Traumberuf (3/3)

„ Unser Job ist oft nicht einfach Wir kriegen schon einige Geschichten mit, die einem auch mal ganz schön ans Herz gehen. Oft wirklich traurige Geschichten. Vieles kannte man vorher vielleicht schon aus den Erzählungen von Kollegen oder aus dem Fernsehen. Aber wenn man dann das erste Mal jemanden am Schreibtisch sitzen hat, der eigentlich nur Hilfe braucht beim Ausfüllen eines Antrags und dann mal nebenher anfängt zu erzählen, wie er ganz alleine mit 13 Jahren aus Afghanistan nach Deutschland gekommen ist, dann geht einem das doch immer wieder nahe.
Oder Inobhutnahmen, weil die Kinder – aus welchen Gründen auch immer – nicht mehr zu Hause bleiben können. Letztes Jahr hatten wir dazu auch einen ganz, ganz schlimmen Fall mit häuslicher Gewalt, der auch vor Gericht gekommen ist und in der Presse war. Das hat uns alle wirklich ganz schön mitgenommen, weil es so dramatisch war. Vor allem hat es uns aber die Ernsthaftigkeit der Lage mal wieder vor Augen geführt.

Es ist oft unglaublich was die Kinder aushalten müssen.

Was ich vor allem gelernt habe ist, wie schlimm es ist, wenn Kinder entwurzelt werden – zum Beispiel weil sie alleine auf die Flucht als 12jähriger in den 3 Monaten Flucht quasi erwachsen werden müssen und hier aber dann wieder Kind sein sollen. Die Verantwortung und die ganze Hoffnung einer ganzen Familie liegt dann auf dem Kind.
Oder Kinder, die eigentlich gar nicht hierher wollten, weil in ihren Augen alles gar nicht so schlimm ist, wo sie her kamen. Sie vermissen ihre Freunde und finden es doof, dass sie jetzt in einer Stadt leben sollen. Vorher haben sie vollkommen frei auf dem Dorfplatz oder in den Straßen immer mit den Freunden gespielt. Und hier sind keine Kinder auf der Straße und sie müssen in die Schule. Aber ihre Eltern haben entschieden, dass sie hier ein besseres Leben haben. Die Eltern glauben sicher, dass sie den Kindern was Gutes tun: sie bauen hier alles für die Kinder auf und sollen es hier gut haben. Aber den Kindern ist es vielleicht egal, weil es so schön zu Hause gewesen ist, frei und unabhängig zu sein. Wohnverhältnisse waren bei manchen besser als hier in München. Die tun sich oft sehr schwer mit dem Ankommen, weil sie hier einfach auch nicht ankommen wollen: sie wollen die Sprache nicht lernen, stellen sich quer und wollen sich vielleicht auch einfach nicht anpassen. Da gibt es natürlich auch auf einmal Konflikte zwischen Eltern und Kindern und es ist eben auch meine Arbeit, ein Verständnis bei den Eltern zu schaffen und das Heimweh erträglich zu machen.

Die Kinder haben oft schon einen so großen Rucksack an mit ihren Geschichten und da braucht man sich eigentlich auch nicht wundern, dass das es schwierig wird. Bei dem einen ist der Rucksack auch mal zu groß und voll und du siehst schon genau, wo die Karriere hingeht.

Manchmal werde ich auch wirklich wütend, wenn man mit Eltern in unzähligen Gesprächen Dinge bespricht und vereinbart und sie dann doch einfach wieder nicht umgesetzt werden. Oft verstehe ich die Eltern nicht, die zu streng oder ungerecht bestrafen. Manchmal ist das fast schon Psychoterror. Der gesunde Mittelweg fehlt wie so oft. Da ist es kein Wunder, dass uns dann in der Schule die Kinder ausflippen.

Oft denke ich mir, am liebsten würde ich manche Kids mal für zwei Wochen mitnehmen und ihnen ganz normale Nestwärme geben: jeden Tag eine Pausenbox voller Brotzeit für die Schule, zuhören, gemeinsam was unternehmen und sie aus ihrem Stadtteil mal rausholen. Mir ist völlig klar, dass das auch nicht gut wäre, es auch die Probleme nicht lösen oder vielleicht sogar schlimmer machen würde. Aber so fühl ich mich manchmal.

Trotz alle dem ist aber eben dieses Versöhnliche. Da klopft es auf einmal an Deiner Büro-Tür und dann stehen Schüler da und fragen einfach nur: „Dürfen wir bei Ihnen bleiben? Wir wollten nur ein bisschen ratschen.“ Oder sie wollen einfach nur ein Stück Schokolade haben. Wenn man einfach weiss, man ist eine Anlaufstelle für sie ist und sie ein Stück begleiten darf – das ist einfach großartig. Einmal kam eine Schülerin sogar zu mir und meinte: „Sie wissen schon, dass sie sowas wie mein Tagebuch sind!?“

Ein totales Highlight ist jedes Jahr die Abschlussfeier. Da kommen sie dir auf dem Pausenhof komplett aufgebrezelt entgegen und wollen sich unbedingt von dir noch verabschieden. Mit einem Schüler steh ich auf der Feier immer im Arm und wir müssen beide weinen. Irgendwie wissen wir dann beide: „Ja, ich bin nicht Deine beste Freundin, aber ich hab Dir doch was gegeben und hab Dich so gut an die Hand genommen, dass ich dich ein Stück begleiten konnte.“ Oder sie kommen und erkennen, dass sie sich in der 5. oder 6. Klasse ganz schön aufgeführt haben und entschuldigen sich dafür. Solche Momente hast du natürlich nicht mit allen, aber das ist dann einfach so mega cool. Das versöhnt dann immer wieder alles nervige, alles bürokratische, jeden Gedanken, wie unfair diese Welt manchmal ist und wie vieles so viel einfacher sein könnte. Und das ist einfach schön: einen Jugendlichen zu „knacken“ und für ihn da zu sein. Deshalb ist es mein Traumjob.“

Traumberuf (2/3)

„Ich weiss, dass ich für diesen Job gemacht bin und habe total meins gefunden. Aber es macht natürlich auch viel diese ganz besondere Schule aus: sie trägt einen mit, lässt uns machen und nimmt uns ernst. Sie meldet uns jeden Tag zurück, wie toll das ist, was wir machen: egal ob es Lehrer sind oder die Schulleitung. Das ist wirklich toll und einzigartig.

Oft höre ich, dass an anderen Stellen die Rektoren gegen arbeiten oder das Kollegium dich nicht für voll nimmt, weil du ja „nur“ Sozialpädagoge bist. Bei uns ist es genau das Gegenteil.

In der Simmernstraße ist es wie eine Familie und die Warmherzigkeit ist wirklich was besonderes. Natürlich versteht man sich nicht mit allen immer gleich gut, aber man schaut aufeinander und die Schulleitung schaut darauf, dass wir untereinander gut auskommen: sowohl in der Arbeit als auch privat. Die Rektorin schaut vor allem auch darauf, dass trotz aller Wechsel eine gewisse Beständigkeit besteht. Auch externe werden wie ein Teil des Teams behandelt. Es sind alle immer herzlich willkommen.

Ich fühle mich der Schule sehr verbunden und darüber bin ich mir sehr bewusst. Ich empfinde es – nach meinem eigenen Kind natürlich – als das größte Geschenk. Sicher auch, weil ich weiss, wie sehr sich andere über den Job beschweren. Natürlich bin ich auch mal gestresst, um Familie und den Job unter einen Hut zu bekommen, aber ich gehe jeden Tag gerne zur Arbeit. Ich freue mich schon in den Sommerferien auf den ersten Montag mit der ersten Konferenz. Es ist auch für mich immer wieder wie der erste Schultag.

Ich kann mich noch gut erinnern, als ich an meinem ersten Tag ins Sekretariat gekommen bin: die Direktorin stand wirklich buchstäblich mit offenen Armen da und meinte: „Endlich sind sie da, und endlich sind wir komplett.“ Wo hat man denn sowas noch?“

Traumberuf (1/3)

„Ich bin Sozialpädagogin und arbeite in der Jugendsozialarbeit an der Mittelschule Simmernstraße in München in Trägerschaft des KINDERSCHUTZ MÜNCHEN und es ist mein absoluter Traumberuf. Ich habe soziale Arbeit studiert und war vorher in einem Kinderheim und in einem Kindergarten tätig. Mit Jugendlichen wollte ich eigentlich nie was zu tun haben. Ich fand Jugendliche grauenvoll: die pubertieren und das fand ich furchtbar. Im Nachhinein kann ich sagen, dass es super cool ist mit Jugendlichen zu arbeiten, auch wenn es schwieriger ist als mit kleinen Kindern. Die Kleinen klettern viel schneller mal auf deinen Schoss, bitten dich etwas vorzulesen und haben dich dann ganz schnell lieb, einfach nur weil du die Erzieherin bist. Die Kids ab der 5. Klasse haben ganz andere Sorgen und Nöte und checken dich natürlich viel stärker aus. Aber wenn man dann mal das Vertrauen von einem Jugendlichen gewonnen hat, dann ist das einfach großartig. Es ist einfach toll, sie zu begleiten.

Unsere Arbeit hat mehrere Schwerpunkte. Offiziell sind wir eine „Filiale des Jugendsamts“. Das verwende ich allerdings nicht gerne, weil das sehr negativ behaftet ist. Wir sind „einfach“ für die Kinder und Jugendlichen da und sind Anlaufstelle für alles, was sie brauchen. Wir hören uns den ersten Liebeskummer genauso an, wie wir uns um banale Sachen kümmern wie, z.B. einen Sportverein zu finden, obwohl dafür kein Geld da ist. Wir organisieren Nachhilfe oder unterstützen Kinder, die uns die Lehrer schicken. Aber vor allem sind wir da, wenn es zu Hause nicht rund läuft auf Grund von Vernachlässigung, Überforderung, psychische Krankheit von Eltern etc. oder Schülerinnen in irgendeiner Art Krise stecken. Wir arbeiten dann in Einzelstunden mit den Schülerinnen und in enger Kooperation mit den Eltern, Lehrer*innen und anderen Helfern.

Wir haben ziemlich viele Verhaltensauffällige oder besser gesagt massiv verhaltensauffällige Kinder, die auch mal den ganzen Unterricht sprengen – gerade in der 5. oder 6. Klasse. Entweder holen wir sie dann aus dem Unterricht komplett raus oder bleiben einfach dabei. Schöner wäre es, wenn wir noch viel, viel mehr dabei sein könnten. Optimal wäre es, wenn in jeder Klasse jemand von uns sitzen könnte. Aber dafür sind wir zu wenig: wir betreuten zu zweit 15 Klassen, insgesamt knapp 290 Schüler mit einem Migrationsanteil von fast 90%. Auch wenn wir schon sehr kleine Klassen haben, ist es oft nicht zu bewältigen: der eine kommt nicht mit, weil er Legasthenie hat und Testungen ausstehen und der andere haut um sich, weil er seine Wut nicht unter Kontrolle bekommt. Jeder braucht unsere Hilfe und wenn ich mal wieder in einer Klasse dabei war, hab ich wieder ein paar Einzelfälle mehr, die ich betreue.

Ein weiterer Teil unserer Arbeit sind Projekte: Klassengemeinschaft, Konfliktlösungen, Mobbing, Umgang mit Medien und ein wertschätzender Umgang miteinader. Aber auch erlebnispädagogische Projekte, wie zum Beispiel Flossbauen mit den 5. Klassen, um das Miteinander zu stärken. Diese Projekte sind richtig toll, weil man da die Kinder auch mal ganz anders kennenlernt und einen ganz anderen Draht zu ihnen bekommt. Oder wir begleiten Lehrer bei ihren Ausflügen, weil vielleicht ein paar „Kracher“ mit dabei sind, und das alleine nicht machbar ist.

Und natürlich ist auch viel Elternarbeit dabei. Wir beraten die Eltern in Fragen, bei denen sie selber nicht weiterkommen oder eben einfach Unterstützung brauchen. Zunächst mal schauen wir, was wir selber mit den Eltern lösen können in Gesprächen und mit praktischen Tipps oder der Anbindung an eine Erziehungsberatungsstelle oder andere Hilfen der Jugendhilfe. Das wird dann besonders spannend und schön, wenn wir eine Kindeswohlgefährdungsmeldung ans Jugendamt abwenden können. Das bedeutet, dass ich in einigen Fällen erst mal keine Meldung mache muss, sondern Eltern überzeuge sich Hilfe im Sozialbürgerhaus/Jugendamt zu suchen bevor Situationen eskalieren und dann eine Meldung gemacht werden muss oder eben mit uns kooperieren. Denn das Kindeswohl steht über allem. Wir können leider nicht alle unsere Klienten zu allen Amtsterminen begleiten, weil uns dafür die Kapazität fehlt, aber wo es geht machen wir es, da wir oft die Stelle sind wo Probleme das erste Mal ausgesprochen werden. Wir sind ein sehr niedrigschwelliges Angebot und dann häufig Vertrauenspersonen. Ämter sind immer eine Hürde; Die Mitarbeiter*innen dort haben sehr viel zu tun und arbeiten unter anderen Bedingungen. Ich verstehe deren Situation auch echt gut, denn ich hab auch mal in einem Amt hospitiert und weiss, wie stark unterbesetzt sie dort zum Teil sind. Aber oft fehlt mir einfach das Feingefühl und die Geduld. Ich will niemandem an den Karren fahren, weil ich mir denken kann, wie anstrengend das ist, aber wenn ich weiss, dass jemand recht schnell ausflippt, dann muss ich halt vielleicht anders kommunizieren. Und dafür sind wir dann eben manchmal da und können vermitteln.“

Meine Kita

“Kinder sind großartig: sie sind offen für alles und sie sind erst mal positiv auf alles eingestimmt. Sie trauen sich so viel und haben keine Angst vor Rückschlägen. Sie versuchen Dinge einfach mal. Ich mache gerade eine Ausbildung zur Erzieherin und mein Traum ist es, irgendwann mal meine eigene Kita zu haben. Ich will die Kinder unterstütze und fördern, wo sie es brauchen und wollen. Ich will ihnen alle Wege offen halten und das alles nicht nur auf einem Papier für die Konzeption. Ich würde in meiner Kita das dann auch wirklich leben wollen und den Kindern eine schöne Kindheit bereiten.”

Signal – Fridays for Future

“Die Idee hierher zu kommen, war eigentlich die Idee der Kinder und natürlich habe ich sie dabei unterstützt. Eine Lehrerin hat den Kindern das Video von Greta Thunberg gezeigt und dann wollten sie unbedingt hierher.

Ich finde es schon bemerkenswert, dass aus der Klasse mit 22 Kindern heute nur vier heute hier sind. Wir haben es sogar angeregt und darüber informiert, aber die anderen haben sich davor geduckt. Die ersten 3 Stunden sind die Kinder in den Unterricht gegangen und danach mit uns hierher zur Demo. Dafür haben wir sie nicht krankgeschrieben, denn ich denke, dass ist das falsche Signal. Auf die Reaktion der Rektorin warten wir noch, aber ich denke, was immer sie tut: sie setzt ein Zeichen.”

Mitdemonstrieren

“Wir sind heute hier und nicht in der Schule, weil wir es total wichtig finden, dass die Umwelt geschützt wird und dass der Klimawandel nicht immer mehr steigt. Die Politiker tun einfach nicht genug für die Umwelt und wir brauchen das Ergebnis.

Für den Umweltschutz machen wir schon einiges:
Weniger Milch trinken und weniger Fleisch essen. Öfter das Fahrrad nehmen, mehr laufen und mehr öffentlich fahren. Nicht so oft in den Urlaub fliegen. Und wir wünschen uns, dass nicht mehr so viele Leute den Müll auf den Boden schmeißen.

Unser Lehrerin hat uns das Video von Greta gezeigt und sie findet es gut, dass wir hierher gehen. Aber wir wissen noch nicht, wie die Rektorin reagiert. Es kann sogar sein, dass wir einen Verweis bekommen. Aber das nehmen wir in Kauf, damit wir hier mit demonstrieren können. Unsere Eltern haben auch gesagt, dass wir hierher dürfen und würden den Verweis deshalb auch für uns einfach akzeptieren.”

Familie

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„Als ich vor 6 Jahren nach Deutschland gekommen bin, konnte ich kein Wort Deutsch. Dadurch bin erst mal in eine Übergangsklasse gekommen. Da landen alle, die kein Deutsch können und dort wird dir dann erst mal die Sprache beigebracht. Schon nach Weihnachten, also nur ein paar Monate später, konnte ich die ersten kleinen Unterhaltungen führen. Da bin ich wirklich unendlich dankbar dafür. Die Lehrerin war sehr streng, aber das muss eben auch manchmal sein. Sie hat uns auf jeden Fall super Deutsch beigebracht. 
Es gab dann noch ein zweites Jahr, in dem man noch intensiver die Sprache gelernt hat, aber in dem auch noch mehrere Fächer dazu kamen: wie Mathe, Biologie und so weiter. Bei Mathe haben wir teilweise nur die Grundsätze wie Plus und Minus gelernt. Für mich war das alles selbstverständlich, weil ich aus der EU komme und vorher in der Schule war. Aber einige andere, die z.B. aus dem Irak kamen, waren noch nie vorher in der Schule und für die waren diese grundsätzlichen Sachen wirklich nötig. Für die Lehrer war das eine große Herausforderung, da die Niveaus in der Klasse sehr stark variiert haben. Man wird ja nicht getestet, was man sonst noch für Vorkenntnisse hat, sondern nur wie gut du Deutsch kannst. Sobald du kein Deutsch kannst, wirst du in die Übergangsklassen rein geschmissen. 
 
Je nachdem, wie ambitioniert du dann bist, kannst du danach weitermachen. Ich wusste von Anfang an, dass ich studieren möchte. Und jetzt nach 6 Jahren in Deutschland konnte ich vor kurzem endlich anfangen. Das war ein langer Weg, aber ich habe es geschafft. Das finde ich echt super an Deutschland: es gibt so viele Möglichkeiten, dahin zu kommen, wo du hinwillst. Am besten hat man dafür Unterstützung von zu Hause oder eben von Partnern, wie „Dein München“. Es gibt hier eigentlich wirklich viel Unterstützung und man kann sich immer an jemanden wenden. 
 
Ich selber hatte großes Glück: meine Mutter hat mich immer bei allem unterstützt. Wir sind hier gemeinsam her gekommen und wir sind fast wie Geschwister. Wir sind immer zu zweit: zwei Frauen, die sich alleine durch das Ganze kämpfen. Es gab sicher viele Herausforderungen wie Sprache, Arbeit, Papierkram, aber wir haben immer zusammengehalten. In dem Sinne hatten wir auch Glück: wir hatten nie den Status von Flüchtlingen. Wir kommen aus Bulgarien und so konnte wir sofort arbeiten und lernen.
 
Meiner Mutter verdanke ich wirklich viel. Natürlich hatten wir auch mal Zeiten, wo ich unabhängiger werde wollte und das war für uns beide nicht einfach. Aber meine Mutter hat mich nie zurückgehalten. Sie hat nie gesagt, dass sie das jetzt nicht ohne mich machen kann. Sie ist eine super Mutter. Sie unterstützt mich auch, wenn es für sie nicht das beste ist. Sie sagt  immer: „Ja, mach das!“ – auch wenn sie sich danach selber nicht so gut fühlt.
 
Ich denke schon, dass ich ehrgeizig bin. Sicher nicht übermäßig, aber ich möchte doch irgendwann mal eine Führungsposition erreichen. Bis dahin ist sicher noch ein langer Weg. Aber vor 6 Jahren konnte ich noch kein Wort Deutsch und jetzt studiere ich. Ich freue mich sehr, dass ich das geschafft habe. Aber alleine hätte ich das nicht schaffen können. Meine Mutter war immer für mich da. Sie hat mich immer bei allem unterstützt, was ich tun wollte. Und das ist so mega wichtig. Mir tun die Leute wirklich leid, die das nicht haben. Denn die wissen gar nicht, was es bedeutet, so was zu haben und können das auch nicht schätzen. Ich denke man braucht das ganz dringend, damit man sich weiterentwickeln kann.
 
Zu “No Limits” bin ich gekommen, weil noch ein paar Plätze frei waren und unsere Lehrerin uns das angeboten hat. Ich hatte mitbekommen, dass einige aus den Übergangsklassen mitgemacht haben, die noch kein Deutsch konnten und dass darunter auch einige aus Bulgarien kamen. So konnte ich nicht nur teilnehmen, sondern auch ein bisschen mit der Sprache helfen.  
 
“No Limits” ist einfach eine großartige Familie. Wenn man da mal teilgenommen hat, dann kann man immer in dieser „Dein München“-Familie bleiben – wenn man will. Wir helfen uns noch immer gegenseitig – und irgendwas ist ja immer. Wir haben auch eine WhatsApp Gruppe von allen ehemaligen Teilnehmern und Trainern. Darüber erfahren wir immer die aktuellsten Infos und wo man mithelfen kann. Man wird natürlich nicht gezwungen zu unterstützen, aber ich mache das wirklich gerne. Ich will da immer nah dran bleiben. 
 
Im letzten Jahr war ich auch Assistentin von einer der Gruppenleitungen bei No Limits. Darüber habe ich viele Kinder kennengelernt. Ich war da oft schockiert, wie wenig Unterstützung einige bekommen. Ein Mädchen fällt mir da ein: immer wenn es darum ging, die Mutter mal was zu fragen oder der Mutter etwas zu erzählen, dann ging das gar nicht. Man hat richtig gemerkt, die wollen gar nichts über ihre Tochter wissen oder die haben gar keine richtige Beziehung zu den Kindern. Das hat mich wirklich immer sehr traurig gemacht. Eigentlich ist es sehr schade, dass man erst zu schätzen lernt, was man alles hat, wenn man es verloren hat oder bei anderen sieht, dass es nicht selbstverständlich ist. 
 
Bei mir war es auch so: Als meine Mutter vor kurzem das erste Mal einen Monat weg war, habe ich noch mal mehr schätzen gelernt, was sie alles für mich macht. Ich helfe natürlich immer mit und einige Bereiche wie Bürokratie und Papierkram übernehme ich auch schon komplett, weil mir das sehr liegt. Aber Waschen, Putzen, einkaufen auf einmal alles alleine zu machen – da habe ich auf einmal alles wie ein Erwachsener ganz alleine gemacht. Das war hart. Wir waren so glücklich uns wieder zu haben und waren doch andere Leute danach. Wir haben danach sicher noch mehr geschätzt, was wir aneinander haben und haben gelernt, was uns fehlt, wenn der andere weg ist. 
 
Ich freue mich, dass ich bei “No Limits” noch weiterhelfen kann. Es gibt mir wirklich viel, wenn ich sehe, wie die Kinder sich verändern. Eines der Mädels war zum Beispiel am Anfang wirklich nur dabei, weil ihre Freundinnen mitgemacht haben. Wenn man sie am Anfang angesehen hat, dann hatte man den Eindruck, sie hatte überhaupt keinen Bock – nicht mal aufs Leben. Sie war immer so typisch Teenager mäßig drauf und hatte auf alles Null Bock. Bei ihr konnte man im Laufe des Projektes aber richtig sehen, wie sie sich verändert: jetzt ist sie auf einmal sehr nett und höflich. Und das ist so schön, zu sehen, wie sie sich verändern, sich weiterentwickeln. Und dann noch zu wissen, dass man dabei helfen konnte, ist ein tolles Gefühl. Das ist sozusagen die „Bezahlung“ und das freut mich einfach sehr. 
 
Ich komme zwar aus Bulgarien, aber hier in Deutschland fühle ich mich zu Hause. Manche Leute können das nicht verstehen, aber ich glaube ja fast, dass ich früher mal Deutsche war. Ich mag hier einfach alles. Es gibt Regeln – wenn es auch manchmal lein paar zu viel sind. Aber auf darauf kann man sich verlassen. Bulgarien ist wundervoll und die Natur ist wirklich teilweise atemberaubend schön. Aber man kann sich auf nichts verlassen: z.B. wann der Bus kommt, weiss man nie, weil er sich nie an den Busplan hält. Und die Leute verdienen viel zu wenig dort, aber alles kostet genau so viel wie hier. Eine Angestellte in einem Bücherladen verdient 300 EUR im Monat. Davon kann man nicht leben. Es gibt viele Reiche, die sehr gut leben können. Aber es gibt keine Mittelschicht und den Armen geht es sehr schlecht. Daher kommen ja so viele Leute hierher, weil man hier für die gleiche Arbeit viel mehr verdienen kann. Deshalb wollte meine Mutter ja auch, dass wir hierher kommen: sie wollte, dass ich mal mehr Chancen habe.
 
Ich fühle mich wirklich glücklich hier.“
 
Vielen Dank für das Interview und dass Du Dir Zeit genommen hast. R. war eine der ersten Teilnehmerinnen im Programm „No Limits“ von Dein München. Dem Verein, der Kindern durch Bildung, Sport und Kultur zeigt, welche Chancen sie wirklich im Leben haben – unabhängig davon, woher sie kommen, wie sie leben und wie ihr bisheriger Werdegang war. 

Seit der Grundschule

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Woher kennt ihr euch?
“Wir kennen uns schon seit der Grundschule. Inzwischen arbeiten wir in der gleichen Firma und wohnen auch zufällig auch noch sehr nah beieinander.

Was ist bedeutet euch Freundschaft?
“Alles!”

Was ist euch gerade sehr wichtig?
“Unsere Kinder. Dass sie ihre Schule gut machen und ihren Abschluss machen. Das ist so wichtig, denn nur so kann was aus ihnen werden. Nur so können sie Erfolg haben.”

 

Los

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“Ich studiere Grundschullehramt und habe gestern meine letzte Prüfung geschrieben! Ich hab jetzt richtig Lust, dass es endlich los geht. Nach einer kleinen Pause fange ich gleich das Referendariat an. Ich hab schon ein paar Mal vor der Klasse gestanden und es macht mir so viel Spaß!

Mir ist bewusst, dass das alles sehr herausfordernd wird. Das fängt ja manchmal schon bei den Räumlichkeiten und der Klassenstärke an. Vor allem aber sind die Kinder alle so unterschiedlich und ich bin mir der Verantwortung sehr bewusst:  Die ersten 4 Jahre in der Schule sind einfach sehr prägend und wichtig für die Kinder. Wenn da was schief geht, zieht sich das im Notfall durch ihr ganzes Leben.

Ich finde es besonders wichtig, den Kindern ihre Individualität aufzuzeigen. Ihnen zu zeigen, dass jeder mit seinen eigenen Stärken auf die Welt kommt und ihnen Wege aufzuzeigen, wie sie ihren Minder reduzieren können, den wir alle mit uns rumtragen. Ich möchte hervorheben, was sie alles können und ihnen gleichzeitig zeigen, dass wir alle aufeinander angewiesen sind und man sich gegenseitig helfen soll.

Natürlich ist der Lernstoff und Bildung auch sehr wichtig. Er ist schließlich die Grundlage für ihre Zukunft  – gerade in unserer Gesellschaft.

Aber jetzt heisst es erstmal Erfahrungen sammeln. Ich bin sehr gespannt auf die Referendariatszeit. Ich bin nicht so der klassische Grundschul- Maus-Typ. Das wird sicher noch mal spannend. Wie gesagt: ich freu mich sehr, wenn es jetzt dann endlich los geht.”

Schnecke

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“Ich bin Lehrerin in einem Sonderpädagogischen Förderzentrum für Kinder mit Sprachstörungen, Verhaltensauffälligkeiten oder anderen Problemen. Die Schnecke wollte ich schon immer haben, denn mit ihr kann man den Kindern ganz toll, neue Wörter beibringen. Wir verwenden dann die “Schnecken-Sprache”. Dabei spreche ich den Kindern die Wörter ganz langsam wie eine Schnecke vor. Damit können sie die Laute und Worte oft besser erfassen.”


“I am a teacher at a special education school center for kids with speech disorder, behavioral problems or other issues. I always wanted to have this snail because you can teach the kids new words in a great way. We use the “snail language”. I will pronounce the words as slowly as a snail for the kids. Like this they can capture sounds and words a lot better like this. ”

 

Story Teller

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“Ich bin Geschichtenerzähler, halte Literaturvorträge und gebe Deutschunterricht für die Flüchtlinge. Allerdings habe ich vor kurzem unangenehme Post bekommen. Ich weiss noch nicht, wie ich damit umgehen soll. Aber davon möchte ich mich natürlich nicht einschüchtern lassen. Ich hab auch schon mit der Polizei gesprochen und muss mir dann wohl eine Agentur oder so suchen.”


“I am a professional story teller, give literature readings and I teach German for the refugees. But only lately I got quite unpleasant post. I am still not sure what to do with it. But I don’t want to be intimidated by this. I have already spoken to the police and I have to find an agency now, I guess.”

Parkour

Parcour.jpg“Wir machen hier Parkour. Nicht FreeRunning. Er macht es schon seit drei Jahren und ich habe vor einem Jahr angefangen. FreeRunning ist mehr so mit Saltos und so. Und bei uns geht es eher darum, wie man am schnellsten von hier nach da kommt – mit Springen und abrollen und so. Wir trainieren gern in der Roten Stadt am Olympiapark. Da sind echt viele, die das machen und jeder hilft jedem. Da ist eine gute Stimmung und da gibt es ein paar Jungs, die das richtig, richtig gut schon können.

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Wir waren gerade mit der Klasse bei so einer Veranstaltung, zum Thema Berufsfindung. Aber wir wissen eigentlich beide schon, was wir werden wollen. Wir wollen zur Landes-Polizei.”


“We are doing Parcour. Not FreeRunning. He is doing it already for three years and I started about a year ago. FreeRunning is more with Saltos and so on. We focus more to get the fastest way to go from here to there – with jumping and rolling and so. We like to train in the “Rote Stadt” (the red city) at Olympiapark. There are a lot who do this and they help each other. There is a really cool athomsphere and there are a lot of guys who are really, really good.

We have been out with our class to an event for finding your profession. But we already know what we want to be. We want to go to the Landes-Polizei (National Police).”

 

Freunde

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Der Giesinger Bahnhof war von vielen Geräuschen und Gesprächen erfüllt, aber das Gelächter dreier Freundinnen hat meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Sie haben so entspannt und vertraut geredet und gelacht, dass ich sie einfach ansprechen musste.

“Wir sind seit ungefähr 5 Jahren gute Freunde. Wir gehen hier in Giesing auf die PTA Schule. Also die Schule zur Pharmazeutisch Technischen Assistentin. Es ist ziemlich hart: viele brechen ab oder schaffen es nicht. Damit könnten wir dann in einer Apotheke arbeiten. Aber wir würden lieber danach das Abitur nachmachen und dann noch studieren – immer weiterlernen!”


The station Giesinger Bahnhof was filled with a lot of noises and talking but the laughter of three girl friends really got my attention. They chatted and giggled together in such a intimate way that I had to approach them.

“We are friends for about 5 years now. We go to the PTA school here in Giesing together. The is the school for Pharmaceutical technical assistant. This is pretty tough: a lot break up or do not pass. You could work in a pharmacy afterwards for example. But we want to go higher: we want to do the Abitur and then study – keep on learning!”

School of life

school

“Ich habe zwei Söhne und ich war nie streng, aber wenn es um die Schule ging war ich  unerbittlich. Andere konzentrieren sich darauf, dass die Kinder später Geld nach Hause bringen, aber das war mir nie wichtig. Geld ist dreckig und es kann dir jeder wieder wegnehmen. Was du im Kopf hast, kann dir aber nie wieder jemand wegnehmen.

Ein Sohn hat gleich studiert, arbeitet jetzt bei BMW und verdient viel Geld. Mein anderer Sohn wollte nach dem Abitur erst mal eine Ausbildung machen. Als er ausgezogen ist, hab ich ihm meinen Wohnungsschlüssel gegeben und ihm gesagt, dass er jederzeit wiederkommen kann und nicht wie ein Fremder klingeln muss. Nach drei Jahren ist er tatsächlich zurückgekommen und hatte keinen Ausbildungsplatz gefunden. Jetzt ist er gerade im letzten Jahr seines Studiums.”


“I have two sons I am was not very strict with them. Only if it came to school I was relentless. Some others want their kids to bring back home some money but this is not important to me. Money is dirty and they can take it away from you. But what you have in your head nobody can take away from you.

One son studied right after school, works for BMW and earns a lot of money now. The other did want to do a apprenticeship after school first. When he moved out I gave him the key to my flat and told him that he can come back at any time and he does not have to ring the bell like a stranger but can open the door himself and can go back to his room any time. After three years he came back because he hadn’t found a contract for an apprenticeship. Now he is in his last year of University.”

Family Countdown

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“Wir haben nur noch 5 Tage, dann geht es los. Ich lag ihm schon lange damit in den Ohren,  dass wir  noch mal länger verreisen sollten, bevor der Große in die Schule geht. Und vor ein paar Wochen war dann alles endlich durch: wir fahren für 6 Monate mit beiden Kindern durch die Welt! Erst mal nach Kapstadt, dann Bali und dann, wohin uns der Wind treiben mag!

Worauf ich mich am meisten freue? Jetzt erstmal einfach auf die Sonne!

Die Entscheidung an sich ist nicht so schwer, aber es dann wirklich durchzuziehen, war nicht einfach: Elternzeit beantragen, mit dem Chef sprechen und ich selber musste alles vorbereiten, dass es meinen  Kunden in der Zeit dann auch gut geht. Ich habe mich erst vor einiger Zeit selbständig gemacht mit Kinderschuhen (Tiny Totsies) und ich war begeistert, wie viele sich noch schnell mit den süßen Tretern eingedeckt haben, bevor wir gehen.

Jetzt aber erst mal Daumen drücken, dass es mit der Untervermietung unserer Wohnung noch klappt!”


“There are only 5 days left and then: here we come! I was talking about this idea for a long time already: we should leave for a long trip just before the big one will start school. And only a few weeks ago all of a sudden everything worked out: we will travel around the world for 6 months with both our kids! First stop is Capetown, then Bali and then wherever the wind will bring us!

What I am looking forward to the most? The sun – finally!

The decision itself to do it was not difficult, but to really do it was not always easy: apply for paternity leave, discussions with bosses and I had to prepare it very thoroughly to leave all my customers behind satisfied and happy. I just started my own business a while ago with moccasins for kids (Tiny Totsies) and I was overwhelmed how many called me to make sure to get another pair of these sweet shoes for the time I will be gone.

But now please cross your fingers that everything will work out with renting out our apartment!”

 

 

 

 

Teacher in the sun

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Sie stand da einfach in der Sonne mit geschlossenen Augen. Da musste ich sie einfach fragen, was sie denn da tut und ihre Antwort war wundervoll: “Ich genieße einfach die Sonne.”

“Alle in meiner Familie sind Lehrer und ich wusste schon in der Grundschule, dass ich Lehrer werden möchte. Ich bin jetzt in meinem zweiten Referendariats-Jahr und ich liebe es.”


She was standing in the middle of this crisp cold weather with her eyes closed. I had to ask her what she is doing and got the wonderful answer: “I am just enjoying the sun.”

“All my family members are teachers and it was my dream from my own first school years to become a teacher myself. I am in my second practical year and I really love it.”

Mittelschule

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“Ich arbeite mit Kindern aus der 7. Klasse aus der Mittelschule zusammen. Mein Ziel ist es, Ihnen den Spaß am Lernen zu vermitteln. Es geht darum mal zu hinterfragen, z.B. was man für ein Lerntyp ist. Dafür ist in der Schule kein Platz mehr. Ich hoffe, dass ich mit meiner Arbeit wirklich einen Unterschied für die Kinder machen kann. Das ganze System ist so ungerecht und kann soziale oder persönliche Schicksale überhaupt nicht abfangen. Und so hoffe ich, dass wenigstens ich ein bisschen was verändern kann – für sie, in ihrem Leben.”


“I am working with kids in 7th grade at the “Mittelschule”. It is my goal to teach them how to have fun learning. For example you have ask questions like “What kind of learning type am I?” There is no time to do those things in school anymore. I really hope to make a difference with my work – a difference for the kids. This whole system is so unfair and is not helping with social situations or personal problems. And I hope that I can at least change a bit  – for them, in their lifes.”

High School

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“Ich bin Kostümbildnerin an der Oper, allerdings derzeit “außer Dienst”, weil ich noch mal Elternzeit genommen habe. Wir haben zwei Kinder: der Kleine ist gerade 1,5 Jahre und die Große ist schon 10 Jahre. Wir haben den großen Abstand nicht gewollt und es gibt auch einige Reibereien, aber eigentlich klappt es ganz gut.

Die Große ist gerade ins Gymnasium gekommen. Das war und ist eine ganz schön große Umstellung. In der Grundschule wird zum Beispiel das Thema Rechtschreibung noch recht lax gehandhabt. Da ist die Umstellung ins Gymnasium wirklich groß und die Kinder müssen plötzlich noch ein Riesenstück erwachsener werden: jedes Fach ein anderer Lehrer und meistens sogar ein anderes Zimmer. Und diese Exen sind der Wahnsinn. Ich bin selber nicht hier in Bayern groß geworden, aber was für einem Druck die Kinder da ausgesetzt sind, ist echt verrückt. Immer in allen Fächern alles ständig parat haben – da schrumpft die Freizeit wirklich auf ein Minimum. Diese ständige Bedrohung ist wirklich furchtbar. Da brauchen wir uns nicht wundern, dass der Run auf die Waldorf- und Montessori-Schulen immer größer wird!”


“I am a costume designer at the opera but currently “off duty” because I have taken another parentyl leave. We have two kids: the small one is only 1,5 years and the older one is alreay 10 years We did not plan such a big gap between them and there are some small hickups sometimes but in general it is working very well.

The older one is going to the secondary school (Gymnasium) now. This was and still is a pretty big change. In primary school for example they are pretty easy going with the spelling. But now they changed that dramatically and the kids have to grow up very quickly: in each subject they have a different teacher and most of the time even in a different room. And those Exen (quick tests) are crazy! I did not grow up here in Bavaraia but this content pressure they are putting on the kids is completely nuts. To be on top of all subjects at any time – their time for leisure time is shrinking to a minimum. This constant danger is really tiring. No wonder everyone is running to Waldorf- and Montessori-Schools nowadays!”

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Ein Leben voll Geschichten

Manche Menschen erleben so viele Geschichten, dass es eigentlich für mehrere Leben reichen würde. Das Leben meines heutigen Gesprächspartners ist so eines. Seine Vita aufzuschreiben, ist wahrscheinlich ein schier unmögliches Unterfangen, aber ich möchte wenigstens einen Teil der Geschichten, die er mir an einem verregneten Abend in Little  Istanbul von München anvertraut hat, hier wiedergeben.

Some people have more stories in their lives than others. This gentleman has so many stories from his life to tell that it could fill more lifes than just his. Writing down is curiculum or his life would be a mission impossible. But let me share some of the stories here which he told me in Little Istanbul of Munich on a rainy evening. (Please find the English translation at the bottom of the page)

poschardt_1„Ich hatte eine tolle Kindheit, aber es hat mich doch sehr rasch aus meinem Elternhaus gezogen. Ich wollte so schnell wie möglich auf eigenen Füßen stehen, rasch Geld verdienen und begann deshalb mit dem Studium zum Volksschullehrer. Aber mir war sehr früh klar, dass  mir das nicht reichen würde: so begann ich parallel zu meinem Beruf als Lehrer ein Zweitstudium mit dem Ziel der Promotion. Ich war dann sehr schnell Seminarleiter, Assistent an der Universität und schließlich Schulleiter einer großen Hauptschule.

Mein nächster Schritt als Dozent an eine Fachhochschule für öffentliche Verwaltung war sehr wichtig für mein Leben und sollte zu einer der spannendsten Stationen in meinem Leben werden.

Wie ich dorthin kam, ist eigentlich recht typisch für mich: jemand hatte mich dem damaligen Chef dieser Hochschule empfohlen. In dem darauf stattfindenden Gespräch fragte er dann ziemlich direkt: „Was soll ich denn mit einem Volksschulrektor an einer Fachhochschule für öffentliche Verwaltung anfangen?“ Daraufhin habe ich dann sehr locker geantwortet: „Das weiß ich doch nicht. Sie haben mich doch eingeladen und wollten mich sprechen.“ Nach einem längeren Gespräch habe ich dann noch hinzugefügt: „Ich bin zwar stets ein absolut loyaler Beamter, aber ich  bin auch jemand, der immer seine Meinung sagt, wenn er etwas für fragwürdig oder falsch hält.“ Da stand dieser Mann auf, gab mir die Hand und meinte: „Jetzt haben sie den Job“.

Meine erste Bedingung war dann, dass ich eine Zeit in der Verwaltung arbeiten wollte. Ich wollte verstehen, wem ich da etwas beibringen sollte bzw. wo die Leute später landen würden, die in der Ausbildung vor mir saßen. Das war eine sehr ungewöhnliche Bitte, aber mir hat dieses Praktikum sehr geholfen und ich habe sehr viel gelernt. Hier habe ich zum ersten Mal wirklich verstanden, wie wichtig in jeder Ausbildung die Berufsfeldorientierung ist.
Diesen Gedanken habe ich dann in späteren Jahren sehr intensiv auch bei Diskussionen über Lehrerbildung vertreten: Lehrerbildung muss auch an der Universität berufsfeldorientiert sein d.h. die Theorien, die dort vermittelt werden, müssen für die Studierenden möglichst oft und deutlich einen Bezug zum späteren Berufsfeld erkennen lassen.
Es geht dabei also nicht darum, Studierenden mehr Praxis zu verordnen, sondern die Theorien, die gelehrt werden, sollten stets Kompetenzen im Auge haben, die eine spätere Lehrkraft in ihrem beruflichen Alltag benötigt.
Konkret bedeutet dies auch, dass das Studium ein höheres Maß an Interdisziplinarität und Fallstudien benötigt als dies bisher der Fall ist.
So sollten zum Beispiel angehende Mittelschullehrer in ihrem Studium z.B. die folgende Situation theoretisch und gedanklich durchspielen: ein Kind wird im Unterricht auffällig und es besteht der Verdacht des Missbrauchs. Was tun Sie? Welche Lösungsansätze haben Sie? Laufen Sie zur Polizei und riskieren dann ,dass Sie später nie mehr mit der Familie reden können? Laufen Sie zum Jugendamt und riskieren, dass das Kind in eine Heimerziehung kommt?
Warten Sie ab und gefährden das Kind möglicherweise weiter?
Solche Fallstudie liefern keine einfachen Antworten, aber sie zwingen dazu, theoretisch sehr genau zu durchdenken, wie ich im konkreten Fall handeln würde oder handeln müsste.

Ich weiß, ich bin ein Dickschädel. Ich hatte schon immer meinen eigenen Kopf. Manche Kollegen und auch Chefs haben mir gesagt: „Wenn Sie das so machen, dann bekommen Sie garantiert echte Schwierigkeiten.“ Aber das war mir eigentlich nie allzu wichtig. Ich habe als junger Lehrer einmal einem Vorgesetzten erwidert: „Dann sollen sie mich halt rausschmeißen. Aber es ist trotzdem richtig, was ich hier geplant habe und auch umsetzen möchte.“ Und ich habe es auch durchgezogen.
Wenn ich von einer Sache überzeugt bin, kann ich dafür richtig kämpfen. Meinen Studierenden und auch meinen eigenen Kindern habe ich das stets zu vermitteln versucht: Einsatz, Interesse, Engagement , Fleiß und vor allem die Entschlossenheit, den eigenen Weg zu gehen – das ist wichtig.
Wir sollten nicht nur funktionieren, sondern sollten stets kritisch und selbstbestimmt handeln.

Einen meiner Chefs werde ich nie vergessen: für den wäre ich durchs Feuer gegangen. Er hat stets genauso viel geschuftet wie ich und hat sich nie in ein Klischee einpassen lassen. Wir waren ein wirklich tolles Team und ich werde die Tage und Nächte nicht vergessen, in denen wir hart zusammen gearbeitet haben und danach bei ein paar Gläsern Rotwein versackt sind und weiter diskutierten.

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Meine Vita lesen sicher einige so, als wäre alles immer steil bergauf gegangen. Aber natürlich gab es auch  Rückschläge und sie sind nicht immer so glatt gegangen. Aber das gehört eben auch dazu.

Ein Projekt werde ich im Zusammenhang „Rückschläge“ nie vergessen. Ich hatte mich da so reingehängt und wirklich sehr viel aufgebaut. Mein ganzes Herz lag darin und  ich war auch erfolgreich, weil ich stets bemüht war, ehrlich, integer und aufrecht mit allen zusammenzuarbeiten.
Und dann hat eine Gruppe von Personen aus ganz unterschiedlichen Motiven versucht, mich aus dieser Position weg zu drücken. Das ist Ihnen leider auch gelungen. Es sind so ziemlich die einzigen Menschen, denen ich bis heute nicht verzeihen kann. Ich wäre an dieser Situation fast zerbrochen, wenn nicht gute Freunde und meine Frau mir heraus geholfen hätten. Wenn man mir meine Arbeit nimmt, dann drehe ich einfach durch. Das war eigentlich mein Leben lang so!

Ich habe ja sehr viel in verschiedenen Ländern der Erde gearbeitet und da gab es natürlich eine Menge von spannenden und teilweise kuriosen Geschichten.
In einem Fall musste ich mich z.B. als Projektleiter um die Beschaffung eines Transformators bemühen, damit unsere Air-Conditioner  im Büro laufen konnten. Der zuständige Mann in der Energiebehörde wollte dies aber nicht genehmigen (vermutlich, weil er auf „Acceleration money“ hoffte.)
Mein persönlicher Referent zog mich dann auf eine Bank gegenüber dem Schreibtisch des Beamten und wir saßen dann dort schweigend fast 4 Stunden und blickten unentwegt den Mann an, während er andere Besucher bediente.
Irgendwann kam er zu uns an die Bank und meinte nur: „o.k., dann bekommen Sie den Trafo morgen.“
Das nennt man wohl die „asiatische Methode des Verhandelns“.

In einem anderen Fall hatte ich im Rahmen der Anmietung eines Gebäudes eine Summe von 18.000 Dollar  für Anschlussgebühren zu  bezahlen. Der Immobilienhändler kam zu mir ins Büro, bat um ein vertrauliches Gespräch und schlug mir dann vor, dass ich eine Quittung über 18.000 Dollar für das Projekt erhielte, dass aber de facto 6000 für mich und 6000 für Beschäftigte der Behörde abgingen. Ich möge mir doch überlegen, ob ich dieses Angebot annehme.
Oft habe ich diesen Fall meinen Studenten gegeben und ihre Entscheidung abgefragt. Die Antworten waren dabei oft überraschend für mich.
Ich habe damals in der konkreten Situation genau 10 Minuten gebraucht, um zu entscheiden. Ich habe die gesamten 18.000  Dollar auf das Konto der Behörde überwiesen. Das hat sicher einigen nicht geschmeckt, aber in diesem wie in anderen Fällen war mir stets wichtig: du kannst zwar auch mal irgendwo rausfliegen und scheitern, aber du solltest stets mit reiner Weste und ohne Dreck am Stecken gehen können.

Als ich dieses Projekt verließ, haben die einheimischen Mitarbeiter gegenüber Vorgesetzten im Ministerium geäußert, es sei das erste Mal gewesen, dass sie über längere Zeit überhaupt nicht betrogen hätten.
Für mich war dies das höchste Lob!!

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Im Balkan, in dem ich kurz nach Ende des Krieges mit einem europäischen Projekt eingestiegen bin, hat mich mal ein Kollege gefragt, weshalb ich denn so etwas machen würde. Ich habe ihm dann gesagt, dass es mir bei all meiner Arbeit, sei es in Deutschland oder auch in anderen Ländern, fast immer darum ging, Menschen die – meist unverschuldet – in Not und  Schwierigkeiten stecken, zu helfen und z.B.im Balkan meinen Beitrag zur  Reintegration von Unikollegen in die globale Scientific Community zu liefern. Deswegen habe ich auch an der Universität in Kabul gearbeitet, deshalb unterrichte ich jetzt auch im Ruhestand wieder Flüchtlinge.

Irgendwie bin ich in meinem Leben immer fast zufällig in ein neues Projekt „geschlittert.“
So kam zum Beispiel eines Tages eine Studentin, die bei mir Ihre Abschlussarbeit über die Organisation des Deutsch – Unterrichts in Namibia schrieb von einem Aufenthalt vor Ort zurück und teilte mir mit, dass dort eine Schule dringend jemand für den Deutschunterricht benötige.
Da habe ich eine sehr engagierte und tolle Studentin gefragt, ob sie nicht für sechs Monate an diese Schule gehen würde. Sie war sofort Feuer und Flamme und sehr engagiert,, die Kinder an dieser Schule haben noch jahrelang von ihr gesprochen. Sehr rasch kam dann eine weitere Schule dazu und man stellte fest, dass eigentlich eine Vielzahl von Schulen eine solche Unterstützung brauchen könnten. Aber man war  sich auch klar, dass die Rekrutierung schwierig sein konnte. Später erfuhr ich, dass jemand in dem namibischen Gremium gemeint hatte: „Mensch, frag doch einfach mal den x, also mich. Der spinnt ohnehin und wenn es einer hinbekommt, dann sicher er.“

Mit dieser Dame verbindet mich bis heute eine jahrzehntelange tiefe Freundschaft.
Aktuell werden über dieses Projekt jährlich bis zu 60 Lehramtsstudierende für sechs Monate an Schulen in Namibia vermittelt. „Der Verrückte“ hat es tatsächlich geschafft!
Ein Projekt, das ich 18 Jahre betreut habe und erst jetzt aus Altersgründen in jüngere Hände übergebe.

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Das Projekt das ich unmittelbar nach Kriegsende  in den Balkanstaaten betreuen durfte, war sehr spannend . Ich habe im Rahmen eines europäischen Projekts alle Krieg führenden Nationen eingeladen und wir haben über drei Jahre hinweg Seminare mit Lehrern aus Hochschule und Secondary schools durchgeführt und Ihnen aufgezeigt, wie moderner Unterricht in den Fächern Mathematik, Physik, Chemie und Biologie stattfinden kann. Wir haben diese Fächer gewählt, weil sie „unverfänglicher“ waren als beispielsweise Geschichte oder Sozialkunde. Es haben sich insgesamt 22 Universitäten aus acht Ländern beteiligt und am Ende hatten wir über 700 Lehrer geschult.
Aber was soll ich Ihnen sagen?
Wichtiger waren eigentlich Situationen, in denen sich zum Beispiel ein Kollege aus Serbien mit Tränen in den Augen bei zwei Kolleginnen aus dem Kosovo entschuldigte und um Vergebung bat für all das, was sein Land den Kosovaren angetan hatte.
Oder es saßen sechs Junge Professoren aus verschiedenen Balkanländern in Sarajevo mit ihrem alten Professor zusammen und waren glücklich, dass sie als ehemalige Studienkollegen über alle inzwischen bestehenden Grenzen und Feindseligkeiten hinweg endlich wieder einmal in einem europäischen Projekt gemeinsam arbeiten konnten.

Auch in dieses Projekt bin ich eigentlich hineingeschlittert. Angefangen hat es damit dass die Hochschulrektorenkonferenz in Bonn an alle deutschen Universitäten schrieb und anfragte, wer denn bereit sei, unmittelbar nach Kriegsende mit einer Gruppe von Hochschullehrern in den Kosovo zu reisen. Aus allen deutschen Universitäten kamen etwa acht Personen zusammen.
Aus diesem Besuch erwuchs dann sehr rasch drei Monate später ein internationales Projekt in Budapest, bei dem Kolleginnen und Kollegen aus anderen osteuropäischen Ländern den kosovarischen Kollegen ihre Erfahrungen mitteilten, die sie durch die Wende in ihren Ländern erlebt hatten.
Es war der Anfang von einigen Projekten mit verschiedenen Ländern im Balkan.

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Mein Beruf war schon immer mein Leben. Deshalb habe ich auch nie richtig aufgehört zu arbeiten. Während Freunde von mir schon seit vielen Jahren im Ruhestand sind, bin ich auch jetzt noch höchst aktiv. Allerdings habe ich zwei Wahrheiten gelernt. Die eine heißt: Altwerden ist nichts für Feiglinge und die zweite ist wesentlich bitterer: der Kopf eines alten Menschen betrügt ihn, weil er noch „Jung denken und fühlen“ kann und ihn aber leider allzu leicht vergessen lässt, dass sein Körper dabei leider nicht mehr mitspielt.

Das Schlimmste, was ich wohl je machen musste war, einer Mutter die Nachricht zu überbringen, dass ihre Tochter bei einem Autounfall in Afrika ums Leben gekommen war. Ich hätte das nicht ohne meine Frau geschafft, ohne sie wäre wohl auch mein ganzes Leben, so wie es gelaufen ist, nicht möglich gewesen. Wir sind ein sehr eng vernetztes System, das eigentlich immer perfekt funktioniert hat. Für mich war es stets wichtig, dass in diesem System jeder die größtmögliche Form von Freiheit hat, um sich zu entfalten. Das haben wir auch stets  in der Erziehung unserer Kinder versucht und wir sind mit dem Ergebnis durchaus zufrieden.

Als ehemalige 68 er, die mit dem Kinderwagen auf der Demonstration waren, hatten wir hinreichend Möglichkeiten, uns über die Bedeutung von Freiheit Gedanken zu machen.
Unser Treppenaufgang im eigenen! Haus war damals mit Che – Guevara-Plakat und Staeck-Plakaten ausgekleidet.

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Kennen gelernt habe ich meine Frau auch auf ungewöhnliche Weise und zwar als „Babysitter“ in einer Disco in Skandinavien im Urlaub !!Und  das passierte ausgerechnet mir  als chronischem Nichttänzer.
Nach 4 Tagen habe ich sie dann gefragt, ob sie mich heiraten würde: Die Antwort  „Vielleicht“ werfe ich ihr heute noch vor!!
Ihre Muttersprache habe ich dann vor allem dadurch gelernt, dass sie auf meine Bitte hin von Anfang an alle Briefe – und es waren sehr viele – an mich in ihrer Muttersprache  schrieb. So habe ich ihre Sprache gelernt.

Es gab in meinem Leben auch eine Reihe von „Zufällen“, bei denen ich nicht zu glauben vermag, dass es nur Zufälle waren.
Wir hatten für sieben Jahre ein schwer milieugeschädigtes Waisenkind in unserer Familie aufgenommen. Der Junge hatte seinen Namen bekommen nach einem Onkel, der als Flüchtlingskind aus Ostpreußen in einem skandinavischen Internierungslager ums Leben gekommen war. Die Großeltern erzählten uns, dass sie das Grab ihres Kindes nie gesehen hätten.
Unsere Familie  hat dieses Grab dann später gefunden und wir konnten den alten Leuten erstmals die Grabstätte ihres Kindes zeigen, dessen Name ihr Enkel, also unser Pflegekind hatte .

Die beiden Alten  berichteten auch, dass sie im Internierungslager nur überlebt hätten durch die Hilfe einer Familie, bei der der Vater arbeiten durfte.
Eines Tages brachte die alte Frau einen Brief zu uns, den sie gefunden hatte und der von dieser Familie stammte. Als meine Frau den Brief zu lesen begann, erstarrte sie.  Die Schreiberin des Briefes war ihre Patin.
Da hatte  jemand hunderte Kilometer weg einer deutschen Familie im Internierungslager das Leben gerettet und wir nahmen dann 40 Jahre später dieses Kind auf.

Und noch so „merkwürdige“ Zufälle:
Ein Onkel von mir war elf Jahre lang als politischer Gefangener im KZ und zog wenige Jahre nach dem Krieg mit seiner Familie in die USA. Beide Cousins waren bei der Armee: einer landete völlig überraschend als GI in Nürnberg!! Und wir hatten eine sehr gute Zeit miteinander.
Der andere war als Bomberpilot in Vietnam und bei meinem letztjährigen Beratungseinsatz im Mekong Delta in Vietnam erfahre ich von meiner Projektbetreuerin, dass ihr Vater Flieger in der vietnamesischen Armee gewesen ist!

Jetzt machen wir hier aber einen Schlusspunkt!

Ich könnte noch sehr viel mehr durchaus Interesssantes  erzählen, aber ich denke, für ein Leben – und einen Abend – ist das ausreichend!”

 


 

“I know I can be quite stubborn. I always had my own ideas. Some colleagues and bosses told me: „If you go on like that you will be in big trouble soon for sure.“ But this never mattered to me too much. As a young teacher I once replied to my boss to this question: „Well, than they have to fire me. But it is still right what I have planned and put into reality here.“ And I did put it into reality.
If I am convinced about something, I can really fight about it. I always told my students and my own kids those things: Commitment, Engagement, interest, hard-working and most importantly the determination to make your own way – these are the important things in life. Don’t just „function“, but act self-determined and critical.

Some people might read my vita just like one dent less path of glory. But for sure every life has some throwbacks and not everything went through smoothly. But this is also a part of life.

One story about throwbacks I will never forget. I was working on a project which was very close to my heart. I really loved it and was working hard to make it successful. It was very important to me and I was quite successful because I was always honest, integer and straight to work with eveyone together. And then there was this group of people who wanted to kick me out for various reasons. And they got their way. These are probably the only people in my life I can not forgive. This situation made me almost despair and only good friends and my wife got me out of this. If you take away my work then I go crazy. That was actually all my life like that!

I have worked in many different countries around the globe and there are a lot of interesting things you will learn and some funny stories.
One case was particularly interesting. I was the project leader and we were in need of a transformer so the air-cons would work. The responsible man of the ministry of energy did not want to give us the approval – probably because he wanted to have some „acceleration money“.
My personal assistant just drew me back to a bench just on the opposite site of the counter. And there we sat for 4 hours in silence. Just staring at this man while he went on talking to customers. At a certain time he went over to hour bank and said: „Alright. You get the transformer tomorrow.“ I guess you call it the „Asian way of negotiation“.

One project which I managed right after the war ended in the Balkan States was very exciting. Within an European project I invited all war leading nations and over three years we held seminars for teachers on colleges and Secondary schools to give them guidance for modern teaching in the topics Mathematics, physics, chemistry and biology. We have chosen those topics since they are more „harmless“ than sociology or history. 22 universities were part of the program and in the end over 700 teachers have been in the seminars.
But you know what?
Far more important were actually those situations in which a colleague from Serbia apologized to two colleagues from Kosovo with tears in his eyes and asked for forgiveness for all the things his country did to the Kosovan people.
Or where six young professors from all different Balkan countries sat together in Sarajevo with their former professor and just enjoyed the moment where all the former class mates could finally work together on a European project – over all borders which were now existing and letting behind all hostility.

My job was always my life. This is why I actually never stoped working. While friends retired already years ago, but I am still highly active. I had to learn two truths. One is: Getting old is nothing for cowards. And the second one is even more bitter: The head of an old man will always be cheated by his body. Because he still can „feel and think young“ but his lets him forget sometimes that his body might not play along.

The most difficult moment of my life was when I had to tell a mother that her daughter died in an accident in Africa. I would never have managed to do that without my wife. Actually without her my life would never have been possible like that. We are like a tight cross-linked system which was working perfectly the whole time. It was always very important to me to have the highest possible form of freedom so both can evolve at max. This is what we also tried out on our kids in our education and I am very pleased with the results.

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Germanistik

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“Ich bin nicht so gerne in die Schule gegangen. Irgendwie hab ich keinen Anschluss dort gefunden. Da gefällt mir das Studium schon deutlich besser. Ich kann selber bestimmen, was ich möchte.
Was ich danach machen möchte, weiss ich noch nicht.”


“I did not like school too much. I just could not find connections there. I like university far better. There I can decide all by myself.
What I will do afterwards, I don’t know yet.”