Jahre zuvor. Kein Sommer kommt zurück. Aus und vorbei. Also überleg dir gut, was du in diesen 15 Sommern noch machen willst.“ 

Diese Vorstellung hat mich nicht mehr losgelassen und es brauchte nur noch den Funken die 15 besten Sommer in mir zu entfachen. Ein Jahr später, bei einem Urlaub in Dubai, war es dann soweit. Zum ersten Mal sah ich Fallschirmspringer am Himmel auftauchen und ich sagte zu mir: „Das ist mein erster Sommer.“ Wenn ich in über 4000 m aus dem Flugzeug springen kann, dann kann ich alles erreichen. Nichts mehr kann mich aufhalten meine 15 Sommer zu leben. Nur ein paar Wochen später bin ich das erste Mal alleine aus dem Flugzeug gesprungen.  
„15 Best Summer was Born“

Und seitdem habe ich eine „15 best summer“ Liste. Diese Liste lebt und entwickelt sich stetig weiter. Erst standen nur sportliche Sachen auf der Liste, wie den Kilimandscharo besteigen, eine Segeltour von den Kanaren in die Karibik oder mit dem Heißluft Ballon über Afrika fliegen. Aber mit der Zeit hat sich die Idee weiterentwickelt und ich stelle fest, dass es noch wichtigere Dinge gibt. Wenn es am Anfang vielleicht eher um die Frage ging, was ich noch alles im Leben erreichen oder erleben möchte, so geht es inzwischen auch darum, was ich mal hinterlassen möchte. Welcher Fußabdruck soll mal von mir bleiben?

Meine „15 best summer“ Liste ist keine Bucketliste mit Dingen, die ich machen möchte, bevor ich mal sterbe. Ich habe weiß Gott schon genug erlebt, habe viel von der Welt gesehen und habe in meinen Leben auch wenig anbrennen lassen. Diese Liste ist inzwischen eher eine Liste mit Themengebieten, um die ich mich in den nächsten Jahren kümmern möchte. Ich möchte, dass mich diese 15 Sommer auch persönlich weiterbringen.

Ich möchte irgendwann mal auf der Veranda sitzen können und was zu erzählen haben. Und zwar weil ich Dinge gesehen und gemacht, und dadurch auch vieles besser verstanden habe. Gerade bin ich zum Beispiel einem Programm beigetreten und unterstütze nun eine Schülerin in Äthiopien dabei, auf die Schule und dann auf die Uni gehen zu können. Aber bei dem Programm geht es nicht nur um die finanzielle Hilfe. Ich werde mein Patenkind in den kommenden Jahren besuchen und will dann auch besser verstehen, wie das Land funktioniert und wie es meinem Patenkind ergangen ist in den 4 Jahren. Mit dem Ziel, dieses Programm nach Europa zu bringen und viele Menschen dazu bewegen, ein Patenkind zu übernehmen.

Am liebsten würde ich diese Idee der „15 best summer“ auch an andere weiter tragen und noch mehr Leute anregen, sich diese Fragen zu stellen. 50 ist meines Erachtens das beste Alter dafür: die meisten sind in dem Alter finanziell unabhängig, haben schon was beruflich erreicht. Ein guter Punkt im Leben also, um sich damit auseinanderzusetzen, was man in den nächsten 15 Jahren noch erreichen möchte.

Egal, wem ich von dieser Idee erzähle: alle sind davon angetan. Entweder sind sie kurz vor 50 und ich kann sie anstecken, sich selber auch darum Gedanken zu machen. Oder es sind Leute, die schon über 50 sind – in deren Augen sieht man sofort, wie sie denken: „Ohje, ich habe schon so und so viel Jahre verplempert und mich nicht darum gekümmert.“ Aber es ist ja nie zu spät, sich darum Gedanken zu machen: was ist Deine Liste für die „15 best summer“?“

Welt

“Ich bin seit einem halben Jahr Flugbegleiterin. Damit habe ich das unfassbare Glück, die Welt erkunden zu können – und ich liebe es! Es ist wunderbar, viele Menschen und Kulturen kennenzulernen und ich höre mir ungeheuer gerne die Geschichten der Menschen an. Das Schöne daran ist, dass jede Erfahrung und jede Geschichte mir die Chance gibt, mich weiterzuentwickeln und ich lerne viel darüber, wie man mit sich selber umgehen sollte.

Aber ich musste auch lernen, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Wenn man zum Beispiel in New York ist – einer wundervollen Stadt! – aber du kannst es mit niemanden teilen, weil du alleine dort bist, dann glänzt die Stadt einfach nicht richtig.

Der Job ist wirklich ganz schön stressig – alleine durch die Arbeitszeiten, aber auch durch die ständige Konzentration, für den Kunden immer das Beste zu geben. Deshalb ich auch parallel mit Yoga angefangen. Das hilft mir ganz wunderbar, in kurzer Zeit auch wieder von dem Stres runter zu kommen.”

Positiv

“Ich bin Afrikanerin und lebe seit 20 Jahren glücklich in Deutschland. Mir ist wichtig, über das Positive zu sprechen. Es gibt so viel Schreckliches auf der Welt, aber mir ist noch nie was Schlimmes passiert und ich will mich auf die schönen und guten Dinge im Leben konzentrieren. In mir steckt so viel Power und mit dieser Kraft gebe ich mein Bestes, diese Welt zu einen besseren Ort zu machen.

Um ehrlich zu sein, war schon immer so. Hier ist ein Bild aus meiner Schulzeit. Alle kucken ernst und ich bin die einzige, die über das ganze Gesicht strahlt auf dem Foto. So bin ich einfach und ich bin sehr dankbar dafür, dass Gott mir das gegeben hat!

“ich bin die einzige, die über das ganze Gesicht strahlt auf dem Foto”

Die Welt ist kleiner und mehr multikulti geworden. Ich finde schön, dass die Menschen lernen, miteinander zu leben. Ich bin mit einem Deutschen verheiratet und wir bringen uns täglich unsere Kulturen näher. In meinem Afro-Laden in Weilheim ist meine Kundschaft hauptsächlich deutsch und das liegt sicher auch daran, dass ich gerne das Wissen über meine Heimat weitergebe. Dadurch bin ich auch ständig in der Presse und mit dem Bürgermeister viel in Kontakt. Ich dolmetsche auch immer mal wieder für Flüchtlinge. Ich möchte einfach Deutschland und Afrika ein bisschen näher zusammenbringen.

Dieses Gespräch war mal wieder mir eine wirkliche Bereicherung und hat mir gezeigt, warum ich diesen Blog so gerne machen: weil ich so wundervolle Menschen kennenlernen darf. Das stand vor allem im starken Kontrast zu dem Gespräch vorher, in dem eine “Original-Münchnerin” nur davon sprach, dass alles Schlechter geworden ist seit ihrer Kindheit und dass sie so schrecklich Angst hat inzwischen auf der Straße.

Schritt für Schritt

“Mir ist es wichtig, erst mal bei sich selber anzufangen, Dinge zu verändern. Ich esse zum Beispiel immer weniger Fleisch, versuche so viel wie möglich Plastik zu vermeiden, wo es möglich ist und wenn der Geldbeutel es hergibt, kaufe ich Bio ein und versuche so Schritt für Schritt die Welt ein bisschen besser zu machen. Dabei geht es mir nicht darum, der große Weltverbesserer zu sein oder als solcher aufzutreten. Ich will einfach meinen Teil dazu beizutragen.

Das spannende und auch schwierige daran sind eigentlich die Reaktionen der Mitmenschen um dich herum. Die meisten setzen sich wenig bis überhaupt nicht mit den meisten Themen auseinander und machen sich dann lieber lustig über Dich, wenn Du mit diesen Themen anfängst. Ein super Beispiel sind die unterschiedlichen Reaktionen, wenn man entweder sagt “Ich lebe vegan”, “Ich bin Vegetarier” oder “Ich esse gerade weniger Fleisch, weil mir das am Herzen liegt.” Im letzteren Fall zeigen die meisten Leute eher Verständnis und Interesse, und im ersteren Fall wirst du als Spinner abgestempelt. Das finde ich wirklich schade und ich hoffe, dass sich diese starren Denkweisen und Klischees irgendwann auflösen.”

Krumme Vita

“Ich komme gerade von einer Konferenz an der TU zum Thema “Frauen in der digitalen Zukunft: Stereotype unterbrechen.“  Sehr spannend, denn ich arbeite selbst in der IT Branche und bin happy dort. Das war allerdings zu Beginn meines Weges nicht absehbar. Denn ich habe eine recht krumme – nicht akademische – berufliche Vita und bin nicht auf dem klassischen Weg zu diesem Job gekommen. Tatsächlich habe ich Damen-Schneiderin und Schnittdirektrice gelernt! Im Nachhinein weiß ich, dass ich nicht den richtigen Beruf gewählt hatte – frei nach dem Motto: „Dann mache ich erstmal was mit Mode“. Computer fand ich damals eigentlich schon viel spannender, aber während meiner Schulzeit fanden sich im Wahlfach Informatik eher die etwas merkwürdigen Mitschüler zusammen.  Als damaliges Punk-Girl hätte ich dort wohl nie wirklichen Anschluss gefunden. Während meiner Ausbildung habe ich mir dann zum Glück meinen ersten Personal Computer (einen Atari ST) gekauft und habe selber ein kleines Programm zur Erstellung eines einfachen Schnittmusters entwickelt, weil mir das manuelle Zeichnen von Schnitten langweilig wurde. Eine CAD/CAM Software Firma aus der Textilbranche hat mich dann von Hamburg nach München gelockt und seitdem habe ich mich Schritt für Schritt in der IT-Branche weiterentwickelt: den Internetboom bei einem der ersten Online-Anbieter mit gemacht, sehr interessante Tätigkeit im Umfeld SAP und der Dokumentenarchivierung, im Ausland gewesen, viele Leute kennengelernt und ein berufliches Netzwerk aufgebaut. Aktuell arbeite ich in der zentralen IT Abteilung bei Siemens und befasse mich, unter anderem, mit den aktuellen Digitalisierungstrends wie Chatbot, AI & Machine Learning oder Blockchain. Die IT fasziniert mich immer wieder.

Auf der heutigen Konferenz ist mir aufgefallen, dass die Idee von endlich – mehr – weiblichen Arbeits- und Führungskräften in den technischen Berufsfeldern zu häufig mit einem akademischen Werdegang verknüpft wird. Ich denke, Frauen sollten sich allgemein noch mehr für Technik, IT und vor allem die neuen Digitalisierungstrends begeistern. Damit wird sich dann hoffentlich auch der Anteil an quereinsteigenden Frauen mit einer krummen Vita in der IT erhöhen. Mich würde es extrem freuen!”

Am 7.12.2018 fand eine Konferenz zum Thema “Frauen in der digitalen Zukunft: Stereotype unterbrechen.” Diese Konferenz hatte zum Zwecke, Frauen mehr in die MINT-Berufe zu bringen. Und falls ihr es auch erst googeln müsstet: MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Ich bin völlig zufällig an dem Tag in der TU gewesen, weil ich mir eigentlich die wundervolle Ausstellung 200 Frauen ansehen wollte.

WG

Bauwagen_WG

“Ich wohne hier in einer WG aus Bauwagen. Es ist eigentlich genau wie eine ganz normale WG, nur dass wir eben in Bauwagen wohnen. Wir sammeln Regenwasser und können so einen großen Teil unseres Wasserbedarfs decken. Den Rest holen wir uns aus einem Standrohr, das wir von der Stadt gemietet haben. Das Rohr können wir an einer vorgesehnenen Stelle bei Bedarf in den Boden schrauben, um unsere Trinkwasserkanister zu befüllen. Wir sind gerade erst hierher gezogen und sind froh, dass wir diese Wiese mieten durften. Sie gehört der Stadt München und untersteht dem Referat für Bildung und Sport. 2020 wird hier eine Schule gebaut

Von den Leuten, die hier vorbeikommen, hören wir sehr unterschiedliche Dinge. Viele Interessieren sich einfach nur dafür, aber es gibt auch ganz schön harte Stimmen. Vor kurzem kam ein Mann vorbei und meinte, dass er es natürlich nicht tun würde, aber wenn es nach ihm ginge, dann würde man so was wie das hier einfach abfackeln. Die Leute müssen halt immer granteln.

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Ich mache das jetzt schon seit 3 Winter und bin sehr happy. Das einzig Harte ist, morgens im Winter aufzuwachen. Da ist der Wagen schon ganz schön kalt. Aber der Mietmarkt ist ja auch so krass, dass man das gerne in Kauf nimmt.”

Ein toller Bericht in der Süddeutschen Zeitung hat auch noch mehr über das Leben und die Philosophie dahinter geschrieben: Ein Biotop für Anderswohner. Er stammt noch aus der Zeit, als die Siedlung noch ein paar Straßen weiter stand.

Brexit-Deutsche

Brexit

“Ich komme eigentlich aus England, aber jetzt bin jetzt Deutsche. Ich wohne seit 30 Jahren hier in Deutschland und das hier ist meine Heimat geworden. Natürlich hab ich immer wieder drüber nachgedacht, die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen. Der Brexit hat mir jetzt den letzten Anstoß gegeben, denn ich wollte nicht darauf warten, wie das dann aussieht und ob ich dann hier bleiben darf. Ich kenne echt viele, die sich jetzt auch ihren irischen Pass abholen. Das ist wirklich traurig für England, und ich liebe es dort meine Urlaube zu verbringen. Aber ich will in Bayern leben!”

Krumpenhof

Krumpenhof_instagram

“Ich hab mein Leben lang 13-14 Stunden lang gearbeitet und irgendwann hab ich beschlossen, dass es jetzt genug ist. Ich hab meinem Sohn gesagt, dass ich nichts vererben werde, und jetzt lebe ich einfach und bin endlich richtig glücklich. Und dazu gehört, dass ich jetzt einen wunderschönen Bauernhof in Söll habe, durch den ich die Menschen an diesem Glück teilhaben lasse.

Sogar die Einheimischen sagen, dass der Bauernhof der schönste Hof weit und breit ist und ich nutze dieses Paradies, um die Menschen wieder zurück zur Natur zu bringen. Zu mir kommen Leute aus der Stadt, und hier können sie wirklich entschleunigen. Wir gehen Schwammerl suchen, wir gehen Kräuter sammeln, bei mir kann man wandern und wir braten einen Schweinsbraten wie früher im Holzofen. Die Leute kommen gestresst und ausgelaugt zu mir auf den Hof und innerhalb kürzester Zeit – teilweise nur Stunden – sind sie wieder unten. Ich möchte ihnen wieder die Basics zeigen, ihnen einen Platz geben zum Entschleunigen und sie an diesem Glück teilhaben lassen. Gerade hatten wir eine Gruppe von Angehörige Schwersterkankter oben, die in der häuslichen Betreuungs- und Pflegehilfe arbeiten und wirklich teilweise völlig fertig sind. Und alleine der kurze Ausflug auf den Berg konnte ihnen wirklich wieder helfen.

Als ich den Hof zum ersten Mal gesehen habe, hätte ich ihn am liebsten sofort gemietet. Er ist so schön! Als ich gehört habe, was er kostet, wurde mir klar, dass das nicht einfach werden würde. Aber ich hab es trotzdem gemacht. Darüber bin sehr sehr froh und glücklich“

Der 400 Jahre alte Hof, von dem er hier so schwärmt liegt auf 1000 m am Achleitberg in Söll (100 km von München entfernt). Hat jemand Lust auf einen Ausflug? Hier die Kontaktadresse: herbshuette.soell(at)gmx.de

 

Live your (skater) dreamz

Skating_Köln

“Ich bin Mini Me,my Skateboard and I. Seit dem mein Sohn auf der Welt ist, bin ich nur noch mit ihm, dem Kinderwagen und dem Skateboard unterwegs – egal wohin. Ich bin Studentin der Technischen Mathematik und so pendeln wir zusammen mit Kinderwagen, Skateboard, Zug und Bus zum Campus und in die Kita. Das alles unter einen Hut zu bringen ist nicht einfach, aber meine Mama hat immer gesagt: man muss Prioritäten setzen. Und eigentlich ist es ganz einfach: Mein Sohn ist so oder so als Prio 1 gesetzt. Ich nehme ihn schon seit Beginn an überall mit hin. Dann müssen andere Dinge eben einfach mal warten. Wir sind beide sehr aktiv und brauchen dies auch, das ständige unterwegs sein. Außerdem macht es viel Spaß, man sieht immer andere Sachen und neue Leute. Osgar war jetzt schon in ganz Deutschland unterwegs.

Ich kombiniere Skaten und Turnen. Als ich mal eine Zeit mit dem Turnen aufgehört habe, hat es mir dann doch zu sehr gefehlt. Und so habe ich dann in Berlin mit 20 Jahren den Sport wieder richtig aufgenommen. Da gehen doch direkt mal Grüße an Frau Biese und Herrn Schuster raus vom SV Preussen Berlin, und an Niki (du weißt wer du bist!). Turnen ist ne “richtige” Sportart und genau das Gegenteil vom Skaten. Turnen ist Perfektion. Gerade beim Kunstturnen werden dir ja sogar Punkte abgezogen, wenn der Finger ein bisschen krumm ist. (ironische Übertreibung) Da sitzen die Kampfrichter am Tisch und schreiben eigentlich nur die ganze Zeit auf, dass du nicht perfekt bist. Skaten hingegen ist Freiheit und Lifestyle. Da kann man machen was man will. Jeder hat nen anderen Style und da ist eben nicht alles gleich: der Drop-In oder der 50/50 sieht nicht bei allen gleich aus. Beim Turnen bspw. ist der Ablauf meist gleich, ebenso die Abfolge der Elemente.

Aber ohne meine Oma und meine Mutter, wäre all dies so niemals möglich gewesen. Die haben mir diese Freiheiten nämlich ohne Probleme zugelassen und mich immer unterstützt.

Wenn mich jemand fragt, was ich den Menschen mit auf den Weg geben möchte, dann eigentlich nur: Macht euer Ding! Nicht mehr, nicht weniger. Macht einfach, auf was ihr Bock habt, egal was andere sagen. Wenn ihr Bock habt auf etwas bestimmtes – egal auf welchem Level: dann macht es. Die Hauptsache ist, dass ihr Spaß habt und zufrieden seid in eurem Tun.”

Gesehen auf dem Hot Curbs & Cool Pools Girls Skate Jam

Mein Lebensweg

BISS

„Mein Lebensweg ist das, was man wohl Facettenreich nennt. Ich habe als Erzieherin in einem sozialen Beruf angefangen. Dabei habe ich das Spektrum, das mal als Erzieherin abdecken kann, weitgehend abgedeckt. Und trotzdem habe ich relativ schnell festgestellt, dass es das für mich nicht gewesen sein kann.

Über den zweiten Bildungsweg habe ich das Abitur nachgeholt, Germanistik studiert und wurde darin auch promoviert. Mein Studium finanzierte ich als Pförtnerin mit Sonderaufgaben in einer „Städtischen Unterkunft zur Vermeidung von Obdachlosigkeit“. So hieß das damals. Nachts habe ich dort gearbeitet und meine Hausarbeiten geschrieben, tagsüber studiert. Nach dem Studium war ich Lektorin und später Programmleiterin in diversen Verlagen. Als ich irgendwann endlich wieder selber zum Schreiben gekommen bin, wollte ich die soziale oder politische Herkunft mit meiner journalistischen Arbeit verbinden. Und so kam ich zur BISS.

Ich bin Chefredakteurin bei BISS und mache das halbtags. Die andere Hälfte arbeite ich in einem Verlag und betreue dort Ratgeberbücher.

Mein Anspruch ist es, dass die Verkäufer, die mit BISS ihren Lebensunterhalt verdienen, das nicht mit irgendeinem Heft tun müssen, sondern mit Qualitätsjournalismus. Manchmal ist es ein harter Job, die BISS zu verkaufen. Gerade im Winter stehen die Verkäufer oft stundenlang in der Kälte; die Menschen huschen vorbei und bleiben nicht stehen, um eine Zeitung zu kaufen. Deshalb sollen die Verkäufer die BISS mit Stolz und Selbstbewusstsein verkaufen können, etwas, was die 2,20 EUR auch wert ist.

Und natürlich will ich BISS mit ihrer Auflage von bis zu 60.000 auch nutzen, um etwas zu transportieren. Viele der Themen überlege ich mir oder sie entwickeln sich in der Themenkonferenz. Einmal im Monat bringen ehrenamtliche Berater ihre Gedanken und ihr ganzes Herzblut bei der Themenfindung ein. Dabei wird viel und manchmal auch kontrovers  diskutiert.

Ich glaube, dass es in München viele Menschen gibt, die sich in einer schwierigen Situation befinden, aber nicht wissen, dass es auch für ihr Problem Hilfsangebote gibt. Für solche Themen ist die BISS ideal. Wenn Sie die BISS unter diesem Gesichtspunkt anschauen, werden Sie feststellen, dass immer Adressen, Kontakt oder Anknüpfungspunkte mit abgedruckt sind. Wir greifen unterschiedlichste Themen auf, die im normalen Journalismus einfach keinen Platz haben. Und die Leserresonanz zeigt deutlich, dass es Menschen gibt, denen wir tatsächlich helfen können.

Es gibt immer wieder Geschichten, die ganz besonders hängen bleiben. Beispielsweise die Geschichte über verwaiste Eltern (in der Ausgabe „Abschied nehmen“ November 2016) , die die Journalistin Gabriela Herpell geschrieben hat. Oder das Interview mit Daniel Wildt. („Leben mit MS“, Ausgabe Februar 2018)
Erst kürzlich kam eine Leserbrief-Mail von einer Frau, die meinte, dass sie die Geschichte zu Tränen gerührt hätte. Wenn wir es schaffen, die Leser zu berühren oder sie nachdenklich zu machen ohne diesen – nennen wir es mal – Emotions-Journalismus zu betreiben, dann ist das großartig. Man muss den Menschen immer möglichst respektvoll begegnen, meine Aufgabe ist es, Journalisten auszuwählen, die zum jeweiligen Thema passen und das auch vermitteln können.

Spannend ist auch, wo die Artikel dann auftauchen: Es gab mal einen Artikel über Therapiehunde, der in einem Italienischkurs an der Volkshochschule behandelt wurde. Das finde ich eine interessante Form von Streuung, denn so bekommen wir auch Zugang zu Lesern, die wir vielleicht sonst nicht erreichen würden.

 

Ich hab zwar schon für die Rosa Liste für den Stadtrat kandidiert, gehöre aber keiner politischen Partei an.
Aber natürlich ist die BISS kein unpolitisches Projekt. Wir können auf eine ganz besondere Art Politik machen und entsprechend Themen platzieren. Im Herbst sind Landtagswahlen in Bayern und da überlegen wir uns sehr gut, welche Themen wir bis dahin ansprechen wollen.

Wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann würde ich als Reisejournalistin durch die Welt ziehen und Reportagen über soziale Themen aus aller Welt schreiben. Das könnte ich mir gut vorstellen. Ich mach es schon so gut es geht, aber das ist dadurch limitiert, dass hier jeden 15. Abgabetermin ist. (lacht) Wenn möglich, dann versuche ich in meinem Urlaub Kollegen anderer Straßenzeitungen in fernen Ländern zu besuchen. Dabei finde ich das ausgesprochen spannend zu schauen, wie die Straßenzeitungen in Osaka, in Kapstadt oder in Montreal funktionieren. Dabei fasziniert es mich zu sehen, wie groß und facettenreich die Welt ist. So kann ich mich immer wieder irritieren und verwundern zu lassen.

Wenn man sich München anschaut, dann ist München eine reiche Stadt. Wenn man die vielen Leser sieht, die die BISS schon viele Jahre kaufen, lesen und vielleicht sogar für die Zeitung spenden, dann ist München aber auch eine sehr großzügige Stadt. Das zeigt sich auch immer wieder bei Diskussionen mit Straßenzeitungs-Kollegen aus anderen Ländern: die Kollegen aus Japan erzählten beispielsweise, dass es dort kaum eine Spenden- oder Wohltätigkeits-kultur geben würde. In München gibt es Menschen mit sehr wenig Geld, aber es gibt eben auch Menschen, die Geld haben und die bereit sind, etwas davon abzugeben.

Ich komme selbst aus München und ich mag München sehr. Es gibt ein paar Orte, mit denen ich mich ausgesprochen verbunden fühle: Zum Beispiel das Dantebad oder der Nymphenburger Schlosspark. Die Stadt ist schön, die Stadt ist manchmal anstrengend, aber die Stadt hat eine unglaubliche Infrastruktur. Alleine die Stadtbüchereien. Ich bin ein ganz großer Fan der Stadtbibliothek Neuhausen. Freiwillig würde ich nicht von hier wegziehen.
In München kann man meines Erachtens ein sehr individuelles Leben führen, und wird dabei in Ruhe gelassen. München ist im Vergleich zum Rest Bayerns eine liberale Stadt. Es gibt eine lebendige Subkultur in München und es gibt auch ausgesprochen lustige Begebenheiten. Ich mag München. Ich lebe hier ausgesprochen gern.“

Vielen lieben Dank für das spannende Gespräch! Margit Roth ist seit 2016 Chefredakteurin bei der BISS – dem Magazin für, über und mit „Bürgern in Sozialen Schwierigkeiten“. Ich bin selber treue Leserin dieses tollen Magazins, das Obdachlose bzw. eben Menschen in Sozialen Schwierigkeiten in München an vielen Stellen verkaufen. Ich kaufe die Zeitung nicht nur gerne, weil ich weiß, dass die Verkäufer so wieder auf die Füße kommen können, sondern ich lese sie tatsächlich sehr gerne wegen der interessanten Artikel. Und es war mir eine Ehre, die Frau kennenzulernen, die für den Inhalt hauptsächlich verantwortlich ist.

Finden

Finden

“Ich wusste immer, ich will Jura oder Journalismus studieren. Aber als es dann so weit war, hat es mir auf einmal überhaupt nicht gefallen. Mit der Zeit wurde der Druck immer größer, weil immer mehr Freunde  irgendwas studiert haben und ich nicht. Und jeder hatte eine Meinung dazu! Also bin ich erst mal hier als Aupair für 9 Monate und dann gehe ich zurück ins Baskenland. Bis dahin hab ich genug Zeit herauszufinden, was ich machen will. Ich interessiere mich für so viele Dinge. Hier habe ich endlich Zeit, mir selber richtig zuzuhören und dann eine Entscheidung zu treffen.”

König von Togo

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“Das hier ist der König von Togo und ich bin seine Frau. Meine Nachricht an alle Menschen wäre: liebt euch und habt Spaß im Leben!”

Die beiden habe ich auf dem Marienplatz bei einer Faschings-Veranstaltung getroffen. Natürlich hab ich nachgefragt: Die Kleider macht sie wirklich selber – jedes Jahr was Neues! Die beiden haben getanz und gelacht und ich würde mir so wünschen, dass es mehr solcher Menschen gibt!

Samstag

Samstag
“Wer ich bin? Puh, jetzt hast du mich eiskalt erwischt. Das ist gerade sehr schwer zu sagen, denn ich habe erst vor kurzem herausgefunden, dass ich zu den hochsensiblen gehöre. Wahrscheinlich kam es genau im richtigen Moment, wenn auch etwas spät. Die meisten entdecken das ja viel früher.

Früher hab ich mich öfter gefragt: “Warum passt du nicht in diese Welt?” Ich habe mir irgendwie eine eigene Welt gebaut – mit kreativem Schaffen und Kunst. Dort war ich frei. Aber es kamen natürlich immer wieder solche Gedanken auf wie “Ich will nicht empfindlich sein.” oder so Kommentare wie: “Jetzt hab dich doch nicht so.” Also hab ich mich etwas angepasst, war aber immer der Unangepasste.

Die Krux für mich ist meine Art der Wahrnehmung. Ich sehe ziemlich viel und kuck mir alles genau an. Das strengt oft an, weil es erst mal verarbeitet werden muss und das dauert. In unserer schnelllebigen Zeit ist es dann schwierig, zu sehen, dass das auch wertvoll ist, obwohl die meisten ja immer etwas viel schnelleres erwarten. 

Obwohl diese Wahrnehmung oft hinderlich ist, hat sie auch etwas Gutes. Aus ihr heraus entsteht freie Kreativität, gesammelte Eindrücke, die ich abbilde. Manche Leute erkennen darin etwas.

Das Problem ist, dass viele, die mehr oder intensiver wahrnehmen, immer wieder Neues anfangen und es nicht abschließen. Sie interessieren sich ständig für was Neues. So ist es mir oft mit der Kreativität gegangen. Da liegt unglaublich viel Potential brach. Jetzt will ich versuchen, durch ein besseres Selbstmanagement, diese unterschiedlichen Bereiche zusammen zu bringen. Bisher konnte ich mich immer nur auf eine Sache konzentrieren. Irgendwann laugt dich die intensive Auseinandersetzung mit nur einer Sache aus und du ziehst dich zurück in die Introvertiertheit.

Ich erkenne das alles erst jetzt, nachdem ich darüber gelesen habe. Seit dem kommen viele Erinnerungen hoch. Vieles, an das ich ewig nicht gedacht habe. Und jetzt sehe ich: “Das war damals so, weil ….” Ich könnte natürlich sagen, komm, ist doch egal, und mich einfach auf das Leben jetzt konzentrieren. Aber das ist nicht so einfach, denn ich vermute, dass da einiges unverarbeitet im Unterbewusstsein schlummert. Ich hab auf jeden Fall angefangen, über ein paar Sachen nachzudenken, z.B. auch über Liebesbeziehungen. Jetzt macht es plötzlich Sinn, warum manches so krass gelaufen ist. Einerseits hilft es, damit umzugehen, andererseits ist es ganz schön konfrontierend und aufrüttelnd.

Es reizt mich, zu gucken, was entsteht, wenn ich unterschiedliche Bereiche jetzt zusammen bringe. Gleichzeitig muss ich aber aufpassen, meine Sinne dabei nicht zu überreizen. Die Überreizung würde wieder dazu führen, dass ich mich zurückziehe und für andere nicht erreichbar bin – oder besser, nicht offen bin.

Dagegen fällt mit das Arbeiten mit Materialien leicht. Ich liebe Stahl, Holz, Beton. Wenn ich sie in der Hand habe, dann macht das was mit mir. So geht es mir auch mit alten Fahrrädern. Wenn ich einen handgefertigten Stahlrahmen in Händen halte, dann spüre ich, dass da mal jemand viel Liebe reingesteckt hat. Der Stahl erzählt mir seine Geschichte. Oder ich hab ein paar Holzbalken in der Werkstatt rumstehen, angeschwemmt von der Isar oder aus einem Abrisshaus geborgen. Die brauchten hundert Jahre, um zu wachsen. Die ganze Vielfalt von Eindrücken, die Vorstellung daran , was dieses Material erfahren hat, alles, was es verändert hat – das reizt mich und damit arbeite ich. Das genauer zu beschreiben würde allerdings viel zu lange dauern.

Meine Tochter hat vor kurzem mal einen schönen Kommentar auf Facebook geschrieben: “Ich finde toll, wie mein Papa mit Materialien umgeht und man weiss nie, was als nächstes kommt.” Ich hab fast Tränen in den Augen gehabt. Sie hat es gut getroffen und ich fand sehr spannend, dass sie das für sich so formuliert hat. Es war ihr wohl auch wichtig.”

Christopher Lewis hab ich im Impact Hub Munich getroffen. Er baut exklusive Fahrrad-Unikate aus Schrotträdern und gestaltet Objekte für den Wohnbereich aus historischen Baustoffen unter dem Label Samstag. Er schreibt so passend: „Verrückte Projekte verändern Leben!“

Dankbar

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“Ich bin ziemlich stolz darauf, was wir im letzten Jahr geschafft haben. Ich selber habe nicht gegründet, weil ich unbedingt etwas gründen wollte, sondern weil die Idee von RECUP einfach so gut war und alles so gut gelaufen ist. Es ist halt einfach so passiert und ich möchte das unbedingt weitertreiben: es noch größer und noch erfolgreicher machen. Mit einem simplen, aber super sinnvollen Produkt haben wir tolle, hoch motivierte Leute zusammengebracht. Es macht so viel Spaß und ich bin wirklich stolz darauf.

Ich vesuche dabei, immer dankbar zu bleiben. Dazu nehme ich mich immer mal wieder aus den Situationen raus und betrachte sie von außen. Ich versuche mir bewusst zu werden, was da gerade passiert. Erst vor kurzem war das auf einem Team-Event so: das ganze Team hat gefeiert und getanzt und ich saß irgendwann mal kurz ein wenig abseits. Es war ein großartiger Moment, einfach allen zu zu sehen, wie sie Spaß haben. In dem Moment war ich einfach dankbar. Dankbar, dass ich so viele tolle Momente erleben darf.

Ich glaube daran, dass das irgendwie von oben gesteuert wird. Was immer das auch ist, ob es Kräfte oder Energien sind. Aber irgendetwas gibt es.

Mir hat mal jemand gesagt, dass es vielleicht mein Vater ist, der da seine Finger im Spiel hat oder seine Energien fließen lässt. Ich hab sehr viel von ihm: nicht nur seine Körpergröße, sondern auch viele Wesenszüge. Er hat seinen Job gemacht, um für die Familie zu sorgen, aber war immer sozial engangiert. So lang ich denken kann, war er im Elternbeirat und solche Sachen. Meinen Vater war immer mein Vorbild – eigentlich sogar mein einziges.”

Eigener Weg

Eigener Weg

“Ich bin eigentlich sehr glücklich, zufrieden und sehr dankbar, dass es mir so gut geht. Aber ich finde es gerade sehr schwierig meinen eigenen Weg zu finden. Ich hab gerade Abi gemacht und meine Eltern machen schon  Druck. Sie selber wussten sehr schnell, was sie werden wollten und können nicht so gut nachvollziehen, dass ich es noch nicht weiss. Ich hab schon ein Praktikum als Bühnenbildnerin gemacht, das mir sehr gut gefallen hat, aber ich das machen soll als Ausbildung, oder studieren möchte, oder erst mal ins Ausland … ich weiss es einfach noch nicht. Ich muss meinen Weg einfach noch finden.

Ein Vorbild für mich ist Lilli Palmer. Sie war Schauspielerin, Autorin und Künstlerin und ich bewundere sie für ihre Lebenseinstellung. Sie war einfach ein sehr interessanter Mensch. Sie hat zum Beispiel einen Film mit Romy Schneider gemacht, in dem sie eine Lehrerin spielt, die sich in ihre Schülerin verliebt. Der Film kam 1958 raus und war natürlich ein riesen Skandal: Homosexualität und dann auch noch zwischen Lehrer und Schülerin. Sie wusste genau, dass das ihre Karriere kosten könnte und trotzdem hat sie ihn gemacht. Das bewundere ich sehr und ist für mich ein großes Vorbild.”

Erst die anderen

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“Wenn ich eine Millionen gewinnen würde, würde ich mir meinen Traum von Australien erfüllen. Aber nicht sofort. Erst mal würde ich sehen, dass es meiner Familie und allen anderen um mich herum gut geht und erst so nach 2-3 Monaten würde ich nach Sydney reisen. Es ist mein Traum, einmal an der Oper am Hafen so zu feiern, wie man es an Silvester immer sieht.

Warum ich erst mich mal um die anderen kümmern würde bevor ich losfahre? Mir ist es sehr wichtig, dass es den anderen gut geht. Andere sagen mir manchmal, dass ich mich dabei vielleicht manchaml auch selber vergesse. Aber ich meine es ja nur gut und es ist mir wirklich sehr wichtig.”

Liebe

Liebe

“Ich hab meine große Liebe gefunden. Er hat es erst mal nicht so gesehen, aber bei mir waren es von an Anfang große Gefühle und ich hab ihn mit der Zeit mit meiner Liebe überzeugt.

Wenn man irgendwann erwachsen wird, stellt man fest, dass die Liebe nicht nur romantisch ist, sondern viel Arbeit. Man muss an sich und miteinander arbeiten. Wir sind sehr verschieden, aber wir arbeiten an uns. Wir sind nicht verheiratet, sondern leben in einer echten Partnerschaft. Ich bin froh, dsas ich hier lebe. Da geht das. Keiner fragt, wann man endlich heiratet oder wann man Kinder bekommt. Hier akzeptieren sie mich, so wie ich bin. In Haidhausen hatte ich meine erste Wohnung und bin erwachsen geworden.”